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Dieser Artikel: Ausgabe 46/2003 vom 16.11.2003
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Gottes Weg mit jedem Menschen

»Sind nur die Getauften Kinder Gottes?«


An einem der letzten Sonntage war ich im Gottesdienst, da wurde ein Kind getauft. Und da beginnt mein Problem. Der Pfarrer predigte nämlich darüber, dass man durch die Taufe zu einem Kind Gottes wird. Ich habe das schon öfter gehört und es trifft mich immer wieder neu.

Die Sache ist nämlich die, dass ich selber nicht getauft bin. Meine Eltern waren konfessionsverschieden, sind im 3. Reich aus der Kirche ausgetreten und wollten, dass wir Kinder einmal selber entscheiden könnten, zu welcher Konfession wir gehören wollen.

Sie legten uns wohl den Glauben ins Herz, aber nicht eine Kirchenzugehörigkeit. Das bedeutete für mich als Kind schwere innere und äußere Kämpfe, weil ich immer als »ungetaufter Heide« galt, und es hat lange gedauert, bis ich begriff, dass ich einen eigenen Weg mit Gott habe und er mit mir.

Deshalb fühle ich mich immer so zurückgestoßen, wenn in der Kirche gesagt wird, dass die Taufe sozusagen die Eintrittskarte für Gott ist. Ich würde schon auch gern zur Kirche gehören, aber nicht um den Preis der Taufe. Dann wären ja all meine Kämpfe umsonst gewesen. Was meinen Sie: Sind wirklich nur die Getauften Kinder Gottes?

Frau C.

Nein, ganz gewiss nicht. Das wäre viel zu klein von Gott gedacht. Und es liegt auch nicht im menschlichen Ermessen, jemanden zum Kind Gottes zu »machen« oder auch nicht. Wir sind Kinder Gottes, weil er uns gewollt und geschaffen hat. Das wird in der Taufe, besonders in der Kindertaufe, sehr anschaulich und deutlich, weil Gott eben keine Vorbedingungen stellt, sondern uns nimmt und liebt, so wie wir sind.

Aber eben auch die Taufe ist keine Vorbedingung für die Liebe Gottes. Ich glaube auch, dass Gott seinen ganz eigenen Weg mit jedem seiner Menschen hat, und es steht niemanden zu, diesen Weg zu beurteilen oder zu bewerten. Wir wissen nicht, was Gott mit seinen ungetauften Christen, mit seinen Juden, seinen Muslimen, Buddhisten und allen anderen vorhat. Nur dass er mit allen einen Weg hat und keiner Gott fern ist, das wissen wir (Apostelgeschichte 17,27).

Sie haben, wie Sie schreiben, Ihren eigenen Weg mit Gott gefunden, und ich kann verstehen, dass es Ihnen vielleicht fast wie ein Verrat an diesem Weg vorkäme, wenn Sie sich jetzt taufen ließen. Freilich konstituiert die Taufe auch die Kirchenzugehörigkeit, so dass Sie in einem gewissen Sinn ein wenig anders sind und bleiben als andere Gemeindeglieder.

Vielleicht wäre es gut, wenn Sie mit Ihrem Gemeindepfarrer darüber reden würden. Erstens würde es ihm vielleicht helfen, in Zukunft etwas sorgfältiger zu formulieren. Und zweitens könnten Sie vielleicht gemeinsam einen Ritus finden, der Ihnen Ihre Andersartigkeit belässt und trotzdem deutlich macht, dass Sie Teil der Gemeinde sind. Ich könnte mir dazu z.B. eine Segenshandlung oder etwas ähnliches vorstellen.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Irene Silbermann

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Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Irene Silbermann

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:55 Uhr

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