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Dieser Artikel: Ausgabe 37/2003 vom 14.09.2003
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Sagen Sie mal, Haman...

Interviews mit Personen der Bibel (36)


Haman in Ungnade: Rembrandt van Rijn, um 1665, St. Petersburg, Eremitage.
Foto: sob
   Haman in Ungnade: Rembrandt van Rijn, um 1665, St. Petersburg, Eremitage.

  ...dumm gelaufen. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!

Haman: Spotten Sie nur. Das muss ich aushalten.

  Ihre Rachepläne waren ja auch wirklich überzogen ... alle Juden umzubringen nur wegen dieses Juden Mordechai.

Haman: Okay, okay. Sie haben Recht, das weiß ich inzwischen auch.

  Weshalb waren Sie damals so blind vor Hass?

Haman: Alle haben sich vor mir und meiner Macht gebeugt. Sie defilierten an mir vorbei, wenn ich auf meinem Großfürsten-Thron saß. Auf den Straßen fielen sie auf die Knie, wenn ich in meiner Kutsche vorbeifuhr.

  Das muss wie ein Rausch gewesen sein.

Haman: Ähnlich, ja. Ich fühlte mich gut.

  Darüber sollten Sie übrigens mal nachdenken, das zeugt von einem ziemlichen Minderwertigkeitsgefühl.

Haman: Wieso das? Ich habe mich nicht minderwertig gefühlt, sondern übermächtig.

  Vordergründig. Aber nicht, weil die Menschen vor Ihrer natürlichen Autorität in die Knie gegangen sind. Durch Ihre Machtstellung konnten Sie Ihre Schwächen kaschieren.

Haman: Lassen wir das Psychologisieren. Hinterher ist man immer schlauer. Was ich sagen wollte: Dieser eine Mann, Mordechai, blieb einfach stehen, wenn er mir begegnete. Machte nicht die geringsten Anstalten, die Knie auch nur leicht einzudrücken oder den Kopf zu senken.

  Das zeugt von Courage. Wahrscheinlich erkannte er nur Gottes Macht an.

Haman: Das mag sein. Mich brachte dieser Störenfried jedenfalls auf die Palme.

  Sie hätten wissen können, dass Mordechai beim König einen Stein im Brett hatte.

Haman: Ich hätte damals gründlicher recherchieren sollen, so wie Sie heute. Aber jetzt nützt alles Jammern nichts mehr. Also, dieser Mordechai hatte einen Aufstand gegen Xerxes vereitelt. Als der König mir das erzählte, war ich völlig geschockt. Mir stand die größte Demütigung meines Lebens bevor: Statt ihn aufzuhängen, wie ich eigentlich wollte, musste ich diesen Mordechai für seine Verdienste am König ehrenvoll durch die Stadt geleiten. Die Wut hat Geschwüre in meinen Magen gefressen.

  Ihre Magenschmerzen haben Sie nicht allzu lange gepeinigt.

Haman : Blöder Witz. Ich weiß selbst, dass ich bald darauf sterben musste. Die Schlinge, die ich für Mordechai bestimmt hatte, legte sich um meinen Hals.

  Sage ich ja: dumm gelaufen.

Haman: Alles hat irgendeinen Sinn. Wenn meine Geschichte künftige Menschen vor Hochmut bewahrt, wäre ja schon viel erreicht.

  Dazu ist sie leider zu unbekannt.

Haman: Obwohl sie in der Bibel steht?

  Ja. Leider kennen die wenigsten Menschen bei uns die Bibel. Und wenn, dann nur die bekannten Geschichten. Adam und Eva, Mose, Abraham, Jesus ... Sie wissen schon.

Haman: Immer diese Bibel-Promis. Dann sorgen Sie bitte dafür, dass mein Schicksal nicht in Vergessenheit gerät.

  Bin gerade dabei. Vielen Dank für das Gespräch.

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR PERSON

HAMAN (hebräisch »der Große«) war ein Großfürst im persischen Reich unter König Xerxes (485-465 v.Chr.). Als der Jude Mordechai sich weigerte, vor ihm in die Knie zu gehen, beschloss Haman aus Rache, nicht nur Mordechai, sondern alle Juden im Reich töten zu lassen. Als Esther für die Juden bat und der König vom Hass des Haman gegen Mordechai erfuhr, entzog er Haman seine Gunst und ließ ihn an dem ursprünglich für Mordechai bestimmten Galgen hängen.

QUELLE: Esther 2,19-8,7 (Nachschlagen bei  » bibel-online.net)

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

 

Uwe Birnstein
Foto: sob

Der Theologe UWE BIRNSTEIN interviewt zum ökumenischen Jahr der Bibel 2003 Jesus, Maria und andere prominente Männer und Frauen der Heiligen Schrift.

Fragen: Uwe Birnstein

 


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/news/aktuell/2003_37_17_01.htm
abgerufen 09.02.2012 - 00:22 Uhr

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