Gemeindebriefwerkstatt: Wie ein Heft entsteht
Ein gutes Redaktionsmanagement ist unabdingbar
Wenn die ehrenamtliche Grafikerin den letzten Beitrag in den Grobentwurf gepappt und ihre Mappe zugeklappt hat, geht ein deutliches Aufatmen durch unser kleines Gemeindebrief-Team. Die nächste Nummer steht, und bei einem Glas Wein können wir uns schon behutsam der nächsten Nummer annähern.
In der Großstadtgemeinde im Münchner Süden ist der Gemeindebrief eine entscheidende Brücke zu den einzelnen Kirchenmitgliedern, die meistens nur an Weihnachten in die Kirche kommen. Deshalb haben wir den Gemeindebrief, der vier Mal im Jahr in einer Auflage von rund 5000 Exemplaren erscheint, auch als »Stadteilzeitung« für ein breites Publikum angelegt. Deshalb sucht der Redaktionskreis, neben einer Pfarrerin, einer Kirchenvorsteherin und einem EDV-Fachmann auch zwei »journalistische Profis« aus der Gemeinde, erst einmal nach einem übergreifenden Thema, das gerade aktuell sein könnte. Dabei spannen wir den Bogen sehr weit: Die einzelnen Hefte greifen soziale Fragestellungen auf wie etwa die in unserer Gegend besonders gravierende Obdachlosigkeit, Bereiche aus dem Gemeindeleben wie Jugendarbeit oder Kirchenmusik oder theologische Themen.
Wenn das Thema gefunden ist, werden innerhalb der Redaktion die einzelnen Aufgaben verteilt. Dabei ist es von Anfang an wichtig, die allgemeine Problematik auf die Gemeinde, auf den Stadtteil, in dem wir leben, »herunterzubrechen«. Gute vier Wochen nach der Themenfindung kommt der Redaktionskreis wieder zusammen, um die Texte genau zu besprechen. Die »gelben Seiten«, also der Informationsteil über Gemeindeveranstaltungen, Gottesdienste und Personalnotizen wie etwa Taufen und Beerdigungen, hat inzwischen das Pfarramtsbüro geliefert. Dieser Teil wird dann in die Mitte des Heftes platziert, weil es nach unseren Erfahrungen eher die kirchenahen »Insider« betrifft, die diese Informationen bewusst suchen. Um möglichst viele auch der Kirche eher fern stehenden Menschen anzusprechen, ist die erste Hälfte des Gemeindebriefs ausschließlich dem allgemein interessierenden Thema gewidmet, abwechslungsreich gestaltet mit Berichten, Reportagen und Interviews. Inhaltlich suchen wir immer wieder konkrete Anknüpfungspunkte an unsere Gemeinde und den Stadtteil. Abgerundet wird das Heft durch Informationen und eine »historische Seite«, die Gebäude oder Straßennamen erklärt und wichtige Jahresdaten beschreibt.
Bei der letzten Redaktionskonferenz bewerten wir gegenseitig die Texte kritisch und sozusagen mit den Augen der Leser. Diese Kritik kann wehtun und setzt eine gute Arbeitsatmosphäre im Team voraus. Zuletzt tun wir uns noch nach möglichst ausdruckstarken, professionell gemachten Fotos um, die wir möglichst großformatig platzieren. Dafür müssen dann häufig die Texte nochmals gekürzt werden, was vor allem unseren »Hauptamtlichen« schwer fällt.
Besondere Sorgfalt verwendet unsere ehrenamtliche Grafikerin auch für den Titel, weil er der erste und entscheidende Blickfang des Heftes ist. Sie scheut sich auch nicht vor frechen Ideen, wie einem nackten Mann mit Feigenblatt zur Illustration des Heftes »Kirche und Sexualität«.
Achim Schmid