Was das Handlungsfeldkonzept der Landeskirche für Mitarbeitende bedeutet
Schätzen lernen, was der andere tut
Ab nächstem Jahr wird`s ernst: Das »Handlungsfeldkonzept« der bayerischen Landeskirche tritt in seine Erprobungsphase ein. Höchste Zeit also, darüber zu informieren, was sich hinter diesem Schlagwort verbirgt.
Es gilt zunächst nur für übergemeindliche Ämter und Einrichtungen, also den so genannten überparochialen Bereich.
Aber was sind Handlungsfelder, was steckt hinter dem neuen Konzept? Antworten auf diese Fragen können auch innerhalb der Landeskirche nur Eingeweihte geben. Das Handlungsfeldmodell ist weit gehend unbekannt.
Dabei ist die Grundidee hinter dem Konzept einfach und einleuchtend. In der Kirche wird an vielen Stellen gute Arbeit geleistet. Aber sie könnte besser aufeinander abgestimmt sein, wird teilweise an mehreren Stellen gemacht und oft nicht wertgeschätzt.
Um dies zu ändern, die Arbeit also künftig noch besser zu organisieren, hat die bayerische Landeskirche insgesamt 28 Aufgaben beschrieben, die sich aus dem Auftrag der Kirche ableitet lassen. So wurden Aufgaben wie »Gottes Wort hören und verkündigen«, »Menschen begleiten und beraten« oder »Nächstenliebe üben« festgehalten. Und diese 28 Aufgaben wurden 10 Handlungsfeldern zugeordnet.
Alles, was bisher an unterschiedlichen Stellen zum Thema Gottesdienst gemacht wurde, ob es sich um Meditationsarbeit, um Kirchenmusik, um Predigt und Gebet dreht, soll nun beispielsweise im Handlungsfeld 1 gebündelt werden. Ähnliches gilt für Seelsorge und Beratung, für Erziehung, Bildung, Unterricht, für Aus-, Fort-, Weiterbildung.
Die Schwierigkeit des Prozesses liegt darin, die bisherige Arbeit zusammenzubringen und unter gemeinsamen Vorgaben neu auszurichten. Der dafür notwendige Klärungsprozess soll in Konferenzen in den jeweiligen Handlungsfeldern stattfinden.
Solche Konferenzen brauchen Ordnungen, in denen die Spielregeln der Zusammenarbeit geklärt sind: Wer leitet die Konferenzen? Welche Einrichtung entsendet wie viele Vertreter? Was kann die Konferenz entscheiden, vorschlagen oder anregen?
Deshalb haben sich rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus den zehn Handlungsfeldern vergangene Woche in einer Konsultation zusammengesetzt und über Geschäftsordnung und andere Fragen diskutiert. Dass die Landeskirche ihre gesamten Aufgaben neu ordnet, stand dabei nicht zur Diskussion. Die Idee der Handlungsfelder wurde schon vor vier Jahren von der Kirchenleitung als Zukunftsmodell verabschiedet.
Besser planen, organisieren und überprüfen
Weil in den Handlungsfeldern verwandte Aufgaben gebündelt werden, lässt sich künftig auch kirchliche Arbeit besser planen, organisieren und überprüfen, so eine der Zielvorgaben des Konzepts. Andererseits kann die neue Struktur dazu führen, dass Kirchengemeinden und die übergemeindlichen Einrichtungen sich gegenseitig besser wahrnehmen und unterstützen. Dieses weitere Ziel ist in der etwas sperrigen Formulierung zusammengefasst: »Kultur der gegenseitigen wertschätzenden Wahrnehmung«. Das neue Konzept soll dazu beitragen, die in der kirchlichen Arbeit vorhandenen Sach- und Fachkompetenzen sichtbar und für die kirchliche Arbeit auch nutzbar zu machen. Angesichts der Herausforderungen, die auch auf die bayerische Landeskirche zukommen, zielt das Modell der Handlungsfelder auch darauf, dass die Kirche handlungs- und zukunftsfähig bleibt. Die Aufgaben sollen besser wahrgenommen, die Arbeit besser aufeinander abgestimmt und die Entscheidungsprozesse durchsichtiger gemacht werden.
Im zwar über ganz Bayern verzweigten, trotzdem aber überschaubaren Bereich der übergemeindlichen Ämter und Einrichtungen soll dieses neue Konzept ab 2001 für drei Jahre ausprobiert werden. Danach erst wird es auf den weiten Bereich der Kirchenkreise, Dekanate und Gemeinden übertragen. Ob die Diakonie mit ihren ganz eigenen Strukturen das Handlungsfeldkonzept übernehmen wird, steht bislang noch nicht fest.
Helge Neuschwander-Lutz