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Mentoring für Frauen im kirchenpolitischen Ehrenamt

Ich gebe meine Erfahrung gerne weiter

Mentoring klingt schick angelsächsisch, leitet sich aus der griechischen Mythologie ab und meint schlicht dieses: Jemand, der Erfahrung gesammelt hat, zum Beispiel am ehrenamtlichen Arbeitsplatz Kirche, eben ein Mentor oder eine Mentorin, gibt diese Erfahrung an andere, noch wenig Erfahrene, weiter. Letztere nennt man übrigens Mentees. Ein Bericht von einer Auswertungstagung des Modellprojekts »Mentoring für Frauen im kirchenpolitischen Ehrenamt«:

Im Grunde ist es ganz einfach: Menschen reden miteinander. Aber so einfach ist die Praxis dann doch nicht. Um Menschen mit viel Erfahrung zusammenzubringen, mit Menschen, die aus dieser Erfahrung lernen wollen, braucht es organisatorische Unterstützung.

Mentoring

  Synodalpräsidentin Heidi Schülke vergibt Teilnahmeurkunden an das Tandem Käthe Pühl und Monika Scherbaum. Im Hintergrund Sigrid Schneider-Grube von der Frauengleichstellungsstelle.

Foto: irb

2001 legte die landeskirchliche Frauengleichstellungsstelle (fgs) ein Pilotprogramm »Mentoring für Frauen im kirchenpolitischen Ehrenamt« auf, in Koordination mit anderen Landeskirchen der EKD. Eine Steuerungsgruppe wertete die Bewerbungen aus und suchte gemäß dem Interessensprofil passende Paare aus.

Mentee und Mentorin sind ein Tandem

Die Auftaktveranstaltung im April 2002, gemeinsam mit Frauen aus Württemberg, führte die Tandems aus »Mentees« und »Mentoren/Mentorinnen« erstmals zusammen: Erstes »Beschnuppern«, Grundsätzliches zur Methode und zum Ablauf; dazu gehört, eine Zielvereinbarung zu treffen, einen Vertrag über Häufigkeit, Dauer, Ort und Art der Treffen abzuschließen. Nach neun Monaten stand nun ein wertendes Abschlusstreffen an.

Die acht Paare, die in Nürnberg mit der Steuerungsgruppe und Vertretern der Kirchenleitung zusammenkamen, berichteten von überwiegend positiven bis begeisterten Erfahrungen. Da waren persönliche Beziehungen entstanden, Mut und Selbstsicherheit gewachsen, wurden Konflikte solidarisch gelöst, Ideen realisiert.

Mentoring, das schicke Wort mit dem englischen Einschlag, leitet sich aus der griechischen Mythologie ab. Mentor erhält von Odysseus den Auftrag, während dessen Reisen seinen Sohn Telemachos zu fördern und zu erziehen.

Übertragen soll Mentoring in einer Eins-zu-eins-Beziehung fachliche, soziale und methodische Kompetenzen fördern. Denn Erfahrungswissen lässt sich nicht in Büchern nachlesen. Persönliches Wachstum entsteht nur bedingt in Fortbildungen. Die Tandems besprechen Strategien, Konflikte, Planungen für Veranstaltungen.

Mentorin oder Mentor erschließen Kontakte und vermitteln informelles Wissen über Entscheidungswege in einer Organisation. Sie können ihre Mentees in Aktion begleiten und hinterher eine ehrliche Rückmeldung etwa zur Leitung eines Seminars geben.

Im beruflichen Mentoring geht es auch um Karriereplanung. Das Wort »Karriere« verwirrt im ehrenamtlichen Bereich eher. Es liegt jedoch nahe, dass Erfolge den »Nachwuchs« eben ermutigen, bewusst und kompetent neue Aufgaben zu übernehmen.

Mentoring-Programme werden derzeit besonders in großen Wirtschaftsunternehmen und in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt, um insbesondere die »gläserne Decke« für den Aufstieg von Frauen in Leitungspositionen zu durchbrechen. Auch verschiedene Landeskirchen einschließlich der bayerischen haben bereits Mentoring-Pilotprojekte für Pfarrerinnen aufgelegt.

Der Vorteil eines solchen Programms: Es bringt Menschen zusammen, die sich auf anderem Weg nicht treffen würden. Mentoring sucht sachliche Kriterien, die den Kontakt begründen, nicht Freundschaft oder zufällige Bekanntschaft. Mentoring ist eine zeitlich begrenzte Vereinbarung: Acht bis zehn Mal sollten sich die Tandems während des neun Monate dauernden Projekts treffen. Niemand muss befürchten, den »kleinen Finger zu geben« und dann vereinnahmt zu werden.

Und alle gewinnen: Dass die Mentees Nutzen ziehen, liegt auf der Hand. Aber auch die Mentoren profitieren. Wie es eine Mentorin bei der Auswertungstagung formulierte: »In vielen Fragen habe ich erst gemerkt, welcher Erfahrungsschatz sich bei mir angesammelt hat. Ich bin froh, das jemandem weitergeben zu können.«

Auch über Fehler lässt sich zu zweit offen reden. Eine andere Mentorin fand sich durch die sprudelnden Ideen ihrer Mentee selbst bereichert und angeregt. Am Ende gewinnt noch ein Dritter: die Organisation, ob Firma, ob Kirche.

Ines Rein-Brandenburg


Nr. 2 - Februar 2003




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