Schon mit 13 Jahren war bei Helga Pfeiffer das Interesse an Übersee geweckt
Echte Partnerschaft braucht Geduld
Was bringt Menschen dazu, sich in bestimmten Bereichen kirchlicher Arbeit zu engagieren? Was speziell treibt Menschen an, sich für andere Kulturen zu interessieren, sich für die Belange von Menschen in der so genannten Dritten Welt zu engagieren? Das folgende Beispiel zeichnet einen engagierten Lebensweg nach.
Sie lebt mit ihrem Mann zusammen dieser Tage zwischen Umzugskisten, nicht zum ersten Mal. Die Eheleute ziehen ins Elternhaus von Helga Pfeiffer nach Bobingen, südlich von Augsburg. Dort hat für die seit kurzem pensionierte Gymnasiallehrerin auch alles angefangen. »Es ist eine lange Geschichte«, sagt sie selbst.
Die Geschichte hat begonnen, als sie 13 Jahre alt war. Damals habe sie das erste Mal von Albert Schweitzer gehört. Und von da an sei ihr Interesse an anderen Ländern, Menschen und Kulturen geweckt gewesen. »Ich wollte gerne da was machen«, meint sie kurz und knapp und beschreibt damit in sechs Worten ihre Motivation, die bis heute anhält.
»Die Menschen dort können leben, dann können wir das auch«
Eigentlich wäre sie ja gerne Pfarrerin geworden, um dann in Übersee zu arbeiten. Das ging aber in jenen Jahren noch nicht, als sie studierte, weil erst später den Frauen in Bayern der Weg ins Pfarramt geöffnet wurde. Den Beruf der Ärztin hätte sich Helga Pfeiffer auch ganz gut für sich selbst vorstellen können. Aber schließlich ist sie dann Lehrerin geworden.
Während des Studiums lernte sie ihren Mann Gerhard kennen. Nicht nur in ihrem Berufsziel waren sie sich einig. Ihre Interessen trafen sich auch in anderer Hinsicht: »Wir wollten beide ins Ausland gehen«, erzählt die Mutter von drei Kindern. Das Lehrerehepaar verbrachte die ersten Berufsjahre in Weißenburg. »Dienste in Übersee« suchte Anfang der 70er-Jahre »Menschen mit ein paar Jahren Berufserfahrung«. Kamerun war eine der Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt, die über die Organisation angeboten wurden. So mussten die Pfeiffers zunächst einmal zum Sprachkurs nach Frankreich, weil in Kamerun französisch gesprochen wird. Nach einer Vorbereitungszeit folgten schließlich vier Jahre Arbeit in dem afrikanischen Land.
»Wir wussten am Anfang, dass es wichtig ist, einfach hinzukommen, zu schauen und zu hören«, beschreibt Helga Pfeiffer rückblickend die erste Zeit in Kamerun. Sie seien ohne feste Vorstellungen oder Erwartungen nach Afrika gegangen. »Die Menschen dort können leben, dann können wir das auch«, sei das Programm gewesen, mit dem die damals vierköpfige Familie aufbrach.
Während ihr Mann in der Ausbildungsarbeit der evangelischen Kirche in Kamerun schulische Aufbauarbeit geleistet habe, erklärt sie, habe sie sich unter anderem um die Frauen der Studenten, um die eigene Familie und manchmal auch um den Religionsunterricht gekümmert. »Ich war der Joker«, umschreibt sie hier wie auch später ihre Rolle. Nach der Rückkehr aus Kamerun im Jahr 1975 ging es nach Neustadt/Aisch an das dortige Gymnasium, wo die Eheleute Pfeiffer unterrichteten - sie in Teilzeit. Die Familie war zwischenzeitig fünfköpfig geworden, und ein Haus wurde hier in der Heimat des Ehemanns gebaut. »Wir wussten, dass dies keine Entscheidung für alle Zeit war«, erklärt sie. Und nach neun Jahren zog die Familie erneut um. Diesmal ins mittelfränkische Neuendettelsau, wegen einer Schulleiterstelle für ihren Mann.
Hier beginnt für Helga Pfeiffer auch die Eine-Welt-Arbeit. »Die Ethik ist mir wichtiger als die Dogmatik«, erläutert sie und fügt hinzu, dass jemand, der gute Startvoraussetzungen bekommen hat, sie nicht für sich alleine nutzen soll. Die Menschen müssten sich engagieren, betont sie ihre Lebenseinstellung und fügt an: »Das ist selbstverständlich.« In einer Gruppe engagierte sie sich deshalb auch für fairen Handel mit Ländern in der so genannten Dritten Welt. Sie wollte etwas Praktisches machen. »Umoja« heißt die Gruppe, was so viel wie Einheit, Gemeinschaft, gelingendes Leben bedeutet.
»Die direkte Art der Menschen hat mich angesprochen«
Und eines kam zum anderen. Über den gemeinsamen Wareneinkauf mit dem dortigen Eine-Welt-Laden kam sie in Kontakt mit dem landeskirchlichen Missionswerk in Neuendettelsau, wurde 1994 in den Kirchenvorstand der mittelfränkischen Gemeinde und dort zur Missionsbeauftragten gewählt. Recht schnell fand sich Helga Pfeiffer auch in der Partnerschaftsarbeit des Dekanats Windsbach wieder. Nach Papua-Neuguinea gehen seit vielen Jahren diese partnerschaftlichen Beziehungen, die viel Engagement verlangen.
Zweimal ist die heute pensionierte Lehrerin inzwischen in dem südpazifischen Inselstaat gewesen, auf Partnerschaftsreise. Beschwerlich seien die Reisen gewesen, aber auch eindrucksvoll. »Die direkte Art der Menschen« habe sie angesprochen und »die große Gastfreundschaft«. Leben und Frömmigkeit dort seien besonders auf dem Land noch bei vielen Menschen aus einem Guss. Das hat sie so erfahren und schätzen gelernt. »In dieser Arbeit«, so betont Helga Pfeiffer, »muss man Geduld haben.« Entwicklung brauche Zeit, und echte Partnerschaft brauche Geduld.
»Ich werde mich auch weiter engagieren«, erklärt sie auf die Frage, was sie jetzt im Ruhestand vorhabe. Sie wisse allerdings noch nicht, in welchem Bereich. Sie macht jetzt erst mal eine Pause und will dann entscheiden. Doch irgendwie mag man nicht recht glauben, dass es eine lange Pause wird.
Helge Neuschwander-Lutz