Synodenempfang mit Gulaschsuppe im König-Ludwig-Saal
Mozartmesse und stuckverziertes Altes Kurhaus verleihen der Spar-Synode Glanz
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 Dekanatskantor Matthias Roth dirigierte Mozarts »Missa brevis in C«. Im Hintergrund des Motettenchors der evangelischen Stadtkirche Bad Reichenhall ist ein Altarbild von Hubert Distler zu sehen.
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Mit Pauken und Trompeten hat vergangenen Sonntag die diesjährige Herbsttagung der evangelischen Landessynode in Bad Reichenhall begonnen. Zum Eröffnungsgottesdienst war Dekanatskantor Matthias Roth mit dem Motettenchor der evangelischen Stadtkirche und Orchester angetreten, um die 108 Synodalen mit der »Missa brevis in C« von Wolfgang Amadeus Mozart auf ihre Besprechungen einzustimmen. Der zweite Höhepunkt neben dem kirchenmusikalischen Genuss war zugleich ein Novum: Zum ersten Mal hielt eine Pfarrerin der österreichischen Landeskirche die Festpredigt bei einem Synodengottesdienst - ein Fingerzeig auf die wachsende grenzüberschreitende Zusammenarbeit des Dekanats Traunstein und der Superintendenz Salzburg und Tirol im Rahmen der »Euregio«.
»Kein Grund, auf Sparflamme zu schalten«
In ihrer Predigt stellte Superintendentin Luise Müller den Synodalen angesichts der knapper werdenden Finanzmittel die Frage »nach dem richtigen, nach dem klugen Handeln«. Die Kirche solle sich nicht schulterzuckend mit dem Verfügbaren arrangieren. In der Hoffnung auf Gott sollten es sich Christen, so Müller, auch weiterhin »nicht verwehren lassen, Feuer und Flamme zu sein«. »Auch wenn es heute scheinbar abwärts geht: noch ist alles drin«, sagte Müller. Christen könnten mit Gottes Kommen rechnen, auch wenn der Zeitpunkt ungewiss sei. »Das ist kein Grund, auf Sparflamme zu schalten - weder in unseren Kirchen, noch in unserem persönlichen Leben«. Ihre Aufforderung an die Synodalen: »Gönnen wir uns das verschwenderische Hoffen, das Leuchten, das Brennen.« Nach dem Gottesdienst mussten die Synodalen nur wenige Schritte zum Empfang im festlich erleuchteten Alten Kurhaus gehen, das, direkt gegenüber der evangelischen Stadtkirche gelegen, auch Tagungsort für den viertägigen Sitzungsmarathon war. Der Bad Reichenhaller Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier zeigte sich scherzhaft überrascht, dass das evangelische Kirchenparlament nur acht Jahre nach seiner Reichenhaller Tagung 1995 wieder in den Kurort zurückkehrte. »Vielleicht waren die Ergebnisse von damals, als es ja auch schon um Stellen und Finanzen gegangen war, so nachhaltig und friedensstiftend, dass sie deshalb wieder gekommen sind«, mutmaßte Heitmeier. Dankbar zeigte sich das Stadtoberhaupt für die gute Ausstattung und die ökumenische Zusammenarbeit in der Kurseelsorge: »Eine Kur ist mehr als Pillen - die Menschen wollen auch zu sich selbst finden.«
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 Noble Adresse: Die Sitzungen des Kirchenparlaments fanden in den imposanten Sälen des »Alten Kurhauses« statt.
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Den hohen Stellenwert der Kurseelsorge betonte auch Dekan Gottfried Stritar vom gastgebenden Dekanat Traunstein und forderte, diesen Arbeitsbereich bei der Budgetierung des Haushalts zu berücksichtigen. Er stellte den Synodalen in seiner Begrüßungsrede drei wesentliche Merkmale seines Dekanatsbezirks vor Augen: Die für Oberbayern typische Diasporasituation, in der die nördlichste und die südlichste Gemeinde zwei Autostunden voneinander entfernt sind; die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der evangelischen Kirchen von Bayern und Österreich in einem längst schon grenzenlosen Europa; und schließlich das Leitbild des Dekanats Traunstein von einer »kirchlichen Diakonie und diakonischen Kirche«. Beides seien zwei Seiten von ein und derselben Medaille, so Stritar: »Es geht darum, die Menschenfreundlichkeit des Evangeliums wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken - das sollte auch in den Stellungnahmen und Beschlüssen der Synode rüberkommen.«
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 Bayerisch - österreichische Verbindung: Der Traunsteiner Dekan Gottfried Stritar, gebürtiger Wiener, und die Salzburger Superintendentin Luise Müller, geboren in Oberfranken, forcieren derzeit eine euregionale Zusammenarbeit auf Kirchenebene.
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Landesbischof Johannes Friedrich schließlich gestand, zum ersten Mal in seinem Leben in Bad Reichenhall zu sein und erteilte Dekan Gottfried Stritar eine scherzhafte Rüge, ihm »dieses Juwel« bei seinem Dekanatsbesuch vorenthalten zu haben. Er würdigte sichtlich begeistert den Eröffnungsgottesdienst als »einen der schönsten Gottesdienste von Synoden, die ich mitgemacht habe«. Sein Lob an die Kirchenmusiker wurde durch spontanen Beifall und laute »Bravo«-Rufe der Gäste bekräftigt. Friedrich ermunterte die Synodalen für die Sitzungstage zu einer kontroversen Diskussion: »Wir können getrost heftig debattieren - wir werden dadurch zu einem guten Ende kommen.« Synodalpräsidentin Heidi Schülke schließlich präsentierte den Gästen eine verblüffend einfache Lösung aller Geldsorgen. »Wir sollten nur einmal unseren Finanzreferenten als Croupier ins Spielcasino lassen - dabei käme bestimmt etwas heraus«, meinte sie augenzwinkernd mit Blick auf die Reichenhaller Spielbank.
Die richtige Einstimmung auf die Spardiskussion gab dann noch mal Oberbürgermeister Heitmeier. Da nicht nur bei der Kirche, sondern auch bei den Kommunen das Geld knapp sei, habe man sich für den Empfang auf Wasser, Bier und Brot geeinigt. Nur angesichts der weiten Reise mancher Synodalen habe er sich, so Heitmeier, zu der Devise erweichen lassen: »Eine Suppe geben wir noch.« Die Bundeswehr lieferte zwei Varianten mit Gulasch und Gemüse, und die Schüler der ortsansässigen Hotelfachschule übernahmen die Bedienung der Gäste im König-Ludwig-Saal. |
Auf einen Blick: Lesen Sie mehr im Themenspecial zur » Landessynode...
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