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Dieser Artikel: Ausgabe 44/2003 vom 02.11.2003
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Menschen ohne Recht und Lobby

Illegale Flüchtlinge in Bayern


Wie viele illegale Flüchtlinge leben in Bayern? Allein in der Landeshauptstadt verstecken sich schätzungsweise um die 50000 Menschen. Münchner, die es gar nicht geben darf. Eine Studie im Auftrag des Stadtrats untersuchte die Lebenswelt der Illegalen.

Nach Schätzungen einer vom Münchner Stadtrat in Auftrag gegebenen Studie leben 30000 bis 50000 Menschen illegal in der Landeshauptstadt.
Foto: Wodicka
   Nach Schätzungen einer vom Münchner Stadtrat in Auftrag gegebenen Studie leben 30000 bis 50000 Menschen illegal in der Landeshauptstadt.

Angst, Angst, Angst. Die Angst der Betroffenen, entdeckt zu werden. Die Angst der Helfer, sich strafbar zu machen. Die Angst von Verwaltung und Politik vor einem Tabu-Thema. Angst gehört zu den Menschen, die inoffiziell in München leben, Menschen ohne Status, ohne Papiere - Münchner, die es nicht geben darf.

Nach Schätzungen einer vom Münchner Stadtrat in Auftrag gegebenen Studie ( » Download PDF, 2,02 MB) leben 30000 bis 50000 Menschen illegal in der bayerischen Landeshauptstadt. Der Autor Philip Anderson hat die Lebensrealität dieser Menschen untersucht und die Ergebnisse bei einer Veranstaltung des Nord-Süd-Forums in München vorgestellt. Zu der ohnehin schwierigen Wohnungslage im teuren München werde oft mit überhöhten Preisen die Wehrlosigkeit der Illegalen ausgenützt, so die Erkenntnis. So entdeckte Anderson zehn Personen in einem Raum von 20 Quadratmetern und so genannte Schlafgänger im Bahnhofs- und Westendviertel, die nur für jeweils acht Stunden ein Bett belegen. Andere kämen vorübergehend bei Verwandten oder Bekannten unter.

Arbeit finden Illegale bei privaten Dienstleistungen wie beim Putzen, in Alten und Pflegebedürftigen, im Baugewerbe - vor allem bei privaten Renovierungs- und Reparaturarbeiten - und in der Gastronomie und kleinen Hotels. Die billigen Arbeitskräfte sind aus der Realität nicht mehr wegzudenken, denn der ökonomische Bedarf in diesen Bereichen ist groß. Nach der Devise »bloß nicht auffallen« funktioniere dieses System scheinbar gut für alle Beteiligten, so Anderson.

Kritisch wird es bei Krankheit oder Unfall. Jeder Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt birgt die Gefahr der Entdeckung. Besonders wichtig sind hier Netzwerke: die Familie, die jeweilige ethnische Gemeinschaft und auch karitative Organisationen, die helfen, ohne nachzufragen. Oft seien diese Helfer jedoch selber überlastet und überfordert, befänden sich in einem Zwiespalt, hätten Angst, sich als Mitwisser strafbar zu machen.

Anderson empfiehlt der Stadt eine Reihe von Maßnahmen. Im Gesundheitsbereich zum Beispiel könne die Kommune die offizielle Verlautbarung treffen, dass ärztliche Hilfe im Notfall für Menschen ohne Aufenthaltsstatus keine Straftat sei. Ein menschenrechtliches Mindestmaß an medizinischer Versorgung müsse gewährleitstet werden: anonyme Untersuchung von ansteckenden Krankheiten, Grundversorgung von Kindern sowie bei Schwangerschaft und Entbindung.

Einige der Illegalisierten, mit denen Anderson Gespräche geführt hat, würden Deutschland gerne verlassen. Aber auch dafür müssten sie offiziell in Erscheinung treten und hätten mit Strafanzeigen und Abschiebehaft bis zu 18 Monaten zu rechnen.

Marita Matschke

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:34 Uhr

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