Gemeindebrief-Werkstatt: Konzeption und Gliederung
Form follows function
Der Gemeindebrief ist ein stiller, weithin unterschätzter Medien-Riese mit - bayernweit gesehen - Millionenauflage, der zweierlei Chancen eröffnet: weitest reichendes Forum des Protestantismus, Chance zur kreativen Mitarbeit insbesondere für Ehrenamtliche in der Kirche. Er ist damit der Lernort für ehrenamtliches Engagement schlechthin. Das ist der Ansatz unserer Gemeindebrief-Werkstatt, die den Gemeindebrief-Machern konzeptionelle Überlegungen genauso wie praktische Tipps in die Hand geben möchte.
Für wen? Wozu? Wenn wir Zweck und Zielgruppe unserer Publikation geklärt haben, stellt sich uns sofort die Frage nach der Konzeption, der Gliederung, der Gestaltung unseres Gemeindebriefes: Form follows function.
Ein solches Blatt, das nur gelegentlich erscheint, auf einen tendenziell eher uninformierten Leser trifft und ihn für sein Anliegen einfangen will, bedarf einer übersichtlichen Gliederung, einer nachvollziehbaren Rubrizierung, der lese-freundlichen Ordnung.
Aus dieser Leser-Optik lässt sich ein inhaltliches Schema des Gemeindebriefs entwickeln:
Der Leser/die Leserin wird erst einmal ganz grundsätzlich eingenommen und eingefangen (Seite 1).
Er/sie wird neugierig gemacht und animiert zum durchblättern (Editorial/Inhaltsverzeichnis).
Er/sie soll voller Spannung durch ein buntes abwechslungsreiches Heft blättern, in dem er/sie auf Themen und Berichte stößt, die ihn/sie interessieren, die ihn/sie, neudeutsch ausgedrückt, »in seiner/ihrer Lebenssituation abholen« (Informationsteil).
Er/sie soll sich an einzelnen Stellen festlesen (Themen-Schwerpunkt).
vielleicht sogar ins Nachdenken, Sinnieren kommen (theologisch-erbaulicher Teil).
Er/sie soll schließlich auch einen praktischen Nutzen aus dem Blatt ziehen, Nachrichten erfahren, die man »erfahren muss«, um in Gemeinde und Kommune Bescheid zu wissen, bestimmte Teile des Gemeindebriefs vielleicht sogar herausnehmen (Veranstaltungskalender, Gottesdienstanzeiger, Service).
Aus diesen grundsätzlichen Überlegungen und Erkenntnissen heraus legen Sie als Gemeindebrief-Macher die Konzeption Ihres Blattes fest. Entscheiden Sie sich, ob Ihr Gemeindebrief eher »Spiegelbild der Gemeinde« oder mehr »Erbauung« sein will, stärker ein »Themenheft« oder - weil Ihr Gemeindetyp danach verlangt - viel mehr ein boulevardartiges allgemeines Informationsblatt mit ä- auch - kirchlichen Bezügen! Diskutieren Sie in Ihrem Team oder mit Ihrem Herausgeber, dem Kirchenvorstand, darüber. Setzen Sie sich jedenfalls bewusst mit dieser Frage auseinander.
Es sind keine »Idealtypen«, die Sie in der Praxis produzieren. Es sind im Regelfall Mischformen: Ein erbauliches Blatt enthält auch ein Gemeinde-Stenogramm; ein Themenheft ist immer auch »erbaulich«.
Lutz Taubert
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