Gemeindebrief-Werkstatt: Druckerei auswählen, Anzeigen akquirieren und andere Fragen der Finanzierung
Kreativ sein - auch beim Geldsparen
Der evangelische Gemeindebrief ist ein stiller, weithin unterschätzter Medien-Riese mit - bayernweit gesehen - Millionenauflage. Das weitestreichende Forum des Protestantismus ist zugleich der Lernort für ehrenamtliches Engagement schlechthin. Gemeindebrief-Redakteure wissen, dass beim Blattmachen die verschiedensten Fähigkeiten gefordert sind. Dazu gehören - neben der Kompetenz, schreiben zu können - auch so schnöde Dinge wie Finanzierung.
Die Finanzierung eines Gemeindebriefs ist nicht immer einfach und schon gleich gar nicht immer gesichert. In der Regel ist es ein sorgfältiges Abwägen zwischen wünschenswerter Produktion (monatlich erscheinender Farbdruck mit 20 Seiten), vorhandenen Möglichkeiten (Zeit, Ausstattung, Personen, Wissen) und den eigenen Finanzmitteln. Da machen auch die aktuellen Sparmaßnahmen nicht Halt, und so manche Kirchengemeinde überlegt, ob sie ihren Gemeindebrief in der Erscheinungsweise nicht reduzieren muss. Sind Einsparungsmaßnahmen und Qualitätssteigerung Widersprüche in sich? Manchmal führt eine teuere Investition langfristig zu höheren Einsparungen. Aber der Reihe nach.
Den Ist-Stand halten und sparen: Viele Gemeindebriefe werden im Offsetverfahren gedruckt, die Druckerei ist seit Jahren die Gleiche, eine Überprüfung der Kosten hat nicht stattgefunden. Holen Sie sich von mehreren Druckereien Kostenvoranschläge und weisen Sie auf darauf hin, dass es sich um ein Periodika handelt. Dadurch weiß die Druckerei, dass sie mit einem längerfristigen Auftrag rechnen kann (der aber immer wieder überprüft werden sollte). Der Staat hilft Ihnen auch dadurch zu sparen, dass Gemeindebriefe nur mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz belastet werden. Überprüfen Sie Ihre letzten Rechnungen. Begünstigt sind alle »Druckerzeugnisse, die durch Text charakterisiert zum Lesen bestimmt sind«. Sie können auch aus einem Blatt bestehen (Plakate, Handzettel, Festschriften). Eine Faustregel dazu: Alles, was zum weiteren Ausfüllen bestimmt ist oder nur durch ausfüllen seinen Zweck bestimmt, ist nicht begünstigt.
Anzeigen im Gemeindebrief: für Kirchenvorstände ein heikles Thema, das gelegentlich hochstilisiert wird zu einer Entscheidung zwischen Ethik und Geld. Da muss jede Redaktion, jeder Kirchenvorstand selber durch.
Anzeigen helfen, Kosten durch Einnahmen zu reduzieren. Eine alte Faustregel von Gemeindebrief-»Schatzmeistern«: Eine Anzeigenseite sollte drei inhaltliche Seiten finanzieren. Jetzt können Sie schnell errechnen, wie teuer so eine Seite sein sollte. Zwischen 50 und 200 Euro wird für eine A5-Seite bezahlt, je nach Auflage und Verbreitung. Für viele Geschäftsleute ist es mehr eine Ehrensache, die Gemeinde zu unterstützen, als mit dieser Werbung messbaren Erfolg zu haben (siehe auch Kasten unten).
Wenn sich eine Gemeinde für Anzeigen im Gemeindebrief entscheidet, sollte sie folgende Tipps beherzigen: Anzeigen können auf ein oder zwei Seiten zusammengefasst werden, die immer an der gleichen Stelle sind. Behalten Sie die Umschlag- und Mittelseiten für wichtige redaktionelle Informationen anzeigenfrei. Haben Sie kleine Anzeigen, dann können diese als »Auffüllsel« für Seiten mit wenig Text verwendet werden. Halten Sie aber auch einige inhaltliche Rubriken bewusst werbefrei, z.B. Geistliches Wort, Gottesdienstanzeiger.
Eine Alternative zu Anzeigen sind Sponsoren des Gemeindebriefs. Diese finden Sie nur über das persönliche Gespräch und den direkten Kontakt. Ein deutlicher Kasten (oder andere Hervorhebung) listet gleichwertig die Sponsoren auf, der Gemeindebrief ist werbefrei.
Erst Geld ausgeben, später sparen: Wenn bisher die Satz- und Scannarbeit von Druckereien erledigt wurde, ist es eine Überlegung wert, ob nicht künftig diese Arbeit von einem Team kostengünstiger erledigt werden kann. Voraussetzung: Mitarbeitende, die das Programm beherrschen oder sich schulen lassen; die Investition in Software und/oder Technik. Wie hoch die Einsparung sein kann, müssen Sie mit Ihrer Druckerei klären. Was kostet der Gemeindebrief bisher und was würde er kosten, wenn die gesamten Daten digital übergeben werden?
Synergien nutzen: Lassen sich Verbündete für einen gemeinsamen Gemeindebrief finden? Es gibt auch schon ökumenische Erfahrungen damit. Möglich wäre auch eine gemeinsame »Stadtausgabe« oder ein regionaler Zusammenschluss. Denkbar ist auch für Gemeindebriefe, die im Eigenkopierverfahren erstellt werden, die gemeinsame Anschaffung eines modernen, leistungsfähigen Kopierers.
Herbert Kirchmeyer
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Anzeigenkunden und Sponsoring
Um Anzeigenkunden für Gemeindebriefe oder Sponsoren zu bekommen, muss man Kontaktarbeit leisten. Es ist unrealistisch zu meinen, alle kämen quasi von allein zu mir. Nein, sie wollen gepflegt werden.
Gleichwohl ist der Gemeindebrief ein interessantes Medium für Werbende, da es kontinuierlich eine fest definierte Zielgruppe erreicht und intensiv gelesen wird. Also keine Scheu, die hohe Verbundenheit der Zielgruppe mit unserem Medium »teuer« zu verkaufen! Unsere »Kundschaft« - die künftigen finanziellen »Unterstützer« unserer Gemeindebriefarbeit - will und muss umworben werden. Anzeigenkunden sind interessiert, wie oft der Gemeindebrief erscheint, wie viele Menschen ihn lesen, wie er verteilt wird, wie groß das Verbreitungsgebiet ist und wie hoch die Bindung der Menschen zu ihrer Kirche ist. Sponsoren möchten wissen, was mit ihrer Unterstützung angefangen wird, wie sie der Kirche hilft. Dabei sollte es nicht bei einem einmaligen Kontakt - »so, diesen Kunden habe ich...« - bleiben, denn dann fühlen sich diese irgendwann »ausgenutzt«. Es geht nicht um Bettelei, sondern um Beteiligung an kirchlicher Arbeit. Es sollte »unserem Kunden« der Zweck »unserer Organisation« vermittelt werden. Klingt jetzt zwar etwas seltsam, da doch »jeder weiß, was Kirche ist«, ist es aber wert, in unserer säkularisierten Gesellschaft bedacht zu werden.
Es empfiehlt sich, für diese Kontaktarbeit einen »Anzeigenverantwortlichen« im Gemeindebriefteam zu benennen. |