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Rollenspiel

Endlich auf Augenhöhe?

Ob sie nun wirklich passiert oder erfunden ist, spielt eigentlich keine Rolle. Die folgende Geschichte nimmt das Rollenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen aufs Korn. An einem Beispiel, vielleicht einem typischen, und mit dem Anspruch, den Beteiligten einen Spiegel vorzuhalten - wer immer sich als beteiligt verstehen möchte.

Rollenspiel

  Rollenspielchen auf Augenhöhe? Die Autorin versucht sich im spaßhaften Armdrücken, in diesem Fall mit dem Pfarrervereinvorsitzenden Klaus Weber

Foto: Fechter

Die Gemeinde hat einen neuen Pfarrer. Als altgedienter Kämpe hat er sechs Wochen nach Amtsantritt mit dem Kirchenvorstand und weiteren Ehrenamtlichen aus der Gemeinde ein Wochenende angesetzt - auf dem Land, um sich kennen zu lernen und um zu planen.

Für den Sonntagmorgen ist ein Werkstattgottesdienst vorgesehen, den alle gemeinsam gestalten sollen. Die Ehrenamtlichen sind dafür durchaus hoch qualifiziert: ein Praktikant, ein Lektor, drei Mitarbeiterinnen aus dem Kindergottesdienstteam, eine ausgebildete Kirchenmusikerin.

Ihre Bedenken, die Vorbereitungszeit für den Gottesdienst sei zu kurz, werden rasch zerstreut. Nach der Einteilung in vier Arbeitsgruppen für die Predigt, die Liturgie, die Musik sowie die Raumgestaltung und Abendmahlvorbereitung wird gemeinsam ein Gerüst für den Gottesdienst entworfen. Sehr schnell merken die Ehrenamtlichen, dass der neue Pfarrer sein Handwerk versteht. Mit leichter Hand wirft er die Eckpunkte auf ein Plakat: Predigt, Abendmahl, Fürbittengebet. Die Ehrenamtlichen bringen ihre Vorschläge wie ein Eingangsgebet und ein Psalmwort ein. Lieder sollen natürlich auch gesungen werden.

Der Pfarrer hat natürlich den Predigttext schon ausgesucht, auch Begleitmaterial und Gestaltungsideen für die Gruppe hat er mitgebracht. Passend zur Predigt hat er einen Psalm ausgesucht, das Fürbittengebet ist von ihm in besonderer Art gedacht - dafür hat er umsichtig eine Schale mit Erde mitgebracht, ach ja, und die Weizenkörner natürlich. Die staunende Liturgiegruppe bekommt weitere Versatzstücke geliefert, so dass sie mühelos in der kurzen Vorbereitungszeit festlegen kann, wer welchen Text lesen darf.

Die Lieder sollen selbstverständlich zu all dem passen. Auch da hat der Pfarrer vorgesorgt und weiß genau, welches Lied an welcher Stelle im Gottesdienst zu singen ist. Sogar die Gesangbuchnummern hat er parat. Der schüchterne Einwand der Musikgruppe, sie wolle vielleicht wenigstens ein Lied selbst aussuchen, irritiert ihn nur kurz. Auch die Gruppe für die Raumgestaltung muss sich keine Sorgen machen. Fürsorglich hat der neue Pfarrer einen Primeltopf mitgebracht, schließlich sei Winter und das Blumenpflücken auf der Wiese nicht besonders ergiebig. Sie dürfen aber in der Küche um einige Scheiben Brot bitten, schön kleingeschnitten und in geeigneten Körbchen.

Der Gottesdienst läuft auch ohne große Pannen. Die Liturgieleute lesen ihre Texte fehlerlos, die leise Unsicherheit der Predigtleute beim ungewohnten Rollenspiel fällt kaum auf. Auch die Musikgruppe steckt tapfer weg, dass die Lieder für die vorhandenen Instrumente wenig geeignet und ansonsten den meisten Anwesenden unbekannt sind, so dass der Gesang etwas dünn ausfällt. Zum Trost dürfen ja alle ihre Weizenkörner in der Erde versenken, verbunden mit guten Gedanken und Wünschen. Ein schöner Gottesdienst - und so spontan.

Christine von Falkenhausen

Nr. 1 - Januar 2002



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