»Engen Horizont erweitern«
Salzburger Superintendentin über Diaspora in Österreich
Die Evangelische Kirche in Österreich hat 376000 Mitglieder, das entspricht 4,7 Prozent der Bevölkerung. Die Mehrheit folgt dem Augsburger, rund 19000 dem Helvetischen Bekenntnis. Superintendentin der Diözese Salzburg/Tirol ist Luise Müller (Foto), gebürtig in Weißenstadt/Oberfranken. Sie wird beim Eröffnungsgottesdienst der Herbstsynode in der Reichenhaller Stadtkirche die Predigt halten.
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Petersen
 Luise Müller: Die Superintendentin der evangelischen Diözese Salzburg/Tirol ist gebürtige Oberfränkin.
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Die Diaspora-Situation ist in Österreich noch viel stärker ausgeprägt als in Oberbayern. Was sind für Sie die Herausforderungen?
Müller: Wir können uns nicht profilieren, indem wir alles tun. Wir müssen uns auf unsere Begabungen konzentrieren. In Salzburg gibt es zum Beispiel eine sehr gute Flüchtlingsseelsorge. Außerdem hat jede Gemeinde ein eigenes Profil: Eine konzentriert sich auf Kinder, eine auf kirchlich Fernstehende. Natürlich gibt es ein Minimalprogramm: Gottesdienste, Religionsunterricht, Seelsorge und Kasualien. Bei allem, was darüber hinausgeht, müssen wir fragen: Was haben wir nötig, was ist möglich?
Wie ist es in Österreich um die Ökumene bestellt?
Müller: Die Ökumene mit der katholischen Kirche in Österreich ist manchmal schwierig, weil wir eine so kleine Minderheit sind. Bei manchen gemeinsamen Veranstaltungen werden wir so homöopathisch verdünnt, dass wir praktisch gar nicht mehr da sind. Meiner Meinung nach kann eine evangelische Kirche aber nicht ohne Ökumene existieren. Das bedeutet aber vor allem auch die Ökumene mit anderen evangelischen Kirchen - wir müssen unseren engen lutherischen Horizont erweitern!
Was wären die Kernpunkte einer Euregio zwischen dem Dekanat Traunstein und der Diözese Salzburg/Tirol?
Müller: Was wir dringend brauchen, sind Vereinbarungen über Urlaubsvertretungen, Lektorentausch, Urlauber- und Notfallseelsorge. Derzeit kann ein bayerischer Pfarrer wegen des geltenden Kirchenrechts nicht seinen österreichischen Kollegen vertreten - obwohl er nur zehn, die nächste österreichische Gemeinde aber 40 Kilometer weit entfernt ist. Da müssten die Kirchenjuristen beider Seiten mehr Möglichkeiten schaffen.
Was wäre die Chance einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit?
Müller: Grenzen existieren nur noch in den Köpfen der Menschen und im Kirchenrecht. Die Euregio könnte es schaffen, dass sie auch dort verschwinden. Die engen Grenzen, die sowohl deutsche Landeskirchen als auch die österreichische evangelische Kirche um sich ziehen, sind überflüssig. Sie hindern uns nur daran, uns gegenseitig zu helfen, Synergien zu nutzen und von den Ideen der anderen zu profitieren. Das kann in einem Europa ohne Grenzen nicht die Zukunft sein! |