Im »Orden des Phönix« kommt der Zauberlehrling in die Pubertät
Ab dem kommenden Wochenende ist der fünfte Harry Potter-Band auf Deutsch in den Buchläden
Hunderttausende Harry Potter-Fans haben dieses Wochenende herbeigesehnt. Am nächsten Samstag, 8. November, ab Mitternacht wird die deutsche Fassung des fünften Harry Potter-Romans in die Buchläden ausgeliefert. Die Post hat reagiert und verkürzt die Wartezeiten: Bundesweit sind rund 1000 Nachtboten unterwegs, um zur Geisterstunde das mit 1024 Seiten auch vom Umfang bisher gewichtigste Potter-Buch auszuliefern.
»Harry Potter und der Orden des Phönix« heißt der neueste Schmöker aus der Feder der Britin Joanne K. Rowling, der auf englisch bereits im Juni erschien und es als erster englischer Buchtitel an die Spitze deutscher Bestsellerlisten schaffte. Auch im fünften Abenteuer, das Harry und seine Freunde Hermine und Ron zu bestehen haben, spielt Rowling wieder mit den üblichen Rahmenzutaten. Doch schon bei den Dursleys im Ligusterweg kündigt sich beklemmenderes Unheil als bisher an. Wenn es dann wieder von Gleis 9¾ im Bahnhof King's Cross aus der Welt der zauberunfähigen Muggels (unserer Welt) in das Zauberinternat Hogwarts geht und der nun 15-jährige Harry anfängt zu pubertieren und erste Erfahrungen mit der Liebe macht, ist dies wie immer der Auftakt zu einem packenden Finale, in dem das Böse nur knapp und vorläufig unterliegt. Rowling hat den Lesern bis dahin so zahlreiche Spuren und Verweise mitgegeben, wie die Geschichte weitergehen könnte, dass sie mit dem Zuschlagen des »Phönix«-Buchs schon auf den nächsten Band fiebern werden.
Mehr als 15 Millionen Potter-Romane wurden bislang allein in Deutschland verkauft, die Bücher in 55 Sprachen veröffentlicht. Kein Wunder, dass der Hamburger Carlsen-Verlag eine Startauflage von nicht weniger als zwei Millionen vorgesehen hat.
Die christlich-fundamentalistische Kritik an Harry Potter scheint unterdessen ein wenig abgeklungen - auch wenn es, wie zuletzt im August in den USA, noch immer zu Bücherverbrennungen kommt. Die Vorwürfe an die Autorin: Rowlings Potter-Bücher befürworteten und beförderten Hexerei, Okkultismus und Satanismus. Im Internet sind die Blüten einer regelrechten Anti-Potter-Kampagne noch zu bestaunen, die in finsteren Verschwörungstheorien bei den Potter-Büchern den Teufel selbst am Werk sehen.
Tatsächlich zeichnen sich die äußerst vielschichtigen Potter-Romane durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Bösen und durch eine hohe Moralität aus. Zu der verwobenen Potter-Saga mit zahlreichen Handlungssträngen ist bereits in beträchtlichem Umfang Sekundärliteratur entstanden - darunter auch theologische Deutungsmodelle, da sich Rowling immer wieder christlicher Motive bedient, ohne eine weitergehende religiöse Botschaft vermitteln zu wollen.
Doch jenseits aller Indienstnahme bleibt Harry Potter ein Phänomen, das beileibe nicht nur Jugendliche anspricht, weil es Rowling von Band zu Band gelungen ist, die Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern immer noch zu übertreffen.
Die Autorin, allein erziehende Mutter einer Tochter, einst selbst von Sozialhilfe abhängige ehemalige Sozialarbeiterin, hat sich für den deutschen Markt auf eine besondere Marketing-Aktion eingelassen: Straßenzeitungen, von deren Verkauf Obdachlose profitieren, durften das erste Kapitel des Buchs abdrucken und so ihre Umsätze steigern.
Und auch in Sachen Umweltschutz soll man dem Zauberlehrling Potter nichts nachsagen können: Rowling hat weltweit alle Verlage auf Öko-Standards für ihre Bücher verpflichtet. | BUCHTIPP
Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Orden des Phönix. Carlsen Verlag, Hamburg, 2003. 1024 Seiten, 28,50 Euro. » Bestellen...  |