Home
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Das Sonntagsblatt-Blog
Anzeigen-Service
Leserreisen
Zeitvertreib
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 08.02.2012
Aktuelle Ausgabe: 06 vom 05.02.2012
Artikel mit anderen teilen!
Dieser Artikel: Ausgabe 02/2004 vom 11.01.2004
Alle Artikel der » Ausgabe 02/2004 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Sanatorium für die Seele

In einer Gründerzeitvilla im Pegnitztal hat seit 1985 der St.-Johannis-Konvent vom gemeinsamen Leben seinen Sitz


Stolze Villa über dem Pegnitztal: Der St.-Johannis-Konvent vom gemeinsamen Leben (v.l.: Leiterin Schwester Teresa Vöringer, Schwester Hulda Funck und Schwester Sarah Müntinga) hat seit 1985 in Eschenbach eine feste Bleibe gefunden.
Foto: Fechter
   Stolze Villa über dem Pegnitztal: Der St.-Johannis-Konvent vom gemeinsamen Leben (v.l.: Leiterin Schwester Teresa Vöringer, Schwester Hulda Funck und Schwester Sarah Müntinga) hat seit 1985 in Eschenbach eine feste Bleibe gefunden.

Das Terrain hat das Zeug zum Sanatorium. Von der wilhelminischen Villa am Dorfrand aus führt eine Allee vorbei an idyllischen Ruhebänken und einer Kneipp-Anlage hangaufwärts. Oben lohnt eine herrliche Aussicht hinunter ins Pegnitztal, zu genießen am besten vom windgeschützten Jugendstilpavillon aus.

Sanatorium? Obwohl die weiträumige Anlage, am nordwestlichen Ortsrand von Eschenbach in der Hersbrucker Schweiz gelegen, ohne dienstbare Geister in weißen Kitteln auskommt und auch sonstige Anzeichen medizinischen Geschehens vermissen lässt, ist der Begriff vielleicht nicht ganz verkehrt: ein Sanatorium für die Seele. Es entstand 1985 mit dem Einzug der Schwestern des St.-Johannis-Konvents vom gemeinsamen Leben in ein einstiges Erholungsheim für gestresste Siemensianer. Sieben Frauen zwischen 40 und 71 betreiben das Haus als spirituellen Tagungs- und Einkehrort.

Für den Konvent, der seit 1992 von Schwester Teresa Vöringer, im bürgerlichen Leben gewesene Pfarrerin, geleitet wird, ist das 500-Seelen-Dorf im Pegnitztal die bislang letzte Station einer seltsamen Reise, die 1947 im Bezirkskrankenhaus im thüringischen Stadtroda ihren Anfang nahm. Dort hatte die Psychotherapeutin Luise Saatmann die Mission verspürt, Frauen aus therapeutischen Berufen um sich zu scharen, um in gruppendynamischen Prozessen mit psychisch kranken Menschen zu arbeiten. »Heilende Gruppe« war das Schlagwort. Um ihren geistlichen Anspruch zu unterstreichen, nannte sich Dr. Saatmann nach Johannes dem Täufer künftig »Mutter Johannis« und verlegte ihren Wirkungskreis ein Jahr darauf nach Frankfurt/Main, wo sie eine eigene Praxis eröffnete.

Das Erblühen ihrer Idee hat die visionäre Ärztin selber nie erlebt. Sie starb Ende der 50er-Jahre, ohne dass sich ihre Vorstellungen von der »heilenden Gruppe« verwirklicht hätten - bis dato hatte sich ihr nämlich nur eine weitere Frau angeschlossen. Die aber gab die Gedanken von »Mutter Johannis«, die selbst keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen hatte, immerhin so überzeugend weiter, dass der Johannis-Konvent nach dem Tod seiner Gründerin zwar zaghaft, aber doch immerhin Fuß fassen konnte. Über Erlangen und Schloss Craheim gelangte die mittlerweile zehn Schwestern umfassende Gemeinschaft 1974 ins Schloss von Reichenschwand und unterhielt dort erstmals ein breiteres Tagungs­angebot, das sich von der vormaligen Beschränkung auf die Betreuung psychisch Kranker löste. 1985 ging es weiter nach Eschenbach.

Von den gruppendynamischen Visionen der Gründerin ist dort - wohl nicht zuletzt deshalb, weil sie sich als nicht praktikabel erwiesen - wenig übrig geblieben. Die Gründungsgeschichte, die doch mehr Fragen hinterlässt als Antworten gibt, spielt jedenfalls im Alltag des Konvents keine Rolle mehr. Es ist wohl auch kein Zufall, dass sie noch niemand niedergeschrieben hat.

Der Ansatz, den der Konvent verfolgt, ist »inhaltlich nicht spezifisch«, sagt Schwester Teresa: »Es ist uns wichtig, durch unser gemeinsames Leben, Beten und Arbeiten einen Raum bereit zu stellen, in dem Menschen Gott begegnen und im Glauben wachsen können.« In dem eher allgemeinen Bekenntnis zur klösterlichen Einkehr steckt unübersehbar eine gewisse Emanzipation von der Gründerin. Angeboten werden Bibelseminare, Werkkurse »biblische Figuren« oder Impulse für das »Evangelium im Alltag«. Neuerdings laden die Schwestern sogar zur mehrtägigen Radtour über die Frankenalb ein.

Die besondere Note des Hauses entsteht weniger durch spektakuläre Selbsterfahrungskurse, die in Reichenschwander Zeiten den Konvent bis in die Schweiz bekannt machten, sondern in der persönlichen Note der Gästebetreuung. Wer hier an Seminaren teilnimmt oder auch nur als Einzelgast ein Wochenende zur inneren Einkehr bucht, ist immer in den Kreis der Schwestern integriert. Elitäre Abgrenzung gibt es nicht - übrigens auch nicht in der Kleidung, denn im Johanniskonvent wird keine Tracht getragen. Nur ein Ring mit dem Datum der Profess erinnert an die Bindung an die Gemeinschaft. Organisiert ist der Konvent als Verein, dessen Vorsitzende die Leitende Schwester ist. Haus und Grundstück sind in Vereinsbesitz. Seit einigen Jahren bestehen Kontakte zu spirituell verwandten Gemeinschaften in Bulgarien, Polen und Rumänien.

Anfänglichem Misstrauen der Ortsgemeinde, ob sich mit den neuen Nachbarn möglicherweise eine Sekte in Eschenbach breitmachen wollte, begegnete man mit einer Art Umarmungsoffensive: Die Schwestern helfen mit in der Jugendarbeit, gestalten den Weltgebetstag der Frauen und sind inzwischen gar im Kirchenvorstand vertreten. Eigene Gottesdienste in der kleinen Hauskapelle finden, um Überschneidungen zu vermeiden, samstags statt.

Wie lange noch? Nachwuchs ist nicht in Sicht. Von sieben Schwestern sind fünf über 60. »Eine Antwort auf diese Frage haben wir nicht«, sagt die Leiterin. Es besteht ein Kreis von neun Tertiärschwestern, ein engerer Freundeskreis. Immer wieder schließen sich dem Konvent Schwestern auf Zeit an. Doch die Bindung auf Lebenszeit ist ein Hindernis, das seit 1986 nur drei Frauen überwunden haben.

Sarah Müntinga (55) etwa brauchte neun Jahre Bedenkzeit, bis sie sich über der Frage »was will ich für mein Leben« für den Eintritt in den Konvent entschied. Bereut hat sie es nicht: »Mein Leben ist rund und erfüllt, frei für Gott und die Menschen.«

Kommunitäten in Bayern

 

Alle Folgen der » Kommunitäten-Serie und weitere Informationen finden Sie » hier...

 

TAGUNGSANGEBOTE

  »Mit dem Evangelium im Alltag leben«, sechs Abende ab 1. März. Anmeldung bis 20. Februar; vier Abende ab 29. November.

  »Tage der Erfrischung« mit Gebet, Austausch, Tänzen, Abendmahl am 20. März, 19. Juni und 2. Oktober.

  »Auf Ostern zugehen« von 7. bis 12. April.

  »Zu Fuß / mit dem Fahrrad unterwegs in der Frankenalb« von 20. bis 22. Mai bzw. 30. Juni bis 4. Juli.

  »Bibelseminar Markusevangelium«, sechs Abende ab 20. September.

  »Einkehrtage« von 29. Oktober bis 1. November.

Informationen und Anmeldung zu allen Angeboten beim St.-Johannis-Konvent v.g.L., Eschenbach 207, 91224 Pommelsbrunn, Tel. (09154) 1287, Fax (09154) 911716, E-Mail: st.johannis-konvent@web.de

Thomas Greif

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2004_02_08_01.htm
abgerufen 08.02.2012 - 11:45 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2012, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster