Sagen Sie mal, Schalksknecht...
Interviews mit Personen der Bibel (45)
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 Andrea Mantegna: Fresko, Palazzo Duccale, Mantua 1474
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Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht?
Matthäus 18,32-33
...sind Sie inzwischen schuldenfrei?
Schalksknecht: Wo denken Sie hin? Ich hatte mich damals finanziell dermaßen übernommen, dass der Kredit noch immer nicht getilgt ist. Im Moment schaffe ich es nur, die Zinsen zu bezahlen. Zehntausend Zentner Silber auf zweitausend Jahre, darauf Zinsen und Zinsenszins - da kommt ganz schön was zusammen. Von einer Tilgung kann gar nicht die Rede sein.
Sie haben sich Ihre Notlage selbst zuzuschreiben.
Schalksknecht: Den Spruch haben mir die Leute bei der kirchlichen Schuldnerberatung auch aufgesagt. Geholfen hat er mir, ehrlich gesagt, nicht. Dass ich selbst schuld bin, weiß ich.
Wie konnten Sie auch Ihren Mitknecht wegen hundert Silbergroschen so unter Druck setzen - kurz nachdem Ihnen selbst Ihr Herr so viel höhere Schulden erlassen hatte?
Schalksknecht: Entschuldigen kann ich das nicht, nur erklären. Ich stand selbst unter riesigem seelischem Druck.
Sie standen unter Druck? Ihr Herr hatte Ihnen doch sämtliche Schulden erlassen - einfach so, aus Barmherzigkeit!
Schalksknecht: Das stimmt zwar und mir sind auch viele Steine vom Herzen gerollt. Aber ich sage Ihnen: Ein so großes Geschenk anzunehmen, kann auch schwierig sein. Zwar war ich befreit von meiner Schuldenlast. Aber ich fühlte mich als Versager. Wie einer, der sein eigenes Leben nicht in den Griff bekommen hat und auf die Almosen anderer Menschen angewiesen ist. In dieser Situation kam mein Mitknecht auf mich zu und eröffnete mir, dass er seine läppischen hundert Silbergroschen nicht bezahlen könne. Das kam mir absolut lächerlich vor im Gegensatz zu meinem Schuldenberg!
Sie haben ihn wegen dieser »Peanuts« ins Gefängnis werfen lassen!
Schalksknecht: Das war ein Fehler, ich hab's ja eingesehen. Trotzdem fand ich es stark übertrieben, dass mein Herr daraufhin die zehntausend Zentner Silber zurückforderte, die er mir kurz zuvor erlassen hatte.
Ich finde das angemessen und verständlich.
Schalksknecht: Er war reich, er brauchte das Geld gar nicht!
Sehen Sie es als pädagogische Maßnahme. Manchmal ist Geld die einzige Sprache, die Menschen verstehen. Das scheint angesichts Ihrer Hartherzigkeit der Fall gewesen zu sein.
Schalksknecht: Von da an hatte ich jedenfalls so große Geldsorgen, dass ich meines Lebens nicht mehr froh geworden bin.
In jeder Krise steckt eine Chance!
Schalksknecht: Die suche ich seit Jahrhunderten.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sie finden. Alles Gute.
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ZUR PERSON
DER SCHALKSKNECHT ist keine historische Person der Bibel, sondern eine Gestalt in einem Gleichnis Jesu, das in der Lutherbibel die Überschrift »Von der Vergebung« trägt. Jesus beantwortete mit diesem Gleichnis eine Frage seines Jüngers Petrus: »Wie oft muss ich meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben?« Wenn sich die Menschen untereinander nicht vergeben, so lautet das harte Fazit, wird auch der himmlische Vater seine Vergebung zurückziehen.
QUELLE: Matthäus 18,21-35 (Nachschlagen bei » bibel-online.net)
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Der Theologe UWE BIRNSTEIN interviewt zum ökumenischen Jahr der Bibel 2003 Jesus, Maria und andere prominente Männer und Frauen der Heiligen Schrift.  |