»Einfach 24 tolle Filme«
Ein Filmfestival über, von und mit behinderten Menschen
Filme über behinderte Menschen gibt es einige, Filme von und mit behinderten Menschen dagegen sind noch immer selten. Ein außergewöhnliches Filmfestival in München trägt nun dazu bei, ein Motto des europäischen »Jahrs der Menschen mit Behinderungen 2003« mit Leben zu erfüllen: »Nicht über uns ohne uns.«
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 »Uno mas, uno menos« - ein Chromosom mehr oder weniger: Wenn aus der kühlen Arbeitsbeziehung der Journalistin Ana mit Lourdes, die als Mensch mit Down-Syndrom ein Chromosom zu viel hat, eine warme Freundschaft wird, ergibt sich ein ergreifendes filmisches Bild von Menschlichkeit.
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Zum vierten Mal bereits wird es ausgerichtet und ist so fast selbst schon eine Tradition in Münchens traditionsreichem Filmmuseum am Jakobsplatz: das internationale Kurzfilmfestival: »Wie wir leben.« Ein nahezu einzigartiges Festival, das ausschließlich Filme zum Thema Behinderung zeigt.
Doch gibt es da überhaupt genügend, wo trotz »Jahr der Menschen mit Behinderung« und anderen Initiativen Krankheit und Behinderung meist noch immer so weit wie möglich aus dem Alltag ausgespart bleiben? Absolut, sagt Festivalleiter Gregor Kern von der »Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien (ABM), die das Festival ausrichtet und dabei finanzielle Unterstützung von staatlicher und privater Seite und von Sponsoren aus der Wirtschaft erfährt. Nicht zuletzt, weil Krankheit und Behinderung gerne als »dramaturgische Kniffe« eingesetzt würden.
Ein Mangel an Filmen scheint tatsächlich nicht zu bestehen: Für dieses Jahr hat man knapp 300 Filme aus 43 Ländern erhalten und die Auswahl fiel den Organisatoren schwer. Zu sehen sind nun vom 19. bis zum 22. November insgesamt 24 Kurzfilme aus 13 Ländern.
Auch sonst seien behinderte Menschen öfter als man glaube auf der Leinwand oder dem Bildschirm zu sehen, sagt der Festivalmacher. Doch in welchen Rollen: Häufig in einer Nebenrolle (und in der Regel von einem nichtbehinderten Darsteller gespielt), oft um Konflikte zu verstärken, mehr Drama herzustellen. Also: Behinderte Menschen in der Rolle des Sorgenkindes, das auf Liebe und Güte von anderen angewiesen ist oder am anderen Ende als Helden, die es trotz Behinderung in der Welt der Nichtbehinderten schaffen.
Dagegen will, so Gregor Kern, das Festival eine viel größere Bandbreite von (behindertem) Leben zeigen, eine andere Sichtweise, das Alltägliche dazwischen. Außerdem: Filme, die einen künstlerischen Anspruch haben, die auch nicht nur schwer und anstrengend sind, sondern vielfältig und durchaus auch witzig und fröhlich, wie das Leben auch ist.
Drei Beispiele, um was es in den Filmen geht: In dem englischen »DEF« zum Beispiel steht der jugendliche Tony im Mittelpunkt. Er lebt in einer etwas trostlosen Reihenhaussiedlung, hat keine Lust mehr in die Schule zu gehen. Sein Traum ist es, Rapper zu werden, und in seinen Tagträumen entwirft er immer neue Songs. Es gibt nur ein Problem: Tony ist gehörlos. So rappt Tony in Gebärdensprache, mit einer eigenen Ästhetik. Ein faszinierender Einblick in eine Welt, die manchmal sehr leise und manchmal sehr laut ist.
Eine ganz andere Geschichte erzählt der Film »Mama Wahunzi« aus Thailand/USA: In Uganda und Kenia fehlten 1997 jeweils hunderttausend Rollstühle und nur ein Prozent der vorhandenen steht Frauen zur Verfügung. Drei von ihnen nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und lernen es, Rollstühle zu bauen.
Und ein letztes und wieder anderes Beispiel: »Vocation«, eine biografische Geschichte, wird erzählt von der Nichte eines Priesters. Der infiziert sich vor fast fünfzig Jahren mit Kinderlähmung. Zuerst vom Hals abwärts gelähmt bessert sich sein Zustand, auch wenn seine Lunge schweren Schaden genommen hat. 45 Jahre kämpft er um sein Leben. Ein eindrucksvoller 11-minütiger Kurzfilm, der zeigt, was Glaube in Zeiten der Angst, in Tod und Sterben bedeuten kann.
Weitere Informationen und Festivalprogramm im Internet unter www.abm-medien.de oder unter Telefon (089) 30799220. Die Filme - für alle offen - beginnen zuschauerfreundlich ab 18.00 Uhr. Am Freitag bereits um 15.00 Uhr ein Werkstattgespräch: »Sind Menschen mit Behinderung unterhaltsam?«
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