Die Mitarbeitenden-Jahresgespräch und Fortbildung
Lebenslanges Lernen gehört zum Beruf
Ab sofort ist ein neues Instrument der »Personalentwicklung« verpflichtend: Der Landeskirchenrat der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern hat beschlossen, dass zum 1. Januar 2002 für alle Pfarrerinnen und Pfarrer und ab 1. Juli 2002 für alle Mitarbeitenden die Mitarbeitenden-Jahresgespräche stattfinden sollen. In einigen Dekanaten sind sie schon eingeführt. Der Referent für Personalentwicklung, Fort- und Weiterbildung im Landeskirchenamt, Kirchenrat Erich Noventa, sieht dabei auf den Fortbildungsbereich eine Reihe neuer Herausforderungen zukommen. Wir fragten nach.
Herr Noventa, Sie haben kürzlich gesagt, dass durch die Mitarbeitenden-Jahresgespräche Bewegung in die Fortbildung kommt. Wieso das?
Noventa: Früher ging die Initiative für den Besuch von Fortbildungen in der Regel von der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter aus. Die Vorgesetzten wurden gefragt, ob sie einverstanden sind. Zum Teil ist das auch heute noch so. Fortbildung ist jetzt ein Thema beim Mitarbeitenden-Jahresgespräch. Gemeinsam wird besprochen und überlegt, welche Fort- oder Weiterbildung für das jeweilige Arbeitsfeld nötig ist.
Woran merken Sie das?
Noventa: Die Zahl der Anträge mit dem Hinweis, dass dieser Antrag ein Ergebnis des Mitarbeitenden-Jahresgesprächs ist, nimmt zu. Ich erhalte in letzter Zeit auch verstärkt Anrufe, in denen ich um Beratung gebeten werde.
Heißt das, dass sich die Mitarbeitenden unserer Kirche gezielter und mehr fortbilden als früher?
Noventa: Gezielt fortgebildet haben sich viele Mitarbeitende unserer Kirche schon früher. Was durch das Mitarbeitenden-Jahresgespräch dazu kommt, ist die Absprache mit der oder dem Vorgesetzten. Gemeinsam wird nun beraten, in welchem Bereich welche Fortbildung erforderlich ist. Eine Zunahme der Mitarbeitenden, die Fortbildungen besuchen, lässt sich momentan nur schwach erkennen.
Vorgesetzte können aber nicht das ganze Fortbildungsangebot durch und durch kennen. Gibt es da Hilfen und Unterstützung?
Noventa: Für einige Berufgruppen - wie beispielsweise die Jugendreferenten und -referentinnen oder die Religionspädagogen und -pädagoginnen - gibt es Beratung. Ein Ziel meiner Arbeit ist, so etwas wie ein Netz für Fortbildungsberatung aufzubauen. Ein erster Schritt auf dem Weg zu mehr Klarheit und Übersichtlichkeit im Fortbildungsangebot ist die Gliederung des Fortbildungsprospektes nach den Handlungsfeldern unserer Kirche. Eine andere sehr wichtige Möglichkeit, gezielt Fortbildungen zu finden, ist unser Fortbildungsangebot im Internet.
Die Internet-Adresse ist: www.bayern-evangelisch.de/fortbildung. Dort bieten wir die Möglichkeit, mit einer Vollwortsuche schnell die Angebote zu finden, die es für den jeweiligen Arbeitsbereich gibt.
Gibt es in bestimmten Arbeitsfeldern im Vergleich zu früher Veränderungen in Nachfrage oder Bedarf von Fortbildungsangeboten?
Noventa: Das kann ich nach zwei Jahren noch nicht eindeutig sagen. Ich erlebe jedoch, dass sich in bestimmten Bereichen zur Zeit sehr viel tut. Ein Beispiel dafür ist das Arbeitsfeld »Leitung«. Hier wird zur Zeit das Angebot deutlich verstärkt, da die Anforderungen an die Mitarbeitenden, die Leitungsaufgaben haben, gestiegen sind.
Mehr Teilzeitbeschäftigte
Ein ganz wichtiger Punkt im Bereich Fortbildung ist auch, dass es heute viel mehr Teilzeitbeschäftigte in unserer Kirche gibt als früher. Das wird auch Auswirkungen für die Art der Fortbildungsangebote haben. Die steigende Zahl der Teilzeitbeschäftigten war auch einer der Gründe, warum wir uns daran gemacht haben, die Fortbildungsrichtlinien zu überarbeiten.
Welche Hoffnung verbinden Sie mit dem Mitarbeitenden-Jahresgespräch?
Noventa: Ich hoffe, dass wir mit dem Mitarbeitenden-Jahresgespräch und anderen Aktivitäten deutlich machen können, dass Fortbildung und lebenslanges Lernen zum Berufsalltag gehören.
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