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Worauf's beim Gemeindebriefmachen ankommt: Feilen Sie an Überschriften, Vorspännen, Texten, bis man sie versteht

Gegenseitig wertschätzende Wahrnehmung. Oder: Sie lieben sich!

Die Gemeindebriefredaktion eignet sich in idealer Weise für ehrenamtliche Mitarbeit. Wer Spaß am Schreiben hat, wer Spaß am Gestalten hat und Themen in Bilder übersetzen möchte, aber auch: wer in seiner Gemeinde Bescheid weiß und sie ins Gespräch bringen will, wer »kirchenpolitisch« ein Gespür hat, wer sich in einer Gemeindegruppe engagiert und das auch andere wissen lassen will, wer den Missionsauftrag ernst nimmt: Sie alle sind eingeladen zur Mitarbeit am Gemeindebrief, dem weitest reichenden Medium, über das die Kirche verfügt. Diese Werkstatt handelt vom Redigieren.

Unsere geraffte Stilkunde der letzten Schreibwerkstatt (Kirche konkret und kontrovers Nr. 7/Juli 2002) besagt, in brutaler Kürze nochmals zusammengefasst, folgendes: Schreiben Sie, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist, oder, um gleich mit Luther zu reden, schauen Sie den Leuten aufs Maul, und so schreiben Sie: lebendig, knapp und farbig, beispielhaft statt allgemein, im Regelfall die engeren Begriffe wählend (rot, gelb und blau) anstelle des übergeordneten (vielfarbig). Erzählen Sie eine Geschichte, halten Sie kein Referat, keine Predigt.

Meiden Sie, wo Sie nur können, die Eigenschaftswörter (Adjektive); gegen Hauptwörter, die Inhalte transportieren, ist nichts einzuwenden (die Liebe zwischen Mann und Frau); aber Vorsicht bei Substantiven, wenn sie abstrakt (und nicht konkret) sind, mit den Silben -keit oder -ung enden und mit Adjektiven verkleistert sind (gegenseitig wertschätzende Wahrnehmung); die Tunwörter (Verben) sind viel besser, ja bringen oft erst das Substantivgeschwätz auf den Punkt (Jeder schätzt den anderen: Oder gleich: Sie lieben sich!).

Überschriften - Zum Vergrößern anklicken

  Ein gut gemachter Gemeindebrief muss Laune machen, ihn von Anfang bis zum Schluss zu lesen.

Repro: sob

Sätze möglichst kurz halten. Kurze und lange Sätze abwechseln; lange Sätze in sich reihen, das heißt einen Gedanken nach dem anderen bringen, statt sie ineinander zu schachteln.

Wenn wir diese Regeln befolgen, dann sind wir allein darum noch kein Meister-Autor, aber wir produzieren in unserer Schreibwerkstatt ein einigermaßen gutes Deutsch, wir schreiben einen Text, den man versteht. Im besten Fall gelingt es, den Leser, die Leserin zu unterhalten statt zu langweilen.

Jedenfalls ist ein guter Text, man kann es nicht häufig genug wiederholen, zum großen Teil Ergebnis einer Schreibwerkstatt, eines erlernbaren Handwerks, (und zum kleineren Teil eine Angelegenheit von Talent oder Eingebung). Das heißt aber auch: Die Redaktion kann eine Menge noch tun, ja muss oft die entscheidenden Eingriffe in Texte vornehmen, um aus einem langweiligen Stück etwas flott Geschriebenes zu machen.

Einem unter Journalisten geläufigem Bonmot zufolge muss sich einer immer anstrengen, entweder der Autor oder der Leser. Wir ergänzen: Wenn sich schon nicht der Autor angestrengt hat, dann ists die Pflicht und die Chance der Redaktion, einen Text zu retten, so dass er ohne Mühe verstanden werden kann.

Und oft rettet ihn die Präsentation. Wie das? Überschrift, der Vorspann oder die Anmoderation, auch der Text zum Bild, das sind entscheidende Stationen auf dem Weg zur Lektüre. Der Leser, die Leserin entscheidet sich hier, ob er, sie den Text überhaupt liest oder gleich weiter blättert.

Auch der Einstieg in den eigentlichen Grundtext, Zwischentitel und der Umstand, dass der Text in appetitlichen Absätzen von nicht mehr als 20 Zeilen daherkommt, sind dramtaturgische Stationen, die den Leser bei der Stange halten.

Der »letzte Schliff«

Dies alles (einschließlich der Absatzlänge) lässt sich entwickeln aus einer richtig angewandten Stilkunde. Texte bearbeiten, flotte Vorspänne schreiben, an Überschriften feilen, Bildzeilen entwerfen, die fesseln: Das ist Schlussredaktionsarbeit, kann zeitaufwändig sein, aber es macht Spaß und verleiht die Gewissheit, durch diesen »letzten Schliff« dem Gemeindebrief erst sein Gesicht zu geben.

Oft ist ein Vorspann unumgänglich. Grundregel: Ein Text, der den Maßstäben des Verständnisses für Kirchenferne nicht genügt, muss anmoderiert und/oder redigiert werden. Wenn ein Text zu kircheninsiderisch, zu kompliziert ist, dann schreiben Sie doch einmal mit ein, zwei Sätzen nieder, was der Autor sagen wollte. Meist ist diese Kurzfassung dann bereits der Vorspann, oder aber Sie bauen sie als Kern oder in den Schluss des Textes ein.

Ein Beispiel: Der Gemeindebrief-Redaktion liegt ein Text vor, in dem die Vertrauensfrau des Kirchenvorstands darlegt, dass nach einem Kirchenvorstandsbeschluss nun auch »Kinder ohne Mindestaltersgrenze« zum Abendmahl eingeladen sind. Das Wort »Kind« taucht freilich erst im dritten Absatz auf. Im Einstieg geht es darum, dass uns »viele Zugänge zu Gottes Freundlichkeit geschenkt sind«, neben dem Verstand auch die Sinne: eine kluge theologische, gleichwohl leserunfreundliche Hinführung zum »Schmecken« des Abendmahls.

Ein solcher Text bedarf zwingend einer Anmoderation. Der durchschnittliche Leser des Gemeindebriefs, in kirchlichen Angelegenheiten unerfahren, muss an die Hand genommen werden, damit er bis zum Kern des Artikels findet. Der Vorspann soll, nach den Regeln eines guten Stils, die entscheidende Aussage vorlegen, freilich ohne schon alles zu verraten. Man muss neugierig werden, wie es nun weiter geht.

In unserem Beispiel könnte man den Vorspann so formulieren: »Abendmahl nur für Erwachsene? Nicht in der X-Gemeinde. Der Kirchenvorstand hat jetzt beschlossen, dass auch Kinder - ohne Altersbegrenzung - zum Abendmahl eingeladen sind. Warum, das begründet im folgenden Beitrag Elisabeth Mustermeier, Vertrauensfrau des Kirchenvorstands:«

Und schon ist die Leserunfreundlichkeit der ursprünglichen Einleitung gebrochen. Der Vorspann bringt einen langen Text knapp auf den Punkt. Entweder als »summarische«, also möglichst den gesamten Text umfassende Aussage, oder als »modifizierte« Nachricht, das heißt: Die wichtigste Nachricht (aus vielen einzelnen Nachrichten, aus denen der Text besteht), wird nach vorne gehoben.

Es werden zugleich im ersten Absatz ein paar entscheidende Fragen - Journalisten sprechen gerne von den W-Fragen oder gleich den »W«s - beantwortet, geklärt, über die der Leser Aufschluss erwartet: Wer hat was aus welchem Anlass, wann und wo getan (beschlossen, gesagt). Auf welche Quelle berufen wir uns?

Leserfreundlichkeit erzeugen wir auch mit der Überschrift oder, richtiger ausgedrückt, mit dem Überschriften-Apparat, denn eine Überschrift kann aus mehreren Teilen bestehen: Der Hauptzeile, darüber einer Dachzeile, darunter einer Unterzeile.

»Schmeckt's, Kinder?«

Der Vorschlag der Autorin in unserem Beispiel lautete »Information des Kirchenvorstands zum Kinderabendmahl« und war wohl mehr als Kategorie oder Inhaltsangabe gemeint. Doch es gibt nicht wenige Redaktionen, die ohne Nachzudenken solche Vorschläge als Überschrift nehmen. Sie verschenken eine Chance.

Die Überschrift entscheidet, ob man den Text liest. Sie sollte möglichst zweierlei enthalten: die Information, worum es geht; und sie sollte neugierig machen, Spannung erzeugen, darf ruhig (wenn es das Thema erlaubt) witzig sein und verspielt.

Unser Beispielfall bekam die Dachzeile: »Abendmahl nicht nur für Erwachsene«, womit das Thema des Textes benannt ist. Hauptzeile: »Kinder, schmecket!« Da wird Bezug genommen auf die biblischen Einsetzungsworte.

Der noch witzigere Vorschlag »Schmeckt's, Kinder?« fand keine Mehrheit in der Redaktion: »Geschmacklos!«

Nun ja, ein Theologe dürfte so empfinden. Urteilen Sie selbst, welche Überschrift die bessere ist. Die journalistische Regel heißt jedenfalls: Zäumt einen Text von Anfang an so auf, dass es Spaß macht ihn zu lesen; dass einen schier die Neugier überwältigt, wie es wohl weiter geht.

Lutz Taubert


Nr. 8 - August 2002



Gemeindebrief-Werkstatt
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   Layout: Weg mit den Bleiwüsten - Bilder beleben den Kirchenboten (Nr. 5/02)
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(Nr. 4/03 - Ende)




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