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Gemeindebrief-Werkstatt: Layout

Erscheinungsbild zwischen Chaos und Ordnung

Der Gemeindebrief ist ein stiller, weithin unterschätzter Medien-Riese mit - bayernweit gesehen - Millionenauflage, der zweierlei Chancen eröffnet: weitestreichendes Forum des Protestantismus, Chance zur kreativen Mitarbeit insbesondere für Ehrenamtliche in der Kirche. Er ist damit der Lernort für ehrenamtliches Engagement schlechthin. Das ist der Ansatz unserer Gemeindebrief-Werkstatt, die den Gemeindebrief-Machern konzeptionelle Überlegungen genauso wie praktische Tipps in die Hand geben möchte.

Form follows function. Unter diesem Motto hatten wir in unserer letzten Gemeindebrief-Werkstatt erst einmal den Publikationszweck geklärt und danach die Frage nach der Konzeption, der inhaltlichen Gliederung eines Gemeindebriefs gestellt. Dieser Logik folgend geht es diesmal ums Layout.

Haben Sie auch schon einmal im überfüllten Zeitschriftenregal nach einem Magazin gegriffen, weil Sie das »Äußere« »ansprach«? Beim Durchblättern stellen Sie dann fest, dass das gesamte Erscheinungsbild irgendwie harmonisch zueinander passt. Ergebnis eines guten, eines handwerklich gelungenen Layouts.

Das Layout, der grafische Entwurf des Druckbildes eines Gemeindebriefs, braucht Festlegungen, um ein gutes Erscheinungsbild zu gewährleisten. Dabei handelt es sich um das Zusammenspiel zwischen den Gestaltungselementen Text, Bild und Grafik.


  Das Editorial: Rubrik-Titel, Überschrift, mit Foto des Autors, originelle Spaltenbreiten, tabellarisches Inhaltsverzeichnis. Layout heißt: Ordnung zu schaffen für die Wahrnehmung des Lesers.

Vorweg dies: Es gibt nicht das einzig wahre, allgemein gültige Layout. Es gibt allerdings ein paar wenige Punkte, die jeder Gemeindebriefredakteur beachten sollte.

  Ein Satzspiegel, der genügend Randflächen lässt

  Eine deutliche Begrenzung der Schriftfamilien

  Gestaltungselemente wie Bilder und Grafiken

  Keine permanente Neuerfindung des Layouts

Wie komme ich zu meinem Layout?

Hilfreich ist die Scribbletechnik. Eine Ideenskizze in Form einer Rohzeichnung dient als Grundlage für die verschiedenen Seiten des Gemeindebriefs.

Das Layout hebt durch bewusste Gestaltung der Seite die Wichtigkeit des Inhalts hervor. Der Themenartikel setzt andere Schwerpunkte als die Kurznachrichten aus der Gemeinde. Ein Veranstaltungskalender wird anders gestaltet als die Jugendseiten. Der Gottesdienstanzeiger setzt wiederum andere Schwerpunkte als das geistliche Wort oder die Kurzandacht. Die Titelseite und die letzte Seite werden ebenfalls anders aussehen.

Hat sich die Redaktion auf ein Gesamtkonzept geeinigt, kommt die Phase der Umsetzung. Hier gilt die Regel: Im Laufe des ersten Gemeindebriefjahres mit dem neuen Layout darf und wird es Korrekturen am Erscheinungsbild geben. Die Leser können dabei auf die Veränderungen aufmerksam gemacht werden, vielleicht bekommen Sie dabei noch weitere gute Anregungen und auch einmal ein Lob für Ihre Mühe.

Der Satzspiegel


  Ein Scribble ist eine gezeichnete Idee einer Seite: So viele Spalten hat sie, da steht meine Überschrift, da will ich die Bilder platzieren, da den Zwischentitel. Und nicht vergessen: Zwischendrin viel "Luft"

Das ist der festgelegte Bereich auf der Druckseite, in dem alle Texte, Bilder und grafischen Elemente liegen müssen. In vielen Gemeindebriefen gilt die Devise: Papier ist kostbar und es muss bis zur maximalen Nutzbarkeit bedruckt sein. Stimmt nicht. Weißraum ist gefragt. Das ist der Bereich, der nicht bedruckt ist. Ein großzügiger Rand und leere weiße Bereiche sind nicht verschenkter Druckplatz, sondern leserfreundlich.

Im Satzspiegel legen Sie auch fest, ob Sie ein-, zwei-, oder dreispaltig drucken. Kurze Zeilen mit einem Zeilenabstand von etwa 130 Prozent sind gut und leicht zu lesen. Unser Interesse ist, den Betrachter eines Gemeindebriefs zum Lesen einzuladen. Wir als Gestalter müssen den Leser führen und animieren, weiter bei unserem Produkt Gemeindebrief zu verweilen. Dazu dient die Einteilung der Texte in Überschriften, Zwischenüberschriften, Blöcken, Marginalien (Hervorhebungen und Bemerkungen, die neben dem Satzspiegel stehen) und Bildunterunterschriften.

Oh, dass ich tausend Schriften hätte...

...und mich bewusst von ihnen trennen könnte. Es mag schrill und modern scheinen, viele unterschiedliche Schriften auf jeder Seite auszuprobieren, aber es ist nicht leserfreundlich und zeigt ein gewisses Desinteresse an Gestaltung. Eine Schriftenfamilie, zum Beispiel die Rotis, ist ausreichend. Für Hervorhebungen und für besondere Rubriken kann eine zweite und auch dritte Schriftenfamilie verwendet werden. Passen sie zueinander oder stören sie sich gegenseitig?


  Gute Bilderseite: Ein großes Bild setzt den Schwerpunkt, viele kleine Bilder, ordentlich gereiht statt beliebig gestreut, bilden so etwas wie eine visuelle Informationsleiste. Der Text: Links Flattersatz, rechts Blocksatz. Die Überschrift keck ins Bild gesetzt.

Blocksatz oder Flattersatz?

Dies ist eine Frage der Ästhetik. Oder auch eine pragmatische Entscheidung:

Wenn man nicht über eine professionelle Layout-Software verfügt, die einen ausgeglichenen Blocksatz erstellen kann, ist Flattersatz vorzuziehen. Ansonsten entstehen hässliche kleine Lücken zwischen den Worten und lassen das Gesamtwerk »fleckig« erscheinen.

Eine Mischung im Gesamtkonzept des Gemeindebriefs ist durchaus erwägenswert. Längere Berichte können je nach Gewichtung des Textbeitrags durchaus im Blocksatz erstellt werden, wohingegen kurze Beiträge im linksbündigen Flattersatz besser zu Geltung kommen.

Bilder und Grafiken

Ein Bild spricht mehr als tausend Worte. Deshalb gehört auf jede Seite des Gemeindebriefs ein optischer Aufhänger. Eine passende Grafik oder ein Bild runden den Artikel ab und laden zum Verweilen ein. Bleiwüsten dagegen schrecken ab.

Die erste Faustregel für Bilder lautet: Groß sollen sie sein und der Inhalt erkennbar. Über Fotos werden wir in einer späteren Ausgabe einen eigenen Beitrag veröffentlichen. Es hat sich eingebürgert, für bestimmte Informationen festgelegte Vignetten zu verwenden. Gut so, aber es wirkt sich inflationär aus, wenn auf einer Seite plötzlich mehr als zehn Vignetten stehen. Hier gilt es, sie sparsam als markantes Zeichen einzusetzen.

Herbert Kirchmeyer

Nr. 4 - April 2002



Gemeindebrief-Werkstatt
   Der stille Riese - der Gemeindebrief, das unterschätzte Medium (Nr. 1/02)
   Die Redaktion: Lernort für ehrenamtliches Engagement (Nr. 1/02)
   Leserorientierung ist oberstes Gebot: Erst Zielgruppe und Publikationszweck klären (Nr. 2/02)
   Inhalte: Immer die Gemeinde im Blick (Nr. 2/02)
   Konzeption und Gliederung: Form follows function (Nr. 3/02)
   Kontakt mit dem Leser: Wie werden Publikationen der Kirche wahrgenommen? (Nr. 3/02)
   Layout: Erscheinungsbild zwischen Chaos und Ordnung (Nr. 4/02)
   Layout: Weg mit den Bleiwüsten - Bilder beleben den Kirchenboten (Nr. 5/02)
   Layout am PC: InDesign und Quark XPress - Das richtige Programm finden (Nr. 6/02)
   Schreibwerkstatt: Gute Schreibe lässt sich lernen - Zum Lesen verführen (Nr. 7/02)
   Redigieren: An Überschriften, Vorspännen und Texten feilen, bis man sie versteht (Nr. 8/02)
   Redaktionsmanagement heißt zunächt einmal viele Mitarbeiter gewinnen: Ein Hoch dem Team! (Nr. 9/02)
   Journalistische Formen: Bericht, Reportage oder Glosse? Welche journalistische Darstellungsform ist wo angemessen? (Nr. 10/02)
   Presserecht: Was man bei Bildern alles falsch machen kann (Nr. 11/02)
   Kreativ sein - auch beim Geldsparen: Druckerei auswählen, Anzeigen akquirieren und andere Fragen der Finanzierung (Nr. 12/02)
   Vom Gedruckten ins Internet und Einfacher Internetauftritt: Vernetzte Kirche bietet Musterseiten für Gemeinden (Nr. 1/03)
   PDF und XML sollten Gemeindebriefmacher kennen und Öffentlichkeitsmanagement: Ein Schaukasten ist kein schwarzes Brett (Nr. 2/03)
   Wie ein Heft entsteht: Ein gutes Redaktionsmanagement ist unabdingbar (Nr. 3/03)
   Nicht das Schaufenster abdekorieren: Am Gemeindebrief zu sparen hätte fatale Folgen
(Nr. 4/03 - Ende)




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