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Dieser Artikel: Ausgabe 46/2003 vom 16.11.2003
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Jüdisches Zentrum als Symbol der Annäherung

Rau, Stoiber und Spiegel warnen bei Grundsteinlegung in München vor antisemitischen Tendenzen


Vertreter von Politik und Judentum haben bei der feierlichen Grundsteinlegung für das neue jüdische Zentrum in München eindringlich zu Widerstand gegen rechtsradikale Gewalt aufgerufen.

In Erinnerung an den 9. November 1938, den Tag der »Reichspogromnacht« mit gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden, sagte Bundespräsident Johannes Rau, dass jeder Bürger sicher sein müsse vor »Gewalt und Diskriminierung«. Rechtsextreme Täter legten einen »Sprengsatz an die Fundamente unserer Gesellschaft«.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) bekräftigte bei dem festlichen Akt in der Münchner Innenstadt die Solidarität mit den jüdischen Mitbürgern. »Wir lassen es nicht zu, dass sich jüdisches Leben aus Angst vor Anschlägen verstecken muss.« Jüdische Zentren gehörten in die Mitte der Städte und nicht in einen »verborgenen Hinterhof«.

Grundsteinlegung für das neue jüdische Zentrum auf dem Münchner Jakobsplatz
Foto: epd-bild
   Grundsteinlegung für das neue jüdische Zentrum auf dem Münchner Jakobsplatz

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, nannte den Neubau des jüdischen Zentrums ein »hoffnungsvolles Symbol« für eine schrittweise Annäherung. Allerdings dürfe das vor der Grundsteinlegung vereitelte Attentat nicht den Blick auf die täglichen rechtsextremen Straftaten verstellen, wie die Verbreitung rechtsradikaler Schriften oder die Schändung jüdischer Friedhöfe. Um dem Anwachsen rechtsradikaler Tendenzen bei Jugendlichen entgegenzuwirken, forderte Spiegel eine stärkere finanzielle Unterstützung von entsprechenden Projekten der Jugendarbeit.

Die Baustelle auf dem Jakobsplatz
Foto: epd-bild
   Die Baustelle auf dem Jakobsplatz

Bei dem Festakt wurde im Grundstein eine Liste mit den persönlichen Daten der jüdischen Bewohner Münchens hinterlegt, die während des Holocausts ermordet, vertrieben und in Konzentrationslager verschleppt worden waren. Dadurch solle diesen Opfern der Nazi-Verfolgung ein »winziges Stück dessen wiedergegeben werden, was ihnen damals geraubt wurde«, sagte Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München.

Das neue jüdische Zentrum in München, das 57 Millionen Euro kosten wird, ist das größte jüdische Bauvorhaben in Europa. Der Gebäudekomplex auf dem St.-Jakobs-Platz in der Stadtmitte umfasst eine Synagoge, das jüdische Museum und ein Kultur- und Gemeindezentrum mit Schule, Kindergarten, einem koscheren Restaurant und Geschäftsräumen. Das Zentrum soll im Jahr 2007 fertig gestellt sein.

STICHWORT

DAS JÜDISCHE ZENTRUM am Jakobsplatz in München ist das größte jüdische Bauvorhaben in Europa. Es besteht aus einer Synagoge für rund 500 Personen, einem Gemeinde- und Kulturzentrum sowie dem Jüdischen Museum München. 90 Prozent der Gesamtkosten von 57 Millionen Euro sind bereits finanziert.

DIE FINANZIERUNG: 20 Millionen Euro stammen aus dem Verkauf des ehemaligen Synagogen-Grundstücks an der Herzog-Max-Straße. Zwölf Millionen Euro zahlt der Freistaat Bayern, weitere Mittel stammen von der Israelitischen Kultusgemeinde, privaten Stiftungen sowie vom Kuratorium Fundraising. Die noch fehlenden rund 10 Millionen Euro sollen Spenden erbringen.

DIE MÜNCHNER HAUPTSYNAGOGE wird 300 männlichen und 200 weiblichen Gästen Platz bieten.

DAS JÜDISCHE MUSEUM, dessen Baukosten von rund 15 Millionen die Stadt München trägt, soll künftig auf 750 Quadratmetern einen Einblick geben in das jüdische Leben.

DAS GEMEINDEZENTRUM umfasst einen Kindergarten, eine Schule, ein koscheres Restaurant sowie ein Sozialzentrum, Sportmöglichkeiten und Geschäftsräume. Mit einem 1400-Quadratmeter-Saal wird das Zentrum über einen der größten mietbaren Veranstaltungsräume in München verfügen.

DIE ISRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE München und Oberbayern zählt rund 9000 Mitglieder. Damit ist sie die zweitgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands. In Bayern leben rund 16500 Juden. In Deutschland gibt es insgesamt 83 jüdische Gemeinden mit rund 100000 Mitgliedern, darüber hinaus weitere 80000 Juden ohne Gemeindezugehörigkeit.

epd

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:34 Uhr

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