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Hier zu sparen hätte fatale Folgen: Gemeindebrief - das Medium mit größter Reichweite
Nicht das Schaufenster abdekorieren
Auch wenn die Ressourcen knapper werden: Bitte nicht ausgerechnet beim Gemeindebrief sparen! Jedes ehrenamtliche Engagement, das in ihn hineinfließt, jeder Euro, den man in ihn investiert, zahlt sich gleich mehrfach aus. Denn der Gemeindebrief ist das weitestreichende Medium, über das der bayerische Protestantismus verfügt.
So könnte eine Quintessenz aus unserer 15-teiligen Gemeindebriefwerkstatt lauten, die mit diesem Teil vorläufig abgeschlossen wird. Roland Gertz, Referent für Medien und Bildung im Landeskirchenamt und Mitschaffender an der Werkstatt, hebt in einem Abschluss-Gespräch genau dieses hervor: Der Gemeindebrief ist das Schaufenster der Gemeinde. Wenn man beim Gemeindebrief spart, wäre das also so, »als ob wir das Schaufenster abdekorieren.« Es wäre nach Gertz doppelt fatal, weil der Gemeindebrief vor allem und gerade die Fernstehenden erreicht, die mit dem herkömmlichen Angebot der Kirchengemeinde nicht mehr angesprochen werden. Deshalb Gertz` Credo: »In Zeiten knapper Kasse voll reingehen in die Öffentlichkeitsarbeit.«
Wobei zu ergänzen wäre: Gemeindebrief ist nicht nur Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der Gemeinde. Ein guter Gemeindebrief gehorcht auch den Ansprüchen eines journalistischen Produkts und erzielt gerade deshalb hohe Reichweiten und vor allem: eine fantastisch hohe Akzeptanz. In Bayern gibt es - statistisch nicht exakt erfasst - über 1000 Einzeltitel mit einer Gesamtauflage im Millionenbereich. Vier von fünf Evangelischen in Bayern haben damit die Chance, einen Gemneindebrief zu lesen; und aus Leserschaftsanalysen - die jüngste bundesweite Gemeindebriefstudie stammt allerdings von 1995 - weiß man, dass rund zwei Drittel der potenziell Erreichten tatsächlich ihren Gemeindebrief lesen (das heißt entweder regelmäßig oder mindestens häufig nutzen). Prospekte werden überwiegend ungelesen ins Altpapier gegeben, Gemeindebriefe werden vergleichsweise intensiv gelesen. In absoluten Zahlen hochgerechnet: Zirka 1,5 Millionen Protestanten in Bayern werden durch den Gemeindebrief tatsächlich angesprochen, das heißt: Sie erfahren durch aktives Lesen, was in ihrer Gemeinde geschieht. Mit dieser Reichweite kann keine Predigt, kein Wort zum Sonntag, keine Denkschrift der EKD mithalten. Der Gemeindebrief - das weithin unterschätzte Medium.
Zweite These unserer Werkstatt: Gemeindebriefarbeit ist der ideale Ort für ehrenamtliches Engagement. Hier, in der Redaktion, fließen die vielfältigsten Kompetenzen der unterschiedlichsten Menschen zusammen, auf die eine aktive Gemeinde zählen darf. Auch die »Innenwirkung« eines Gemeindebriefs auf die Kerngemeinde darf also gesehen werden, und zugleich muss die Redaktion erkennen, dass dieses der sensible, der gefährliche Kipp-Punkt ihrer Arbeit ist. Niemals darf ein Gemeindebrief ein Vereinsblatt für Kirchen-Insider sein, nie Nabelschau betreiben, nie sich nur an sich selbst wenden. Stets ist der »Kirchenfernste« die Zielgruppe, die man im Auge haben muss.
Laien bringen »die Weite« in die Redaktions-Arbeit ein
Gerade deshalb ist, neben der Mitarbeit der »Hauptamtlichen«, also des Pfarrers, der Pfarrerin und auch - oft - der Pfarrbüro-Sekretärin, die Mitarbeit der »Laien« und Ehrenamtlichen so wichtig. »Sie bringen ein Weite in die Gemeindebriefarbeit«, sagt Gertz, der selbst Theologe ist. Ein schönes Wort: Die Weite der Themen macht schließlich die Reichweite des Produkts aus.
Lutz Taubert
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