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Ab 2003 soll das Handlungsfeld-Konzept in eine Erprobungsphase gehen

Verheißungsvolle Perspektive

Stefan Ark Nitsche

  ""Was brauchen wir an Struktur, damit eine Kultur der gegenseitigen wertschätzenden Wahrnehmung eine reelle Chance hat?" Stefan Ark Nitsche ist theologischer Planungsreferent der bayerischen Landeskirche. Foto: Frank

Mit Beginn des kommenden Jahres soll die Weiterentwicklung des vor vier Jahren in der bayerischen Kirche beschlossenen Handlungsfeld-Konzepts in eine Erprobungsphase gehen. Ziel des Konzepts ist es, Schwerpunkte in der kirchlichen Arbeit setzen zu können, mehr Transparenz bei Entscheidungen zu schaffen, klare Formen der Kommunikation miteinander zu finden und die Verantwortlichkeit der Handlungsfelder zu stärken. Für Stefan Ark Nitsche, theologischer Planungsreferent der Landeskirche, ist das Handlungsfeld-Konzept ein Zukunftsmodell. Was ist neu? Aus dem Auftrag der Kirche wurden 28 wesentliche Aufgaben abgeleitet und zu zehn übergeordneten Handlungsfeldern gebündelt. Ähnlich wie im Bereich der Kirchengemeinden, Dekanate und Kirchenkreise, dem so genannten parochialen Bereich, in dem weitgehend eigenverantwortlich gearbeitet wird, sollen auch die Entscheidungskompetenzen im landeskirchenweit arbeitenden überparochialen (also übergemeindlichen) Bereich erweitert werden.

Die Stärkung der mittleren Ebene, wie es im Fachjargon heißt, sei allerdings deshalb schwierig, weil sich in den verschiedenen Handlungsfeldern unterschiedliche Strukturen entwickelt hätten, die zunächst aufeinander abgestimmt werden mussten, sagt Nitsche. Es sei wichtig gewesen, »keine Struktur am grünen Tisch« zu erfinden und allen überzustülpen.

Für Nitsche geht es jetzt darum, zugleich den Auftrag der Kirche und die Arbeit »vor Ort« in den Blick zu bekommen. Dies lohne sich vor allem dann, wenn es unter folgender Fragestellung versucht wird: »Was brauchen wir an Struktur, damit eine Kultur der gegenseitigen wertschätzenden Wahrnehmung eine reelle Chance hat?« Die kirchliche Arbeit solle nachhaltig gefördert, die Handlungsfähigkeit unterstützt und damit Zukunftsfähigkeit eröffnet werden - »soweit das in unserer Hand liegt«, betont Nitsche.

Konkret wurde die Weiterarbeit am Konzept deshalb auf zwei Aufgaben hin ausgerichtet. Einerseits sollen zunächst die Rahmenbedingungen für die Arbeit in den Handlungsfeldern weiterentwickelt werden. In den zehn Handlungsfeldern wurden deshalb Konferenzen eingerichtet, die mindestens zweimal im Jahr eine repräsentative Vertretung aller Akteure der Arbeit vor Ort in einem Handlungsfeld und den zuständigen Oberkirchenrat zusammenbringen sollen. Dort, so Nitsche, werden die für das Handlungsfeld grundlegenden Entscheidungen diskutiert und die Gesamtarbeit ausgerichtet.

Zugleich sei es wichtig, an einer »besseren Vernetzung des parochialen und überparochialen Bereiches« zu arbeiten. Wenn im übergemeindlichen Dienst eine hilfreiche Ordnung gefunden sei, ginge es darum, die beiden Bereiche enger zusammenzubringen. »Aus meiner Sicht sind da noch eine ganze Menge Schätze zu heben«, glaubt der Planungsreferent, der dem Landesbischof direkt unterstellt ist.

Auf die Frage, wie die Vision aussehe, die am Ende des Gesamtprozesses verwirklicht sein soll, meint Nitsche: »Wir werden ein Stück evangelischer geworden sein.« Und fügt erläuternd hinzu, dass Menschen und Institutionen, die bislang von Entscheidungen betroffen waren, nun angemessen an ihnen beteiligt werden. Damit würde vorhandene Sach- und Fachkompetenz in den einzelnen Einrichtungen eingebunden und so das »Priestertum aller Getauften« in einem wichtigen Bereich der kirchlichen Arbeit Realität werden. Zudem, so Nitsche, »werden wir neu gelernt haben, unser kirchliches Handeln als Zeitgenossinnen und Zeitgenossen vom Auftrag der Kirche her zu begründen. Kurz: Alles, was wir tun, hat seine Wurzeln im Wort Gottes für ein gelingendes Leben.«

Im Oktober dieses Jahres sollen bei einer Konsultation gemeinsame Empfehlungen für die Kirchenleitung erarbeitet werden. Gelingt dies, so wird Anfang des kommenden Jahres eine Erprobungsphase für den überparochialen Bereich beginnen. Nach Ansicht Nitsches »eine verheißungsvolle Perspektive«. Mit dieser Erprobungsphase nämlich wird sich zeigen, ob es gelingt, mehr Verantwortung in die einzelnen Handlungsfelder zu delegieren und damit die Entscheidungsspielräume zu erhöhen.

Helge Neuschwander-Lutz

Nr. 6 - Juni 2002




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