Erfahrungen eines Neulings im Kirchenvorstand
In die Pflicht genommen
Angefangen hat seine Mitarbeit in der Kirchengemeinde mit der Idee eines Jazzcafes. Knapp drei Jahre danach wurde Dennis Ballwieser in den Kirchenvorstand von Oberhaching gewählt. Ein Jahr lang hat der 21-jährige Medizinstudent nun Erfahrungen mit diesem gemeindeleitenden Gremium gesammelt.
Es war genau genommen nichts Neues, traf ihn also nicht unvorbereitet und war auch nicht mit übertriebenen Erwartungen verbunden: die Arbeit im Kirchenvorstand. »Meine Mutter war schon in der vergangenen Wahlperiode im Kirchenvorstand«, erläutert Dennis Ballwieser. Als Mitarbeiter in der Evangelischen Jugend und Mitglied des Jugendausschusses gab es schon in der Vergangenheit die eine oder andere Begegnung mit der Arbeit des Vorstands der Kirchengemeinde. Große Erwartungen habe er deshalb nicht gehabt. Nicht viel bewegen zu können, sei die negative Erwartung gewesen. Andererseits sei er aber sicher gewesen, dass er als Gewählter seine Sicht der Dinge, seine Meinung einbringen könne. »In einem Kreis, der qua meines Amtes gezwungen war, mir zuzuhören«, so der 21-Jährige.
Begonnen hat seine Mitarbeit in der Gemeinde »Zum Guten Hirten« in Oberhaching vor etwa fünf Jahren mit einer Idee. Der heutige Medizinstudent wollte ein Jazzcafé für Jugendliche im Gemeindehaus einrichten, fand in Diakon Michael Krah einen Unterstützer und organisierte bald darauf diesen Jugendtreff mit. Die Mitarbeit weitete sich aus: Mitarbeit in der Dekanatsjugendkammer der Evangelischen Jugend in München, Geschäftsführender Ausschuss und Mitarbeit in der Gemeinde. Bis heute ist die Jugendarbeit das Schwerpunktthema geblieben, auch wenn Ballwieser nebenbei noch den Gemeindebrief layoutet.
Die Arbeit im Kirchenvorstand sei positiver als erwartet. »Der Außenblick eines etwas verärgerten Jugendlichen ist nicht gleich der Innenansicht des nun in die Pflicht genommenen Kirchenvorstandsmitgliedes«, erklärt Ballwieser seine geänderte Sicht auf die Arbeit des Kirchenvorstandes. Möglich seien konstruktive Zusammenarbeit wie auch konstruktiver Streit. Voraussetzung für alle Vorstandsarbeit sei aber ein langer Atem und Beharrlichkeit. Zu oft würden Themen »x-mal durchgesprochen« und gefasste Beschlüsse »beim nächsten Mal wieder umgeschmissen«. Das würde er gerne ändern. Als jüngstes Mitglied im Kirchenvorstand sieht er zwei Arten von Mitarbeitern in dem Gremium. Einerseits diejenigen, die diese ehrenamtliche Arbeit neben ihrem Beruf oder ihrer Ausbildung machen und deshalb an »schneller, konstruktiver Arbeit interessiert« sind. Andererseits jene, die sich an langen Diskussionen und stundenlangem Beisammensein nicht stören, weil der Kirchenvorstand für sie ein Treffpunkt ist. Aber auch dieses Nebeneinander gehöre »offensichtlich einfach zum Kirchenvorstand dazu«.
Ob er noch einmal kandidieren würde, weiß Dennis Andre Ballwieser heute noch nicht. Weil das Ende der Wahlperiode mit dem Ende des Medizinstudium zusammenfällt und dann der Übertritt ins Berufsleben ansteht. Es sei daher eher unwahrscheinlich. »Das sind aber praktische Hindernisse«, schwächt er ab. »Man müsste mir die Frage bitte in fünf Jahren noch einmal stellen.«
Helge Neuschwander-Lutz