In der Krise Zähne gezeigt
Mehr als 1000 Autoren wollen kommen, in mehr als 2500 Veranstaltungen können die 10000 Journalisten und rund 350000 Besucher ihnen begegnen: Die Frankfurter Buchmesse ist als weltweit größte Bücherschau für deutsche Verlage ein Pflichttermin. Wie sieht es für die rund 150 religiösen Verlage in Deutschland aus? Eine Umschau unter drei evangelischen Verlagen.
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 Frankfurter Buchmesse: wichtiger, aber für kleinere Verlage kostspieliger Pflichttermin. Im Bild der Stand des Gießener Brunnen-Verlags im Jahr 1999.
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Rund 6600 Aussteller - gut 200 Aussteller mehr als im Vorjahr -, die
Frankfurter Buchmesse scheint sich der allgemeinen und der
Buchhandelskrise zum Trotz guter Gesundheit zu erfreuen. Noch bis zum 13.
Oktober trifft sich in der Main-Metropole wieder alles, was im
Buchgewerbe Rang und Namen hat. Und nach dem Boykott des vergangenen
Jahres, als 50 religiöse Verlage sich notorisch schlecht behandelt
fühlten und verärgert der Messe fernblieben, sind dieses Jahr auch die
evangelischen Verlage wieder mit dabei bei der großen Buch-Party.
»Tabubruch«, um in Frankfurt fernbleiben zu können
Denn am Ende musste auch die mächtige Messegesellschaft eingestehen,
dass hier nicht nur eine kleine Gruppe den Aufstand probte. Nun dürfen
also die religiösen Verlage wieder in die umstrittene, weil vom
Publikumsverkehr günstige Halle 3.1, wo sie schon seit Jahren an den
stets gut besuchten Bereich »Sachbuch/Belletristik« angegliedert waren.
Die religiösen Verlage seien, sagt Gunther Rossmüller, Geschäftsführer
der Stuttgarter »Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger«
(VEB), als Folge des Streiks »keine zahnlosen Tiger mehr« und würden nun
ernst genommen. Doch habe der »Tabubruch«, die Frankfurter Messe zu
boykottieren, noch einen zweiten Effekt gehabt: Man könne jetzt ohne
großen Imageverlust in Frankfurt fehlen. Viele Verlage hätten sich, so
Rossmüller, bei der VEB, der etwa 75 evangelische Verlage, rund 160
Buchhandlungen und weitere Firmen sowie Einzelpersonen angehören, für die
Organisation des Boykotts bedankt. Manche würden auch in diesem Jahr
wegen der für kleine Verlage hohen Kosten fernbleiben oder setzen auf die
Konkurrenz zu Frankfurt, die Leipziger Buchmesse im Frühjahr.
Ein Blick in drei unterschiedliche Verlage, die Leipziger Evangelische
Verlagsanstalt, den evangelikalen Hänssler-Verlag in Holzgerlingen und
den Münchner Claudius Verlag, ergibt ein unterschiedliches Bild: Der
ostdeutsche und der evangelikale Verlag sind beide (wieder) in Frankfurt
vertreten. Die Leipziger Buchmesse sei zwar, sagt Kerstin Hänssler vom
Hänssler-Verlag, »teilweise besser, wenn es um geschäftliche Nischen
geht.« Doch sei die Leitmesse Frankfurt für ihren Verlag »ein Muss«. Der
Claudius Verlag aus München dagegen verzichtet erneut. Verlagsleiter
Manuel Zelger begründet dies mit der Teilnahme an der Leipziger Messe in
diesem Frühjahr. Sein kleiner Verlag könne nur eine Messe pro Jahr
schaffen.
Wie schätzen die Verlage ihre Markt- und Zukunftschancen ein? Die
Tendenz sei seit Jahren rückläufig, sagt Manuel Zelger vom Claudius
Verlag: »Es wäre gelogen zu sagen, die Medienkrise würde sich nicht
zeigen.« Er glaube zwar, dass sich alles auf niedrigem Niveau
stabilisieren werde, sei aber nur »gedämpft optimistisch«. Manche
religiöse Titel würden jedoch überraschend gut gehen. Mit dem
»Enneagramm« oder den Büchern des Karikaturisten Tiki Küstenmacher habe
man verlässliche »Dauerbrenner« im Programm.
Beim Claudius Verlag stehen die Zeichen aber auf Schrumpfung. Man
überlege, die eigene Auslieferung einzustellen: »Kaum ein deutscher
Verlag liefert noch selbst aus.« In der Krise, so Zelger, liege aber auch
eine Chance.
Auch Michaela Zeller von der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig
bestätigt, die Krise sei empfindlich zu spüren. Das Kaufverhalten sei
zurückhaltend, doch wegen der vielen Katastrophen in der jüngsten Zeit
suchten die Menschen Trost suchen und griffen vermehrt zum christlichen
Buch. Gut laufen bei den Ostdeutschen Bücher mit persönlicher Note, wie
Briefe prominenter Persönlichkeiten an ihre Enkel.
»Jetzt zeigt sich, welcher Verlag schon immer gut geführt
wurde«
Kerstin Hänssler vom evangelikalen Hänssler-Verlag, der noch im
vergangenen Jahr vor der Pleite stand, zeichnet ein gemischtes Bild. Ein
Vorteil ihres Verlages sei, dass man seine Klientel gut kenne und auf
diese zugeschnitten produzieren könne. Dann müsse ein Buch nicht gleich
im ersten Jahr schwarze Zahlen schreiben, sondern verkaufe sich
dauerhaft. Auch in ihrem Verlag gehen Bücher gut, die auf bekannte
Persönlichkeiten setzen: Bundespräsident Johannes Rau oder auch den
Golfspieler Bernhard Langer zählt man zu den Autoren.
Für Gunther Roßmüller von der Vereinigung evangelischer Verlage
jedenfalls ist die Sache klar: In der Krise zeige sich, welcher Verlag
schon immer gut geführt wurde. Wer nur davon gelebt habe, dass sich
Bücher »immer irgendwie verkaufen«, sagt er, spüre jetzt den Gegenwind
viel stärker. |  |