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Die Kommunikationsinitiative hat manchem Anstoß gegeben - aber auch manchen Anstoß

Langsam ins Rollen gekommen

Kaum hat die Kommunikationsinitiative der Landeskirche so richtig begonnen, da ist sie auch schon wieder fast vorbei. Für eine endgültige Bilanz scheint es noch zu früh.

»Wir erwarten uns von dieser Kommunikationsinitiative einen langfristigen Schub für das Erscheinungsbild unserer Kirche«, hatte Finanzreferent Claus Meier vor der Landessynode im Herbst 1999 in Weiden gesagt und - in diesem Punkt zumindest - Recht behalten. Von Anbeginn war sie umstritten, die auf drei Jahre angelegte und mit einem Etat von 1,5 Millionen Euro ausgestattete Kommunikationsinitiative der bayerischen Landeskirche (KI), von großen Hoffnungen begleitet bei den einen, von großen Befürchtungen bei den anderen. Nun, wo das vorerst letzte Halbjahr der KI angebrochen ist, hat die Auswertung der Erfahrungen und Ergebnisse mit dem Projekt bereits begonnen. Auf der Frühjahrssynode 2003 wird schließlich Bilanz gezogen, Erfolge und weniger Erfolgreiches miteinander verwogen, auch abgerechnet - nämlich wieviel noch in der Kasse ist, nachdem zu Beginn des Jahres erst ein Drittel des Etats ausgegeben war - und die weitere Zukunft beschlossen.

Open Space

  Blick in die Zukunft: Die Veranstaltung »open space« der Kommunikationsinitiative zur Entwicklung der Kommunikation in der bayerischen Landeskirche findet am 20./21. September auf dem Sebalder Platz in Nürnberg statt.

Montage: Fauler

»Kein durchgängiger Rückenwind in der Kirche«

»Das Projekt hatte keinen durchgängigen Rückenwind in der Kirche, angefangen schon bei ganz grundsätzlichen Dingen,« beginnt Hanna Wirth - die zusammen mit Christian Kopp das Projekt leitet - ihre persönliche Bilanz. Dazu gehöre schon das denkbar dünne Ja der Landessynode zur KI im Herbst 1999. Zuletzt hatte auf der Frühjahrssynode in diesem Jahr in Bayreuth der Nürnberger Dekan Michael Bammessel den Abbruch der KI gefordert. Eingebettet ist die Kritik an der KI häufig in ein wachsendes Unbehagen an einer mutmaßlichen oder tatsächlichen »Ökonomisierung« der Kirche.

»Anfangs«, sagt Hanna Wirth, »herrschte in den Gemeinden noch der Eindruck vor: Da wird uns etwas von oben herab vorgesetzt.« Heute, wo man in allen Gemeinden bekannt sei, höre man auch viel Positives: »Klasse, dass ihr uns so praxisnahe Unterstützung anbietet.« Denn gerade die ganz praktischen Angebote waren es, die auf die größte Resonanz stießen: Einheitliche Schilder für kirchliche Gebäude beispielsweise, Visitenkarten oder Briefpapier, Workshops zur Gestaltungshilfe der Landeskirche oder zum Thema Fundraising. Weniger Erfolg hatte man mit dem Internetauftritt: Heute wisse man, dass man erst konkrete Inhalte brauche, um im Internet Angebote zu machen. Ein gutes Kommunikationskonzept reiche allein nicht aus. Auch die Moderation und und Gestaltung von Kommunikationsprozessen sei weniger stark angenommen worden als erwartet. Viele, sagt Wirth, hätten nun aber dennoch den Eindruck geäußert: »Jetzt geht`s zu Ende, wo`s so richtig losgeht«.

»Andere Dinge, als man erwartet hatte«

»Es kamen teils andere Dinge heraus, als man erwartet hatte«, sagt Hanna Wirth über die Entwicklung des Projekts. Die Idee, die hinter der KI stand, sei »noch zu wenig griffig« gewesen: Den meisten habe die Strukturierung dessen, was Kirche tue, in fünf Kompetenzfelder zwar eingeleuchtet. Weniger gut angenommen worden seien aber die Signets und noch weniger die zugehörigen Slogans der Kampagne. »Das Balkenkreuz ist aber sicher eine Erfolgsgeschichte«, sagt Wirth zur Verbreitung des bayerisch-evangelischen Logos. Und sie weiß auch, dass es »in der Kirche für so etwas Zeit braucht«.

Vor allem aber sei man zur Erkenntnis gekommen: »Wenn wir etwas Neues machen wollen in der Kirche, dann müssen wir auch an anderen Stellen langsamer treten«.

In zweieinhalb Jahren sind durch die KI bayernweite Netzwerke entstanden, die über die Kirchenkreise hinausgehen - ein gelungenes Novum. Immer fruchtbarer zeige sich deren Zusammenarbeit. Hier vor allem, im Beitrag zu einer gesamt-bayerisch evangelischen Identität sieht Wirth einen Gewinn. Man wolle sich deshalb besonders darum bemühen, ihren Bestand dauerhaft zu sichern, sagt die Projektleiterin.

Auf die Ergebnisse des Evaluationsprozesses bis zur Frühjahrssynode 2003 darf man gespannt sein. Ein »Service-Center« der Kirche in Sachen Kommunikation wäre jedenfalls ein wichtiger Dienst für die Kirche - auch über 2003 hinaus.

Markus Springer

Internet: www.bayern-evangelisch.de/marktplatz/


Nr. 7 - Juli 2002




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