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Dieser Artikel: Ausgabe 46/2003 vom 16.11.2003
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»Ein Leben ohne Möpse ist denkbar, aber sinnlos«

Ausstellung in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zum 80. Geburtstag von Loriot


Loriot - »Ihr Ältester will König werden? Na, das gibt sich wieder!«
Foto: sob
   »Ihr Ältester will König werden? Na, das gibt sich wieder!« Von Anfang an bestach Loriots Humor durch Genauigkeit. Die Fotoübermalung aus den 50er-Jahren erschien in der Illustrierten Quick.

Dieser Künstler gehört so selbstverständlich zum heiteren leib-seelischen Haushalt unserer Nation, dass man sich kaum klarmacht, was für ein Wunder er ist,« hat Kritikerpapst Joachim Kaiser über ihn gesagt. Am 12. November wurde Vicco von Bülow alias Loriot 80 Jahre alt. Die Bayerische Akademie der Schönen Künste, deren Mitglied von Bülow seit zehn Jahren ist, würdigt den Tausendsassa des feinen Humors nun mit einer Ausstellung in der Münchner Residenz.

Wer kennt sie nicht, die Knollennasen von Loriots Cartoons, Wum und Wendelin oder die Herren Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner, die in der Badewanne darüber streiten, ob die Ente nun zu Wasser gelassen werden darf, oder nicht. Oder andere Loriot-Klassiker wie den Nudel-Sketch mit seiner missglückten Liebeserklärung (»Hildegard, sagen Sie jetzt nichts!«), das schief hängende Bild oder den Ehezwist ums Ei, die Kinofilme »Ödipussi« und »Pappa ante portas« oder die bei Loriot unvermeidlichen Möpse - sie alle gehören zum alt-bundesrepublikanischen Kanon in Sachen Humor.

Vicco von Bülow alias Loriot
Foto: sob
   Er ist der Meister des feinen Humors: Vicco von Bülow alias Loriot.

Doch Vicco von Bülow ist weit mehr als nur ein Humorist. Die Ausstellung stellt in drei Sälen einen Künstler vor, der einer der bekanntesten deutschen Schauspieler und Theatermenschen ist, Karikaturist, Autor, Regisseur und Bühnenbildner. Und in allem, was er in seinem produktiven Leben geschaffen hat, zeigt sich vor allem eins: Präzision, Genauigkeit. Es ist Loriots Genauigkeit in der Beobachtung, in seinen Pointen, seinem Spiel, seinem zeichnerischen Strich, die dazu führt, dass so viel von Loriot dauerhaft geworden ist. Von Loriots Anfängen bei Stern und Quick in den 50er-Jahren über die Zeit der Fernsehsketche bis hin zum Opernregisseur von Bülow führt die Ausstellung den genauen Cartoonisten, den wandelbaren Schauspieler und präzisen Regisseur vor Augen.

Immer wieder kann man beim Rundgang durch die Ausstellung sich das Lachen einfach nicht verkneifen, immer wieder hört man andere lachen. Etwa vor einer der rund 100 Original-Karikaturen, auf der ein Skifahrer gestürzt ist: Nun hängt er kopfüber in einer Gletscherspalte, gehalten nur noch von seinen Skiern. Sein Bekannter sieht sich die Skier aus der Nähe an und ruft entrüstet aus: »Ihre Sicherheitsbindung hat sich ja wieder nicht geöffnet!«

Loriots Kochrezepte sind komisch, aber auch schön: Die Verbindung von alten Stichen und Loriots neuen Strichen lässt an Kochbücher des 19. Jahrhunderts denken - nur dürften in diesen keine Anleitungen zu Herstellung von »Walfisch, Tiroler Art« oder »Nilpferd in Burgunder« (man nehme: 2000 Liter Burgunder) zu finden sein. Schon eher ein »Bauernomelette«, allerdings nicht mit der Grundzutat von »ein bis zwei zarten Landwirten«.

An einer Wand steht: »Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit bittet alle Urlauber, ihr belichtetes Fotomaterial nicht an ihn persönlich zu schicken, sondern direkt an die zuständigen Entwicklungsländer« - herrlich geistreicher Nonsens von dem Adelsspross, dessen Familie im Wappen den Pirol führt, der auf Französisch ein »Loriot« ist.

Am Ende bleibt man vielleicht noch lange vor all den wundervollen Fernseh-Sketchen sitzen - mit oder ohne Loriots kongenialer Partnerin Evelyn Hamann und so lange, bis das Zwerchfell nicht mehr mitmacht.

Dass der feinsinnige Loriot die klassische Musik liebt und insbesondere Wagner, hat er mit zahlreichen Sketchen und Kunststücken unter Beweis gestellt. Da ist es schade, dass ein Glanzstück des »späten Loriot« fehlt: der von ihm so unterhaltsam wie unverfroren auf einen Abend zusammengestrichene Wagnersche »Ring des Nibelungen«. Von dem »Schwingen zwischen zwei Polen«, wie Loriot gesagt hat, zwischen der Faszination der Musik Wagners und dem Lachen hat sich der Wagner-Fan erhofft, »vielen die Angst vor diesem gewaltigen Werk« zu nehmen. Denn das ist Loriots Credo: Über eine Sache zu lachen, heißt noch lange nicht, sie verächtlich zu machen.

  »Loriot«, bis 25. Januar in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Max-Joseph-Platz 3 (Residenz), Di. bis So. von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 3,50 Euro (2,50 Euro)

Markus Springer

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:59 Uhr

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