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Warum Ingulf Planeth die Kirche für einen ganz besonderen Arbeitsplatz hält:

Ich will mit meiner Arbeit Reklame machen

Ist es so, dass hauptamtliche Mitarbeiter - anders als die »ideell motivierten« Ehrenamtlichen - eher ein pragmatisches Verhältnis zu ihrem Dienstgeber Kirche haben? Unser Porträt stellt einen Mitarbeiter vor, der diese These glatt widerlegt.


  Bücherfreund mit biblischer Fundierung: Ingulf Planeth, Mitarbeitervertreter-Vorsitzender im Landeskirchenamt

Foto: Taubert

Er sitzt mit 80000 Büchern im Keller des Landeskirchenamts und nennt seine Bibliothek, halb ironisch, mindestens zu Hälfte aber auch im vollen Ernst, »eine geistliche Waffenkammer«. Ingulf Planeth, von dem hier die Rede ist, promovierter Bibliotheksassesor und Leiter der Bibliothek, arbeitet an dieser Stelle seit einem viertel Jahrhundert, zeigt auch eineinhalb Jahre vor dem Ruhestand keinerlei Anzeichen von Arbeits-Überdruss und lässt keinen Zweifel daran, dass er nicht nur seine Stelle, sondern ganz generell die Kirche für einen besonderen Arbeitsplatz respektive Dienstgeber hält.

Das heißt: Eigentlich passen solch arbeitsrechtliche Vokabeln im Falle Planeths nicht so recht. Planeth nennt es - wörtlich -eine Gnade, in der Kirche arbeiten zu können. Damit meint er gewiss nicht einen Dienstgeber im Sinne des Arbeitsrechts, der ihm diese Gnade gewährt. Seit Planeth 1976 ein Bekehrungserlebnis hatte, ist es für ihn eine ausgemachte Sache, dass er sein Leben auf Jesus Christus aufbaut. Wer so ist, dem darf man mit Kirche als Unternehmen oder Dienstleister nicht kommen: »Kirche stellt nicht ein Produkt her, sondern tritt für etwas ein, das schon zweitausend Jahre dauert«, sagt Planeth.

Deshalb sollen die Bücher seiner Amtsbibliothek - aus der Theologie und angrenzenden Disziplinen, auch eine Menge Kirchenjuristerei ist dabei - nicht »stehen, sondern wirken«. Bücher sind nicht Selbstzweck, sondern sie sollen - wieder original Planeth - »Gutes tun« und »dienen«. Deshalb also gilt es, neben dem Dienst an einem gewachsenen »Kundenstamm«, vor allem den theologischen und juristischen Referenten, auch »Reklame nach außen« zu machen. Die Öffnung ins Internet ist Planeths nächstes großes Arbeitsziel.

Das wäre dann schon ein ziemlich auffälliger Schritt in die Öffentlichkeit, gemessen am grundsätzlich unauffälligen Wirken von Planeths geistlicher Waffenkammer: »Bei uns gibt`s keine Knüller.« Wie auch? Wenn man, wie derzeit, 40 Bücherkartons aus der Hinterlassenschaft des früheren Landesbischofs Johannes Hanselmann aufzuarbeiten hat, dann geht es allein darum, durch die richtigen Schlagwörter die Bücher in der Tiefe zu erschließen und sinnvoll in den Bestand zu integrieren.

Wer nun glaubt, Planeth führe in bibliophiler Abgeschiedenheit ein Eremitendasein, irrt. Der Mann vertritt Mitarbeiterbelange an vorderster Front. Seit zwei Amtsperioden ist er Mitarbeitervertretervorsitzender in der mit über 300 Mitarbeitern größten Dienststelle der verfassten Kirche.

Auch in Sachen kirchliches Arbeitsrecht hat Planeth, biblisch fundiert, eine eindeutige Position: Den arbeitsrechtlichen Dritten Weg, der mindestens in gewerkschaftlichen Kreisen umstritten ist, hält er für maßgeschneidert. Vor allem das Modell der Dienstgemeinschaft, in der alle, Dienstgeber und Dienstnehmer gleichermaßen, dem einen Auftrag verpflichtet sind, die eine Konfrontation oder gar Streik nicht zulässt, ist nach Planeths Ansicht exakt richtig. Er meint sogar, dass diese Dienstgemeinschaft noch stärker »geistlich begründet und verteidigt« werden müsste.

Dienstgemeinschaft: Gut mit Einschränkung

Wie aber steht`s im eigenen Haus um die Dienstgemeinschaft? Prinzipiell gut, freilich mit einer bemerkenswerten Einschränkung. Der MAV-Vorsitzende des Landeskirchenamts muss feststellen, dass die massive Umstrukturierung des Amts »eine Menge Frust« bei nicht wenigen Mitarbeitern bewirkt hat, der noch bis heute nachwirkt.

Was war geschehen? Vor zwei Jahren, im März 2001, wurde die oberste Landeskirchenbehörde, wie der Fachausdruck hieß, »umgeklappt«. Eine fundamentale Strukturreform des Amts, durch eine Unternehmensberatung begleitet, sollte mehr Effizienz mit weniger Personal erzielen. Das Kunststück wurde durch ein paar schillernde Begriffe wie Prozess-Optimierung und Ziel-Dimensionierung garniert, aus neun Abteilungen wurden sechs, der strategischen Ebene der Abteilungsleiter wurde eine operative Ebene mit 26 Referaten zugeordnet. Und ein neuer Geschäftsverteilungsplan hat die alten Arbeitsfelder gründlich umgekrempelt.

Der Aufbruchstimmung, die durchaus herrschte, folgte Skepsis. Planeth, eine Bilanz ziehend, muss heute ernüchtert erkennen, dass die Umstrukturierung ohne wesentliche Einflussnahme durch die Mitarbeitervertretung stattfand: »Die MAV konnte wenig machen.«

Im Prinzip wurden Stellen verschoben, mit der Arbeit auch Menschen umverteilt, und unterm Strich, das wäre denn auch Planeths Kritik, im Landeskirchenamt verfahren, »als wäre es eine Fabrik«. Planeth: »Der geistlich-menschliche Aspekt kam zu kurz.« Das Ergebnis der Unternehmensreform hänge aber wesentlich von der Motivation der Mitarbeiterschaft ab. Rüsttage fördern gerade auf der Ebene der Sachbearbeiter, wie Planeth weiß, noch viel Unzufriedenheit zu Tage. Da bleibt also, soll die Reform gelingen, noch eine Menge zu tun (ganz abgesehen davon, dass die vorgesehene Reduzierung der Stellen - bis 2003 sollten 46 Stellen eingespart werden - nicht in Reichweite ist. Doch das ist ein anderes Thema.)

So kann der Mitarbeitervertreter der obersten Landeskirchenbehörde sich nur wiederholen: »Kirche stellt nicht ein Produkt her, sondern tritt für etwas ein, das schon zweitausend Jahre dauert.« Das hatte man bei der Umstrukturierung des Landeskirchenamts zu wenig bedacht.

Lutz Taubert


Nr. 2 - Februar 2003




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