Sagen Sie mal, Isaak...
Interviews mit Personen der Bibel (43)
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 José de Ribera: Der blinde Isaak segnet Jacob, 1637, Madrid, Museo del Prado.
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Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: »Mein Vater!« Abraham antwortete: »Hier bin ich, mein Sohn.« Und er sprach: »Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer?«
1. Mose 22,7
..keine schöne Erfahrung, fast vom Vater umgebracht zu werden.
Isaak: Wahrlich. Aber ich habe ja noch eine weitere Erfahrung gemacht, die ich dagegensetzen konnte.
Nämlich?
Isaak: Vom Vater verschont zu werden.
Sie meinen, dass er Sie letztendlich doch wieder losgebunden hat?
Isaak: Genau. Trotzdem, das gebe ich zu, träume ich noch oft davon, wie mein Vater Abraham mich eines Morgens geweckt hat. Zwei Knechte hatten bereits den Esel mit Brennholz und Proviant beladen. Das deutete auf eine lange Reise hin.
Eine Reise ohne Wiederkehr...
Isaak: Dass ihr Journalisten immer alles so sensationslüstern formulieren müsst, nervt mich. Für mich war es eine normale Sache: Zum Glauben meines Vaters gehörte es, von Zeit zu Zeit ein Schaf zu opfern. Manchmal nahm er mich mit. So auch dieses Mal.
Aber das Schaf sollten diesmal Sie werden.
Isaak: Ja. Ich merkte es aber erst, als wir nach drei Tagen an einer Stelle mitten in der Wüste ankamen und Abraham seinen Brandopferaltar errichtet hatte. Plötzlich schaute er mir tief in die Augen. Sein Blick war verbittert.
Er weinte?
Isaak: Nein, Tränen erkannte ich nicht. Er versuchte, seine Trauer mit Härte zu überspielen. Wir blickten auf das Brennholz. Als er mich am Arm packte, ahnte ich, was geschehen würde.
Und Sie ließen es willenlos geschehen?
Isaak: Nein, nein, da hat die Bibel nicht Recht. Ich wehrte mich, ich schrie, befreite mich aus seinem Griff. Doch er lief mir hinterher und packte mich erneut. Ich hatte Todesangst. Er band mich fest. Trotz seines Alters war er stärker. Er hatte eine göttliche Mission zu erfüllen.
Seinen einzigen Sohn zu opfern. Schwer verständlich.
Isaak: Ja. Ich lag wimmernd auf dem Brennholz. Je heftiger ich mich bewegte, desto tiefer schnitten die Seile in mein Fleisch. Ich sah, wie mein Vater das Messer nahm und die Hand erhob. Ich konnte nicht einmal mehr Gott um Hilfe bitten. Schließlich war er der Auftraggeber dieses Mordes. Ich fühlte mich mutterseelenallein.
Gott und Vater trachteten Ihnen nach dem Leben - zehn Jahre Psychoanalyse würden kaum ausreichen, um dieses Trauma zu beheben.
Isaak: Was daran stimmt: Mein Urvertrauen war nachhaltig zerstört. Und ist es bis heute. Aber wie gesagt: Es kam ja nicht zum Mord. Vor der gleißenden Sonne erkannte ich die Umrisse des Messers. Plötzlich hielt Abraham inne, war wie erstarrt. Mir stockte der Atem. Aus dem Dornengestrüpp kam ein Widder gelaufen, direkt auf uns zu. Wortlos band mein Vater mich los. Ich setzte mich hin und sah zu, wie Abraham den Widder auf das Holz legte, ihn erstach und das Feuer entzündete.
Wie haben Sie das Geschehen verarbeitet?
Isaak: Zunächst gar nicht gut. Ich litt jedes Mal Todesangst, wenn mein Vater alleine mit mir losziehen wollte. Nach langen Gesprächen und Gebeten konnte ich ihm allerdings verzeihen.
Sie dürfen das ja auch nicht persönlich nehmen. Ihr Vater hatte aus Gottesgehorsam so gehandelt!
Isaak: Diese Deutung kenne ich - und kann sie absolut nicht nachvollziehen. Gott hätte niemals den Tod eines unschuldigen Kindes in Kauf genommen. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen: Mein Vater war fanatisch. Er konnte die überschäumende Liebe Gottes nie richtig verstehen und zimmerte sich im Alter seinen eigenen Glauben zurecht. Als ich das verstanden hatte, konnte ich ihm vergeben. Schwer vergeben kann ich allerdings den biblischen Schriftstellern, die mich als gehorsames, todeswilliges Söhnlein darstellen.
Vielen Dank für das Gespräch.
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