Gemeindebrief-Werkstatt:
Vom Gedruckten ins Internet
Der Gemeindebrief ist, der Hauptthese unserer Werkstatt-Serie zufolge, der stille, weithin unterschätzte Medien-Riese in der evangelischen Publizistik mit - bayernweit - Millionenauflage. Unterschätzt, das heißt: Meistens glatt übersehen wird auch, welchen Zusatznutzen er bieten könnte: Ins Internet gestellt, wird er zur digitalen Visitenkarte einer Gemeinde, in der, in gebührendem Abstand, immer wieder etwas Neues geboten wird.
Internetadressen von knapp einem Drittel der insgesamt mehr als 1500 evangelischen Gemeinden in Bayern sind derzeit auf den Seiten der Landeskirche unter www.bayern-evangelisch.de/gemeinden.htm verzeichnet. Mehr und mehr wird der eigene Internetauftritt auch für Kirchengemeinden zu einer Selbstverständlichkeit: Waren vor zwei Jahren bei bayern-evangelisch noch 270 Gemeinden gelistet, hat sich diese Zahl seither also fast verdoppelt.
Webmaster als Flaschenhals
Doch auf dem Weg ins weltweite Netz liegen für die Gemeinden auch Stolpersteine: Der Internetauftritt bedeutet Arbeit, und wer soll, wer kann es überhaupt machen? Die Mittel sind knapp, und doch sollen die Seiten gut aussehen (siehe Kasten). Ja, sie müssen es sogar, will man auf dem Markt der Internetangebote nur halbwegs bestehen. Und: Die Inhalte sollen stets frisch und aktuell serviert werden.
Die Qualität der Internetauftritte evangelischer Gemeinden in Bayern variiert erheblich. Neben professionell gemachten, ansprechenden, weil lebendigen und aktuellen Seiten finden sich solche, die ziemlich handgestrickt anmuten oder einfach »tot« sind, weil sie schon lange nicht mehr aktualisiert wurden.
Wenn es im Lukasevangelium heißt, »Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter« (10,2), dann trifft das vielleicht auch für den Gemeindebrief, in besonderer Weise aber für das Medium Internet zu. Wer Inhalte in angemessener Weise ins Netz stellen will, muss gewisse technische Fertigkeiten mitbringen. In der Gemeinde ist zwar meist schnell ein leidenschaftlich vom Internet Begeisterter als »Webmaster« gefunden, der die Betreuung der Seiten übernimmt. Noch immer ist die Zahl derer, die das nötige Expertenwissen mitbringen, aber so gering, dass es fast immer zum »Flaschenhals-Syndrom Webmaster« kommt. Auch bei nur sechsmaligem Erscheinen im Jahr darf man den Aktualisierungsaufwand nicht unterschätzen, den es bedeutet, einen Gemeindebrief in solides HTML (also nicht etwa aus »Word« in »HTML« abgespeichert...) zu übertragen. Dazu kommen viele weitere Aktualisierungen, Ausbau, Umbau - und alles soll der eine Webmaster machen. Da kommt es schon mal zu Reibungsverlusten.
Gerade der Gemeindebrief bietet aber die Möglichkeit, seine Internetseiten regelmäßig mit aktuellen Inhalten zu versehen und so attraktiv zu halten. Wer online den Gemeindebrief lesen kann, bekommt einen guten Einblick in die Gemeinde. Daneben dürfen aber auch allgemeine Angebote, zu Fragen nach Taufe, Trauung, Konfirmation und Bestattung nicht fehlen. Das Rad muss man hier nicht immer wieder neu erfinden: Auf den Seiten der Landeskirche (bayern-evangelisch.de) gibt es bereits mustergültige Texte. Auf diese kann man verlinken, oder sie - mit Genehmigung des Öffentlichkeitsreferats und einem entsprechenden Urheberhinweis versehen - direkt auf seine Seiten nehmen (E-Mail: poep@elkb.de, Andreas Rickerl).
Gemeindebrief-Redaktion und online-Team als Gespann
Wer umgekehrt regelmäßig im gedruckten Gemeindebrief auf zusätzliche Angebote im Internet - wie beispielsweise Jugendseiten mit interaktiven Spielen, ein Diskussionsforum, ein Veranstaltungskalender, die jüngste Predigt zum Download - hinweist, stärkt auch dessen Attraktivität.
Gemeindebriefredaktion und am besten ein Online-Team aus mehreren Personen, die sich vertreten können, sollten daher eng verzahnt arbeiten und sich aufeinander abstimmen. Optimal, wenn sich dabei so etwas wie »Datenbewusstsein« bei den reinen Gemeindebrief-Mitarbeitern entwickelt. Es muss nicht gleich ein teures Redaktionssystem sein, aber kein Webmaster, kein Online-Redakteur schätzt es, wenn er einen gedruckten Inhalt, der einmal bereits digital, also in den Computer getippt, vorlag, nochmal selbst abtippen oder sonstwie erfassen muss. Viel lieber sind ihm Dateien, die er in möglichst strukturierter Form erhält, wenigstens aber als Word-Datei oder aus einem anderen Textverarbeitungsprogramm. (In der nächsten Ausgabe von kirche konkret&kontrovers gehen wir auf PDF und XML, wichtige Datenformate, die man auch als »Internet-Laie« kennen sollte, näher ein.)
Das Internet richtig nutzen
Übrigens: Das Internet bietet, falls man sich im Team darauf verständigen kann, einer Gemeindebrief-Redaktion eine hervorragende Plattform, sich in geschützten Bereichen auszutauschen, virtuelle Redaktionskonferenzen zu halten und die nächste Ausgabe zu planen. Wenn Texte so schon einmal ins Internet geraten sind, ist es ein Leichtes, sie auch der allgemeinen Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Die am Gemeindebrief Mitarbeitenden gehören natürlicherweise zu den Kernnutzern des gemeindlichen Internetauftritts. Ein Forum aber, das niemand nutzt, in dem der letzte Eintrag Monate alt ist, das nützt den Seiten weniger als es schadet. So wird signalisiert: Bei uns tut sich nichts. Das Gleiche gilt auch, wenn man sich entschlossen hat, den Gemeindebrief über das Internet anzubieten. Wer hier nicht für die kontinuierliche und pünktliche Aktualisierung sorgen kann, der sollte es besser lassen.
Umgekehrt gilt aber: Je mehr Menschen aus und um die Gemeinde sich an ihren Gemeindeseiten beteiligen und diese nutzen, desto größer wird die Ausstrahlung dieser Seiten auch auf andere Netzpassanten. Content is King: Am wichtigsten ist der Inhalt, und der Gemeindebrief sorgt dafür. Community is King: Fast noch wichtiger ist, dass eine Community, eine Gemeinschaft von Nutzern um einen Internetauftritt herum entsteht. Denn die sorgt im besten Fall von selbst für neue Inhalte und dafür, dass andere »mitmachen« wollen - die beste Werbung für eine Internetseite.
Markus Springer