Warum ich in der Kirche mitarbeite: Petra Schnabel, Vorsitzende des Landesjugendkonvents
Gern erzählt sie über ihr »komisches Hobby«
Es sind 145000 Männer und Frauen, die sich - der neuesten Statistik zufolge - freiwillig im Raum der bayerischen Kirche engagieren. Also von wegen Spaßgesellschaft, bestehend aus lauter Ich-lingen. Es ist ein weites Feld, von der Diakonie zur Gemeindearbeit, von den Verbänden bis zu christlichen Initiativen, wo allenthalben das auf den Nächsten, das nicht auf sich selbst gerichtete Engagement sich entfaltet. Es lohnt sich, immer wieder und aufs Neue zu fragen, warum eigentlich Menschen ehrenamtlich tätig werden? In unserer Serie diesmal: eine junge Frau aus der evangelischen Jugend.
Was motiviert eine Studentin der Politikwissenschaften, sich für ihre Kirche in einem solchen Ausmaß zu engagieren, dass Gleichaltrige »von einem komischen Hobby« reden?» Ich bin bei Kirchens aufgewachsen«, sagt Petra Schnabel, für die das Engagement bei der Evangelischen Jugend etwas ganz Selbstverständliches ist. »Kirche ist ein Teil von mir«, erklärt sie unverblümt, »ich bin da reingewachsen und ich hab ich mich immer wohl gefühlt«.
»Meine Kirche ist wie mein Wohnzimmer«
Wenn sie von ihrer Kirche in Pocking bei Passau erzählt, kommt die 21-Jährige ins Schwärmen. »Sie ist ein Wohnzimmer, klein, kuschelig und mit viel Holz.« Petras Augen leuchten, und ein Strahlen geht über ihr Gesicht: »Ich mag sie noch heute.« Als Kind besuchte sie regelmäßig den Kindergottesdienst, genoss es, biblische Geschichten zu hören, mit anderen zu basteln und dann heimzukommen und zu erzählen, was alles los war.
Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester besuchte sie später die Kindergruppe der Gemeinde. Der Pfarrgarten war riesig, und es waren so viele Bäume, dass man die Kirche gar nicht sehen konnte. In Niederbayern sei dies typisch, schließlich ist es eine evangelische Kirche, die hier nicht so im Mittelpunkt stehen. »Ich hatte immer das Gefühl, freier zu sein als meine katholischen Kameradinnen«, sagt sie. Zum Toben war genügend Platz, und es ging nicht so ehrfürchtig zu, sinniert sie. »Die Kirche gab uns Raum und Zeit zum Kind-Sein.«
Das, was die aktive Mitarbeiterin selbst so positiv erfahren hat, möchte sie auch anderen weitergeben. So war es für sie selbstverständlich, sich nach der Konfirmation auch ehrenamtlich zu engagieren. Jugendgruppen, Freizeiten, Kindergottesdienste standen fortan, neben den sportlichen Aktivitäten in Leichtathletik, auf dem Plan. Dann kam noch die Gremienarbeit hinzu, die ihr genauso viel Freude macht. Eigentlich wollte Petra Schnabel Schülersprecherin auf Lebenszeit werden, »aber dies ist ja nicht möglich«, sagt sie mit einem kessen Grinsen.
Nun ist die quirlige Studentin, die zurzeit in Augsburg lebt, Vorsitzende des Landesjugendkonvents in Bayern. Immerhin das höchste Gremium der Ehrenamtlichenvertretung in der Jugendarbeit. Den Konvent vergleicht sie mit einem Garten, in dem so viel Verschiedenes wächst, gedeiht und gepflanzt wird. »Jugendarbeit muss etwas mit frischer Luft zu tun haben, und Gartenfeste sind eh' der Hit«, schmückt sie ihren Vergleich aus.
Die Aufgabe auf Landesebene ist für sie mehr als ein Job. Während ihre Kommilitoninnen zu Hause büffeln, fährt Petra mal schnell nach Nürnberg zu einer Sitzung und gestaltet Jugendarbeit.
Anfangs wurde sie von einigen nach ihrem »komischen Hobby« gefragt. Aber schließlich zählt das Engagement. Überhaupt sei es wichtig, sich zu engagieren. Junge Menschen haben durchaus Illusionen und Visionen, für die sie sich einsetzen wollen. Das Schwierige sei nur, das Richtige zu finden. Deswegen sei sie auch kein Exot, bloß weil sie bei »Kirchens« ist. »Ich habe eben das Richtige gefunden, für das es sich lohnt, sich einzusetzen«.
So überlegt die aktive Mitarbeiterin, die in ihrer Freizeit gerne liest und ab und zu laufen geht, für was sie sich nach der Jugendarbeit engagieren könnte. »Ich möchte das, was ich gelernt habe, nicht nur für mich behalten, sondern auch anderen weitergeben.« Ein Leben ohne Engagement kann sich die junge Studentin nicht vorstellen. »Es muss nicht unbedingt Kirche sein, aber ich werde immer mit einem christlichen Wertegerüst hingehen.«
Christina Frey-Scholz