Schlagabtausch auf Augenhöhe: Chris von Falkenhausen und Dekan Martin Ost
Vom fernen Zwiegespräch um eine gemeinsame Sache
Angefangen hat es damit, dass ein Ehrenamtsgesetz verabschiedet wurde und das Schlagwort »Auf Augenhöhe« die Runde machte. Auf selbiger Höhe sollten sich nun ehrenamtliche Mitarbeitende mit hauptamtlichen Pfarrern beispielsweise bewegen. Im Januar dieses Jahres veröffentlichte »Kirche konkret und kontrovers« einen Text der Ehrenamtlichen Christine von Falkenhausen (Oberhaching), die diese Augenhöhe am Beispiel eines Wochenendes für Mitarbeitende in Frage stellte. Nicht ohne Echo.
Im Februar nämlich antwortete Martin Ost im Korrespondenzblatt auf den augenzwinkernden Beitrag, der die Vorbereitung eines gemeinsamen Gottesdienst während der Wochenend-Veranstaltung für Mitarbeitende kritisch beäugte. Der anwesende Pfarrer, so von Falkenhausen in ihrem Beitrag im Januar, habe nämlich seine Mitarbeitende nicht ernst genommen und alles alleine vorbereitet. Nix - so das Fazit - mit gemeinsam.
Martin Ost, hauptamtlicher Pfarrer, sieht, solcherart angegriffen, die Angelegenheit deutlich anders. Was, so seine Anfrage, wäre wohl, würde eine Pfarrer, respektive eine Pfarrerin, unvorbereitet in ein solches Wochenende gehen? Würde dann nicht zu Recht der Vorwurf erhoben, die Ehrenamtlichen würden ausgenutzt, sollten das ureigenste Geschäft der Theologen übernehmen? Wofür hätten eben diese denn studiert, wenn nicht, um eben solche Aufgaben zu übernehmen?
Im Text von Martin Ost schimmern andere Erfahrungen durch, ob eigene, das bleibt verborgen. Von jenen ehrenamtlichen Kirchenvorsteher/innen nämlich, die beispielsweise eine hauptamtliche Kirchenmusikerin laden und wie »ein dummes Mädchen« behandeln. Und so klagt der Pfarrer, der selbst einmal Beklagter war oder sich als solcher verstanden hat, Augenhöhe ein.
Nun liegt sie vor, die Antwort auf die Antwort. Christine von Falkenhausen will ihre Botschaft nicht verstanden wissen als »Rundumschlag gegen Pfarrer«. Sie will viel eher sagen, dass getroffene Vereinbarungen auch eingehalten werden müssen. Ansonsten dürfe sich niemand über das Ergebnis wundern. »Wer Partner nicht ernst nimmt in ihrer Kompetenz und ihrem Engagement«, der habe vielleicht bald keine mehr, meint die streitbare Synodale. Das gelte übrigens für alle Beteiligten in gleicher Weise. Und sie glaubt, dass viele Pfarrerinnen und Pfarrer derzeit in einer Sinnkrise stecken. Vielleicht sei das Berufsbild unklar, zu wenig Anerkennung und Würdigung »der oft gewaltigen Arbeitsleistung« zu erkennen oder mangelnde Motivation durch die Institution Kirche zu beklagen.
Pfarrern und Pfarrerinnen werde in ihrem Beruf viel abverlangt, was sie im Studium nicht erlernen: Management, Mitarbeiterführung, Organisationstalent, so von Falkenhausen. Zu einer wirklich guten Zusammenarbeit, »auf Augenhöhe« sei eingefügt, gehöre auch konstruktive Kritik, nicht nur die Freude über gelungene und geleistete Arbeit. Zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit gehöre zudem, dass Ehrenamtliche »ihren Pfarrer nicht auf ein Podest stellen und ihn dort versauern lassen«. Und es gehörten Pfarrer dazu, »die sich nicht vor lauter Würde des Amtes selbst isolieren.«
Und sie, Christine von Falkenhausen, bedauert, wenn »die Pfarrerschaft ihre Beschwernisse mit den Ehrenamtlichen im stillen Kämmerlein des Korrespondenzblattes ausbreitet und sich dabei in der eigenen Jammerbude einsperrt«. Gemeinsame Probleme sollten auch in einem gemeinsamen Forum angegangen werden.
Helge Neuschwander-Lutz