Home


Gemeindebrief-Werkstatt: Bilder beleben den Kirchenboten

Hinfort mit den Bleiwüsten

Der Gemeindebrief ist ein stiller, weithin unterschätzter Medien-Riese mit - bayernweit gesehen - Millionenauflage, der zweierlei Chancen eröffnet: weitestreichendes Forum des Protestantismus, Chance zur kreativen Mitarbeit insbesondere für Ehrenamtliche in der Kirche. Er ist damit der Lernort für ehrenamtliches Engagement schlechthin. Das ist der Ansatz unserer Gemeindebrief-Werkstatt, die den Gemeindebrief-Machern konzeptionelle Überlegungen genauso wie praktische Tipps in die Hand geben möchte.

Eine der Grundaufgaben der visuellen Gestaltung in Gemeindebriefen ist es, den Inhalt »lesbar« zu machen. Davon ausgehend, dass Wahrnehmung immer ganzheitlich geschieht, würde das für unsere Gemeindebriefe bedeuten: wahrnehmen, lesen, verstehen, reflektieren.

Zunächst spielt es keine Rolle, mit welchen visuellen Gestaltungshilfen eine Seite die Aufmerksamkeit erzeugt. Dies kann einerseits durch die optische Gliederung mit Überschrift, Unterüberschrift (Subheadline), Zwischentiteln, Abschnitten - eine Länge über 15 Zeilen ist zu vermeiden - und Marginalien geschehen. Andererseits entstehen Blickfänge durch Grafiken und Bilder.


  Ein gelungenes Beispiel für eine gute Bildplatzierung ...

In vielen Gemeindebriefen stehen Text und Grafik ohne Bezug nebeneinander. Das soll und muss nicht sein. Es gibt gutes grafisches Material für das gesamte Kirchenjahr und für besondere Ereignisse. Diese so genannten Schnippelbücher werden auch digital ausgeliefert. Daneben gibt es einige CDs mit kirchlichen Grafiken. Durch den Kauf dieser Arbeitsmaterialen erwerben Sie auch das lizenzfreie Nutzungsrecht im Gemeindebrief.

Jede Seite braucht einen Aufhänger, einen visuellen Stopp. Fotos vermitteln zusätzlich Stimmung, bringen etwas von diesem »hier möchte ich auch sein« (Urlaubsstimmung) oder »ich war auch dabei« (Veranstaltung) rüber. In den Arztpraxen blättern viele Menschen in vielen Zeitschrift herum und schauen sich die Fotos an - Texte werden wenig gelesen.

Bilder lenken den Blick auf eine Seite, der Sinnesreiz wird angesprochen (wahrnehmen) und erzeugen Neugierde, um was es hier geht (lesen).

Nach so viel Überzeugungsarbeit für visuelle Anreize gibt es für den Gemeindebrief-Macher noch ein paar wichtige Punkte zu beachten:

  Größe und Proportion: Das Layout muss auf die Proportion des Bildes abgestimmt werden und nicht umgekehrt. Zunächst gilt: Je größer ein Bild ist, desto besser - denken Sie an die berühmten Gruppenbilder von Ausflugsfahrten. Wenn die Köpfe der Personen nur noch vier Millimeter groß sind, der Gemeindebrief auch noch kopiert wird, dann ist niemand zu erkennen. Dieses Bild ist nutzlos. Der Eiffelturm im Hintergrund muss wahrlich nicht auch noch auf dem Bild sein. Erzeugen Sie Interesse, indem Sie einen Ausschnitt (Brustbild mit Köpfen) wählen, und ziehen Sie das Bild über die gesamte Seitenbreite (Streifenformat etwa 1:4). Unsere normale Sehgewohnheit beträgt etwa ein Verhältnis von 2:3 (Fotografie, Bildschirm). Deshalb sollten Fotos in ähnlichen Proportionen im Gemeindebrief verwendet werden. Interessant sind folgende Seitenverhältnisse: Quadrat (1:1), Rechteck (2:3), Doppelquadrat (2:4), Streifenformat (1:4).

  Optische Gewichtung: Der Grauwert eines Bildes ist größer als der eines Textes. Dadurch wirken Fotos kräftiger und gewichtiger. Ein großes Bild oben drückt den Text nach unten.

  Bei der Gestaltung einer Seite ist immer die gegenüberliegende Seite mit einzubeziehen. Bilder von gleicher Größe (und gleichem inhaltlichen Bezug) können in Reihe gestellt werden. Ansonsten gilt: eine lockere Verteilung über die beiden Seiten mit jeweils unterschiedlichen Proportionen.

  Der Weißraum um die Bilder sollte genauso groß sein wie der Abstand zwischen den Spalten.

  Bilder müssen nicht immer gerade eingestellt werden. Eine kleine Neigung (10 bis 20 Grad im Gegenuhrzeigersinn) stellt das Bild noch mehr in den Vordergrund. Allerdings sollte bei geneigten Bildern der Weißraum sehr großzügig bemessen werden - und bitte nicht ständig verwenden. Eine andere Gestaltungsvariante ist die Verwendung von runden Bildern - aber bitte keine »Eier« erzeugen. Wer ein geeignetes Bildbearbeitungsprogramm besitzt, hat noch mehr Möglichkeiten zur Gestaltung. Ein paar Anregungen:

Ein Beispiel für eine gute Bildplatzierung

   ...und eine weitere gute Lösung

  Objekte freistellen, Papierrisskanten erzeugen, Pinselstriche als Rahmen oder fotorealistische Rahmen, Ränder absoften, Bildcollagen.

  Schärfe und Auflösung: Nichts ärgert mehr als ein verschwommenes Bild. Aus leidvollen Erfahrungen kenne ich die Problematik von den liebevoll aufgenommenen dunklen und unscharfen Kleinbilderzeugnissen.

  Manchmal ist es besser, auf ein Bild zu verzichten. Schnappschüsse sind selten für Veröffentlichungen geeignet. Bei Menschen- und Tieraufnahmen ist es wichtig, dass der Kopfbereich scharf ist, besonders die Augen, denn die fesseln unseren Blick. Digitalkameras sollten so eingestellt werden, dass sie bei Schärfe auslösen. Als Auflösung sollte fine/high verwendet werden. Diese Bilder können nicht ohne Bearbeitung in den Gemeindebrief gesetzt werden.

  Grauwerte: Aus dem RGB-Bild wird ein Graustufenbild, die Bildgröße von 40 bis 60 Zentimetern bei einer Auflösung von 72 dpi wird verändert in die Originalgröße von etwa 10 bis 15 Zentimetern bei einer gleichzeitigen Auflösungsveränderung auf 300 dpi. Das veränderte und bearbeitete Bild wird anschließend im Format (.tif) abgespeichert. Dann ist es für den professionellen Druck verwendbar. Für das Scannen von Bildern gelten die gleichen Werte.

  Bilder sollten einen Begleittext haben: Nicht was die Aufnahme zeigt, sondern die Hintergründe, wodurch sie entstanden ist. Der Leser bekommt einen Einblick in das Geschehen, wird »mit hineingenommen«. Bei Personenfotografien fragen Sie bitte um Erlaubnis zur Veröffentlichung im Gemeindebrief. Bei unseren Gemeindeveranstaltungen gibt es damit in der Regel keine Probleme.

  Bildautor: Zu guter Letzt sollte auch der Fotograf namentlich erwähnt werden.

Herbert Kirchmeyer

Nr. 5 - Mai 2002



Gemeindebrief-Werkstatt
   Der stille Riese - der Gemeindebrief, das unterschätzte Medium (Nr. 1/02)
   Die Redaktion: Lernort für ehrenamtliches Engagement (Nr. 1/02)
   Leserorientierung ist oberstes Gebot: Erst Zielgruppe und Publikationszweck klären (Nr. 2/02)
   Inhalte: Immer die Gemeinde im Blick (Nr. 2/02)
   Konzeption und Gliederung: Form follows function (Nr. 3/02)
   Kontakt mit dem Leser: Wie werden Publikationen der Kirche wahrgenommen? (Nr. 3/02)
   Layout: Erscheinungsbild zwischen Chaos und Ordnung (Nr. 4/02)
   Layout: Weg mit den Bleiwüsten - Bilder beleben den Kirchenboten (Nr. 5/02)
   Layout am PC: InDesign und Quark XPress - Das richtige Programm finden (Nr. 6/02)
   Schreibwerkstatt: Gute Schreibe lässt sich lernen - Zum Lesen verführen (Nr. 7/02)
   Redigieren: An Überschriften, Vorspännen und Texten feilen, bis man sie versteht (Nr. 8/02)
   Redaktionsmanagement heißt zunächt einmal viele Mitarbeiter gewinnen: Ein Hoch dem Team! (Nr. 9/02)
   Journalistische Formen: Bericht, Reportage oder Glosse? Welche journalistische Darstellungsform ist wo angemessen? (Nr. 10/02)
   Presserecht: Was man bei Bildern alles falsch machen kann (Nr. 11/02)
   Kreativ sein - auch beim Geldsparen: Druckerei auswählen, Anzeigen akquirieren und andere Fragen der Finanzierung (Nr. 12/02)
   Vom Gedruckten ins Internet und Einfacher Internetauftritt: Vernetzte Kirche bietet Musterseiten für Gemeinden (Nr. 1/03)
   PDF und XML sollten Gemeindebriefmacher kennen und Öffentlichkeitsmanagement: Ein Schaukasten ist kein schwarzes Brett (Nr. 2/03)
   Wie ein Heft entsteht: Ein gutes Redaktionsmanagement ist unabdingbar (Nr. 3/03)
   Nicht das Schaufenster abdekorieren: Am Gemeindebrief zu sparen hätte fatale Folgen
(Nr. 4/03 - Ende)




Kirchliche Mitarbeiter-Vertreter im Landeskirchenamt
Den "dritten Weg" beibehalten

» mehr...


In größeren Einrichtungen werden bis 30. Juni Gleichstellungsbeauftragte bestellt
Von der Leitung bestellt, aber weisungsfrei

» mehr...




Weil vor der Wahl "Familie" propagiert wird:
Galgenfrist für Mütterkuren

» mehr...




Das Stichwort
Gleichstellungsbeauftragte

» mehr...




Aktiven-Info: Fortbildungsveranstaltungen für Haupt- und Ehrenamtliche - quer durch Bayern

» mehr...






© Sonntagsblatt 2002