Werkstatt Teamwork (8): (Berufs-)Wechselfälle des Lebens verarbeiten
Damit der Neubeginn gelingt!
Überall im Arbeitsleben - auch im kirchlichen - ist erfolgreiche Zusammenarbeit gefragt. Wie aber gelingt sie? Dazu will die Werkstattserie »Teamwork« Hilfestellung und Information liefern. Heute geht es um das Anfangen und Aufhören in haupt- oder nebenamtlicher Tätigkeit.
Wer an einer neuen Stelle anfängt oder eine Mitarbeit beendet, hat oft vielerlei Hürden zu überwinden. Zwei Beispiele:
Eine junge Pfarrerin erfährt in ihrer neuen Gemeinde für sie unverständliche Ablehnung. Sie bekommt über ihren Vorgänger viel Lobenswertes und viel Kritisches erzählt. Sie wird mit ihm verglichen, was unterschiedliche Folgen hat: Einige Kirchenvorsteher fangen an, sie zu »bemuttern«, weil sie nicht so viel Erfahrung hat wie ihr Vorgänger.
Jugendliche verhalten sich ihr gegenüber lustlos und bockig. Sie sind vom Vorgänger enttäuscht, weil er sie »allein gelassen« hat mit ihren Problemen. Auf ihre Predigten erhält die Pfarrerin wenig Echo. Sie hat den Eindruck, als schwebe überall in der Gemeinde noch der Geist ihres Vorgängers.
Wenn Gefühle (Ärger, Schmerz, Erleichterung, Freude usw.) bei einem Abschied nicht gezeigt werden oder nicht gezeigt werden können, bleiben diese Gefühle zurück. Ohne Absicht kommen so auch alte Konflikte wieder hoch.
Ein Kirchenvorstand möchte mit Haupt- und Ehrenamtlichen die Gemeindearbeit neu planen. Es werden neue Aufgaben genannt: Der Kindergarten muss renoviert werden, ein Besuchsdienst wäre nötig und auch die Jugendarbeit braucht neuen Schwung. Die Dringlichkeit wird nicht bestritten, aber niemand hat Zeit und Kräfte frei, weil alle schon eingespannt sind. Eigentlich müssten die Prioritäten neu festgelegt und alte Aufgaben beendet werden. Doch dazu ist niemand bereit.
Gemeindliche Aktivitäten haben selten einen bestimmbaren Anfang und noch seltener finden sie einen deutlichen Abschluss. Sie versickern meist irgendwann. Ende heißt immer Abschied. Und der kostet etwas.
Stellenwechsel als Krise: Ein Stellenwechsel kann für alle Betroffenen als Krise mit Langzeitfolgen erlebt werden:
Die berufliche Identität kann erschüttert werden, der Lebensentwurf muss neu geschrieben werden.
Ein Stellenwechsel birgt für Mitarbeitende und Arbeitgeber die Chance eines Wandels: Erwartungen an zukünftige Stelleninhaber können geändert werden. Ebenso Übereinkünfte, Gestaltung von Arbeitsteilung usw.
Es gibt andererseits auch eine Angst vor dem Verlust des Bewährten. In der Zeit der Veränderung gibt es daher auch Abwehr.
Wechsel in drei Etappen: Ein Stellenwechsel kann insgesamt in drei Etappen unterschieden werden: Abschied, Übergang und Neubeginn.
Der Abschied beginnt für den Stellenwechsler mit der Entscheidung. Für die Mitarbeitenden, Kollegen und anderen Betroffenen beginnt sie mit der Ankündigung des Wechsels. Oft wird die Zeit des Abschieds als zu kurz empfunden.
Ist die Übergangszeit bis zum Beginn eines neuen Mitarbeiters kurz, sind die Erfahrungen mit dem Vorgänger noch nicht abgelegt. Die Neue wird dann am Bild des Vorgängers gemessen.
Ist dagegen die Übergangszeit lang, entwickelt die Arbeitsumgebung eine Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit, die von der neuen Stelleninhaberin beachtet werden muss.
Der Neubeginn gelingt für alle Beteiligten am besten, wenn der jeweilige Abschied von der vorherigen Situation gut gelungen ist. So werden Kräfte für neue Aufgaben frei. Der Vorschuss von Kirchengemeinden an neue Mitarbeiter ist erfahrungsgemäß nach etwa einem Jahr aufgebraucht. Die Anfangszeit ist also die beste Zeit, um neue Dinge auszuprobieren.
Albrecht Winter
Quellennachweis: Die Informationen und Skizzen sind dem Ordner »Rückenwind« entnommen, der sich besonders mit Teamwork im Kirchenvorstand beschäftigt. Er ist zu beziehen beim Amt für Gemeindedienst, Postfach 440465, 90209 Nürnberg, Telefon (0911) 4316260.