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Dieser Artikel: Ausgabe 03/2004 vom 18.01.2004
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Im Hauskreis die Bibel neu entdecken

Kommunitäten in Bayern: Die »Bruderschaft vom Kreuz«


Hundert Menschen, die eher im Stillen wirken: Die »Bruderschaft vom Kreuz« will in der Hauskreisarbeit die Bibel entdecken.
Foto: Halke
   Hundert Menschen, die eher im Stillen wirken: Die »Bruderschaft vom Kreuz« will in der Hauskreisarbeit die Bibel entdecken.

Sie tragen keine Tracht, sie besitzen kein geistliches Zentrum, sie üben normale Berufe aus. Man erkennt sie nicht an äußeren Zeichen, etwa an einem Kreuz, einer Brosche, einem Signet. Das Leben dieser Schwestern und Brüder verläuft meist ganz normal in Familien, an verschiedenen Orten in Bayern. Deshalb ist diese Kommunität auch relativ unbekannt, obwohl die »Bruderschaft vom Kreuz« rund hundert Mitglieder zählt.

»Wir wirken im Stillen«, sagen die Verantwortlichen. »Wir legen keinen Wert auf große Öffentlichkeit. Wir machen für uns keine Werbung.« Wie ist diese geistliche Gemeinschaft entstanden?

Begonnen hat alles Anfang der fünfziger Jahre in Bayreuth. Studierende der Pädagogischen Hochschule fanden sich zusammen, hielten Bibelabende, fuhren gemeinsam auf Freizeiten. Beeinflusst vom Studentenpfarrer entstand eine enge Gemeinschaft, die auch nicht aufhören sollte, als das Studium beendet war. »Wir könnten eine Bruderschaft gründen«, wurde plötzlich überlegt, nachdem die Gruppe von ähnlichen Gemeinschaften gehört hatte. Manche hielten es für eine göttliche Eingebung, der sie Folge leisten sollten.

So entstand die »Bruderschaft vom Kreuz«, wie sich Mitbegründerin Rotraud Schaefer an die Anfänge erinnert. Der ersten Mitglieder waren junge Lehrerinnen und Lehrer, die nach dem Abschluss ihrer Ausbildung ihre Dienstorte in verschiedenen Teilen des Landes fanden. Dann kamen andere Berufe, kirchliche Mitarbeiter, auch Pfarrer dazu. Ein Aufnahmeformular wurde entwickelt. Nach einem Noviziat erfolgt die Aufnahme. Die Schwester oder der Bruder verpflichtet sich zu »unauflöslicher Mitgliedschaft« auf Lebenszeit. Außerdem verspricht das Mitglied, den Zehnten seines Einkommens zu spenden. Das Geld geht an die übergeordnete »Bruderschaft vom gemeinsamen Leben«, mit der die Kreuzbruderschaft von Anbeginn verbunden ist.

Von Sr. Rotraud wird ihre Bruderschaft als »missionarisch« beschrieben, in der auch einige charismatische Tendenzen vorhanden seien. Kontemplative Elemente oder diakonische Aktivitäten spielen keine besondere Rolle. »Unser Hauptanliegen war die Bildung von Hauskreisen«, erzählt Sr. Rotraud. An allen Orten, wo Mitglieder der Bruderschaft wohnten, wurde zu diesen Abenden eingeladen, bei denen neben der persönlichen Begegnung und dem Gespräch die Bibel im Mittelpunkt steht (siehe »Nachgefragt«).

Die Bruderschaft rechnet es sich als ihren Verdienst an, dass die Hauskreisbewegung sich in Bayern so gut entwickelte und heute offiziell auch von der Kirche gefördert wird. Sich in den Häusern um die Bibel zu versammeln, sich über den Glauben auszutauschen, gemeinsam zu beten, ist für sie eine wichtige Möglichkeit zur Verbreitung des Evangeliums. Diese Zusammenkünfte sind auch für Christen anderer Konfessionen offen, zumal die Förderung der Ökumene auch zu den Zielen der Kreuzbruderschaft gehört.

Die Mitglieder haben sich bemüht, in Orte zu ziehen und dort Nachbarschaften zu bilden, wo schon andere Geschwister lebten. So sind Ortsgruppen entstanden, in denen die persönlichen Kontakte gepflegt werden können. In Stein beispielsweise kauften Mitglieder drei nebeneinander stehende Reihenhäuser und leben in enger Nachbarschaft beisammen. Sonst wird der Kontakt durch Tagungen aufrechterhalten, die alljährlich in der Karwoche und während der Herbstferien stattfinden. Die Jahresrüstzeit im Sommer ist für alle Schwestern und Brüder verpflichtend.

Ihre Tagungen versteht die Bruderschaft auch als missionarische Möglichkeit, um andere religiös Interessierte anzusprechen. So ist Ende Januar die 30. Tagung »Gemeinde bauen«, bei der »von der Anbetung im Volk Gottes« die Rede sein wird. Planungen für die Zukunft und Entscheidungen werden von einem Konvent getroffen, der sich aus Vertretern der Ortsgruppen zusammensetzt. »Bei uns gibt es keine Mehrheitsbeschlüsse«, sagt Sr. Rotraud, »sondern wir beraten so lange, bis wir den Weg Gottes für uns 'erkannt' haben.«

»Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht«

Der Mitbegründerin liegen von jeher besonders die Mitschwestern am Herzen, die allein leben. »Nach dem Krieg gab's wenig Männer, da war es vielen Frauen gar nicht möglich zu heiraten«, erinnert sie sich. Für sich selber hat sie nach einiger Zeit der Prüfung erkannt, »ich sollte hier wirklich im Ledigenstand für Gott bleiben«. Für Schwestern mit ähnlichen Gedanken hat sie dann die Möglichkeit entwickelt, durch »Hingabe-Gebete« sich ganz für den Ledigenstand zu entscheiden (siehe »Nachgefragt«).

Inzwischen ist die »Bruderschaft vom Kreuz« älter geworden. Nur wenige aus der jüngeren Generation kamen hinzu. »Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht«, sagen die Verantwortlichen. Aber sie vertrauen darauf, dass ihnen der rechte Weg in die Zukunft von Gott gezeigt wird.

  Anschrift: Bruderschaft vom Kreuz, Sr. Rotraud Schaefer, Jagdweg 45e, 90547 Stein, oder Günter Krüger, Stolzingstraße 169, 95445 Bayreuth.

Kommunitäten in Bayern

 

Alle Folgen der » Kommunitäten-Serie und weitere Informationen finden Sie » hier...

 

INTERVIEW

Schwester Rotraud Schaefer (75), von Beruf Lehrerin, ist Mitbegründerin der Bruderschaft vom Kreuz und hat deren Weg seit den 50er Jahren maßgeblich mitgeformt. » mehr!

Helmut Winter

 


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abgerufen 08.02.2012 - 10:58 Uhr

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