Geld nach Punkten: Kirche ändert Zuweisungs-»Schlüssel«
Wie evangelische Verwalter und Amtsleiter vom Sparkurs der Landekirche betroffen sind
Die evangelischen Kirchengemeindeämter und Verwaltungsstellen wollen an Entscheidungen über Sparmaßnahmen der bayerischen Landeskirche beteiligt werden.
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Lenz
 Für die rund 100 Teilnehmer einer Klausurtagung der Landeskirche zum künftigen Sparkurs gaben die Stadt und das evangelische Dekanat Würzburg einen Empfang. Der wieder gewählte Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchenverwaltungen in Bayern, der Ingolstädter Dekan Heinz Schmeckenbecher (rechts) überraschte dabei mit der Mitteilung, dass einer seiner Vorfahren Sänftenträger eines Würzburger Fürstbischofs gewesen sei (links: Dekan Günter Breitenbach und Oberbürgermeisterin Pia Beckmann).
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Dies wurde zum Abschluss einer dreitägigen Klausurtagung der Arbeitsgemeinschaft der Kirchenverwaltungen in Bayern deutlich. Gegenüber Vertretern der Kirchenleitung bemängelten die Amtsleiter vor allem die Vorgehensweise bei der Kürzung so genannter Schlüsselzuweisungen für die 1535 Kirchengemeinden in Bayern.
Für lebhafte Diskussionen sorgten auch Pläne, das Kirchgeld vom kommenden Jahr an durch die Gemeinden selbst erheben zu lassen. Betroffen sind davon vor allem die 22 Kirchengemeindeämter in städtischen Gebieten. Sie verwalten so genannte Gesamtkirchengemeinden und sind teilweise Anstellungsträger für kirchliche Mitarbeiter, deren Entlohnung mit aus dem Kirchgeld finanziert wird.
Die evangelische bayerische Landeskirche will die jährlichen Finanz-Zuweisungen an ihre 1535 Gemeinden künftig nach einem Punktesystem vornehmen. Erste Überlegungen dazu stellte Oberkirchenrat Hartmut Böttcher (München) bei der Klausurtagung der Arbeitsgemeinschaft der Kirchenverwaltungen in Bayern in Würzburg vor. Die neue Berechnungsmethode sei einfacher und transparenter als die derzeit üblichen Schlüsselzuweisungen für Personal- und Sachkosten, so Böttcher. Sie orientiere sich am »Budgetgedanken« und stärke die Eigenverantwortlichkeit der Gemeinden und Dekanate. Böttcher sprach von einem »Denkmodell, das Zukunft hat« und für die nötige Einsparung der Landeskirche im Gemeindebereich dringend erforderlich sei. Die bayerische Landeskirche vergibt in diesem Jahr über 80 Millionen Euro an Schlüsselzuweisungen.
Mitarbeiter der Landeskirchenstelle Ansbach, die für rund 1200 Gemeinden zuständig ist, stellten ein erstes Punktesystem für die künftige Pauschalzuweisung an die Gemeinden zur Diskussion. Es orientiert sich im Wesentlichen an der Mitgliederzahl, berücksichtigt aber auch Sonderfaktoren wie den Hauptsitz eines Dekanats oder eine extreme Diasporasituation. In der Landeskirche gibt es derzeit 27 Gemeinden mit weniger als 100 Mitgliedern und zwei Gemeinden (Schwabach und Zirndorf) mit über 10000 Seelen.
Nicht mehr getrennt werden soll bei den Zuweisungen künftig zwischen Personal- und Sachkosten. Empfänger soll das jeweilige Dekanat sein, das bis zu 20 Prozent einbehalten oder für einen Ausgleich unter den Gemeinden verwenden kann. Vor der für Januar 2006 angestrebten Einführung der neuen Berechnungsmethode soll es eine Erprobungsphase geben.
Die evangelische Landeskirche muss sich bei den bevorstehenden Sparmaßnahmen in Millionenhöhe auf ihr »Kerngeschäft« besinnen. Mit diesem Appell wandte sich der Neuendettelsauer Theologieprofessor und Landessynodale Wolfgang Stegemann an die Arbeitsgemeinschaft. Nach der jüngsten Erhebung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Kirchenmitgliedschaft stünde die »geistliche Kommunikation« durch Verkündigung der christlichen Botschaft, Gottesdienste und Seelsorge an oberster Stelle. |