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Gemeindebrief-Werkstatt (9): Redaktionsmanagement heißt zunächst einmal viele Mitarbeiter gewinnen

Ein Hoch dem Team! Oder: Viele sind gefragt

Der Gemeindebrief ist ein stiller, weithin unterschätzter Medien-Riese mit - bayernweit gesehen - Millionenauflage, der zweierlei Chancen eröffnet: weitestreichendes Forum des Protestantismus, Chance zur kreativen Mitarbeit insbesondere für Ehrenamtliche in der Kirche. In der Redaktion arbeiten keineswegs allein »Profis«, Hobbyjournalisten und solche mit, die des Schreibens mächtig sind. Nein, viel mehr: Hier sind viele unterschiedliche Kompetenzen gefragt. Zum Beispiel die Kompetenz, Bescheid zu wissen in der eigenen Gemeinde und Ideen zu haben, wie man das Gemeindeleben entwickeln könnte. Die Gemeindebriefredaktion ist damit der Lernort für ehrenamtliches Engagement schlechthin.

Drei Euro für Christian: einmal »daß« statt »dass«, einmal »Dabke« statt »Danke«, einmal »Dienst« statt »Dienstag«. Drei Euro für Christian: weit weg von der Rekordsumme im Februar (zwölf Euro), aber mehr als im Juli (zwei Euro). Mit einem verschmitzten Lächeln steckt Christian seinen kleinen Nebenverdienst ein, sein kritischer Leseblick hat sich wieder einmal ausgezahlt.

Es ist längst ein festes Ritual am Anfang eines jeden Monats: Die zwölf Mitglieder der Gemeindebrief-Redaktion treffen sich zu ihrer regelmäßigen Redaktionskonferenz. Und immer am Anfang: die Blattkritik der aktuellen Ausgabe. »Ja, das Bild auf Seite eins ist diesmal richtig schön geworden«, »O je, die Überschrift auf Seite zwei ist ziemlich holprig«, »Na ja, im Artikel auf Seite fünf fehlt ein bisschen der richtige Biss«.

Und dann der Rechtschreibspezialist Christian. Schonungslos nennt er alle Tippfehler, das »daß« auf Seite vier, das »Dabke« im Editorial und das »Dienst« im Veranstaltungskalender auf Seite sieben.

Redakteure bei der Arbeit

  Redaktionsarbeit ist ein kreativer Prozess im Team. Die unterschiedlichsten Fähigkeiten sind gefragt. Mit am wichtigsten: Die "Bescheid-Wisser", die "Ideen-Sprudler" und "Frage-Steller".

Foto: epd-Bild

Die Sache mit dem Euro für jeden enthüllten Rechtschreibfehler ist mehr als eine hübsche Spielerei. Offene Augen und ein kritischer Blick auf die jeweils aktuelle gedruckte und verteilte Gemeindebrief-Ausgabe tragen dazu bei, die Sorgfalt beim Korrekturlesen zu erhöhen, die Zahl der Fehler so weit wie möglich zu minimieren und somit als einen wichtigen Baustein im Redaktionsmanagement zu etablieren.

»Redaktionsmanagement in der Gemeindebrief-Arbeit«: Der (Arbeits-)Titel der vorliegenden Folge der Gemeindebrief-Werkstatt klingt im ersten Moment vielleicht etwas fremd und wenig einladend. Also schön der Reihe nach. Denn gutes Redaktionsmanagement hilft in der Tat auch bei der Planung und der Produktion von Gemeindebriefen.

Der zentrale Schritt im Redaktionsmanagement (okay, kein schönes Wort: nehmen wir lieber eine Abkürzung - vielleicht ReMa?), also der zentraler Schritt im ReMa ist die Frage nach dem Redaktionsteam für den Gemeindebrief. Oder anderes herum gesagt: Wer macht mit und wer sorgt dafür, dass Ausgabe für Ausgabe ein fertiger Gemeindebrief entsteht? Für ein Redaktionsteam braucht man - und das ist nun wirklich keine großartige Erkenntnis - Leute, die Artikel schreiben und Fotos besorgen. Und dann braucht es jemanden, der aus den fertigen kleinen und großen Artikeln, aus den Veranstaltungsnotizen, den Fotos und anderen grafischen Elementen möglichst ansprechende Seiten gestaltet. In der Minimalbesetzung sitzen somit im Redaktionsteam schon mal zwei Leute (mal vorausgesetzt, dass es den Alleskönner oder die Alleskönnerin, der oder die einfach alles kann, nur vereinzelt gibt).

Doch ein kompetentes Redaktionsteam ist noch viel größer. Ein Christian zum Beispiel ist unverzichtbar. Also jemand, der in der deutschen Rechtschreibung und Zeichensetzung sicher ist und darüber hinaus beim Korrekturlesen auch die versteckten Fehler mit sicherem Auge erkennt. Als Autor oder Autorin ist man vom eigenen Text meist so gefangen, manchmal vielleicht auch so angetan, dass Tipp- und andere Schreibfehler einfach durchrutschen.

Und neben Christian braucht es mindestens eine Christine. Christine schreibt keine Artikel, Christine macht keine Fotos, Christine ist Korrekturlesen ein Greuel, pardon ein Gräuel. Aber Christine weiß Bescheid, Christine kennt jede Menge Leute.

Und: Christine sprudelt vor Ideen. Was machen wir in der Oktoberausgabe in diesem Jahr zum Erntedankfest? Wer kennt jemand, der wirklich schöne Fotos vom Kartoffelfeuerabend im Kindergarten machen kann? Wer bittet den Bürgermeister um einen Gastkommentar zur geplanten Flussregulierung im Wiesengrund?

Planung und Vorausschau

So sitzen sie einmal im Monat in der Redaktionskonferenz zusammen, Christian, Christine und alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gemeindebriefs. Erster Programmpunkt: die Blattkritik der aktuellen Ausgabe. Zweiter Programpunkt: Planung der nächsten Nummer. Dritter Programmpunkt: Vorausschau auf die übernächste Nummer.

Neben diesen regelmäßigen Treffen verabredet sich das Redaktionsteam zu zwei weiteren Terminen pro Jahr: zu einer Planungsrunde und zu einer Feierstunde. In der Planungsrunde, etwa nach den Sommerferien oder zu Jahresbeginn terminiert, wird ein grober Fahrplan für das folgende Jahr erstellt: Machen wir eine regelmäßige Themenreihe in diesem Jahr? Wollen wir in diesem Jahr bewusst Prominente aus dem Ort für das geistliche Wort gewinnen? Starten wir eine Serie, in der sich die Gruppen und Kreise unserer Gemeinde in Wort und Bild lebendig vorstellen?

Die Feierstunde(n) des Redaktionsteams haben natürlich ihr eigenes Flair: Hier ist - neben dem Feiern - der Ort, an dem alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein kleines Dankeschön für ihr Engagement erhalten, unabhängig davon, was jeder und jede im abgelaufenen Jahr für den Gemeindebrief beigesteuert hat. Hier ist aber auch der Ort, um Leute zu verabschieden, die ihr Engagement beenden, und Leute zu begrüßen, die neu in das Redaktionsteam einsteigen.

Soweit zum Redaktionsteam, der zentralen Frage im ReMa. Als weitere Fragen seien stichpunktartig noch genannt: die Frage nach einer guten Zeitplanung, nach festen, eingespurten Produktionsabläufen (von der ersten Idee bis zum Ausliefern des Gemeindebriefs) und einer klaren Verantwortlichkeit und Zuständigkeit: Wer macht was, wer bringt wo und wie seine Fähigkeiten ein, wer sorgt dafür, dass Artikel und Beiträge rechtzeitig und absprachegemäß eintreffen?

Roland Gertz


Nr. 9 - September 2002


Gemeindebrief-Werkstatt
   Der stille Riese - der Gemeindebrief, das unterschätzte Medium (Nr. 1/02)
   Die Redaktion: Lernort für ehrenamtliches Engagement (Nr. 1/02)
   Leserorientierung ist oberstes Gebot: Erst Zielgruppe und Publikationszweck klären (Nr. 2/02)
   Inhalte: Immer die Gemeinde im Blick (Nr. 2/02)
   Konzeption und Gliederung: Form follows function (Nr. 3/02)
   Kontakt mit dem Leser: Wie werden Publikationen der Kirche wahrgenommen? (Nr. 3/02)
   Layout: Erscheinungsbild zwischen Chaos und Ordnung (Nr. 4/02)
   Layout: Weg mit den Bleiwüsten - Bilder beleben den Kirchenboten (Nr. 5/02)
   Layout am PC: InDesign und Quark XPress - Das richtige Programm finden (Nr. 6/02)
   Schreibwerkstatt: Gute Schreibe lässt sich lernen - Zum Lesen verführen (Nr. 7/02)
   Redigieren: An Überschriften, Vorspännen und Texten feilen, bis man sie versteht (Nr. 8/02)
   Redaktionsmanagement: Ein Hoch dem Team! Oder: Viele sind gefragt (Nr. 9/02)
   Journalistische Formen: Bericht, Reportage oder Glosse? Welche journalistische Darstellungsform ist wo angemessen? (Nr. 10/02)
   Presserecht: Was man bei Bildern alles falsch machen kann (Nr. 11/02)
   Kreativ sein - auch beim Geldsparen: Druckerei auswählen, Anzeigen akquirieren und andere Fragen der Finanzierung (Nr. 12/02)
   Vom Gedruckten ins Internet und Einfacher Internetauftritt: Vernetzte Kirche bietet Musterseiten für Gemeinden (Nr. 1/03)
   PDF und XML sollten Gemeindebriefmacher kennen und Öffentlichkeitsmanagement: Ein Schaukasten ist kein schwarzes Brett (Nr. 2/03)
   Wie ein Heft entsteht: Ein gutes Redaktionsmanagement ist unabdingbar (Nr. 3/03)
   Nicht das Schaufenster abdekorieren: Am Gemeindebrief zu sparen hätte fatale Folgen
(Nr. 4/03 - Ende)




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Aktiven-Info:
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