Die Sekretärin als Managerin im Pfarrbüro
Über steigende Arbeitsanforderungen und unzureichende Bezahlung klagen Sekretärinnen in Pfarrämtern der evangelischen bayerischen Landeskirche. Hilfe erhoffen sie sich von der in dieser Woche in Erlangen tagenden Landessynode, der ein ausführlich begründeter Antrag vorliegt. Er wurde vom Verein PS 2000 in Schweinfurt gestellt, der die Interessen dieser Berufsgruppe vertritt.
Sie verwalten Gemeindedaten am PC, führen nicht selten die so genannte Gabenkasse und sind erste Ansprechpartner bei Terminen für Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Für Neuzugänge am Ort fungieren sie ebenso als kirchliche Sozialarbeiter wie für Durchreisende in Not. Dazu kommt die Betreuung ehrenamtlicher Mitarbeiter. »Vorseelsorge« nennen das manche Theologen. »Sekretärinnen sind häufig die erste Kontaktstelle einer Gemeinde«, weiß die PS 2000-Vorsitzende Helene Luise Köppel (Schweinfurt). »Man kennt sie seit Jahren, vertraut ihnen und ruft sie mitunter auch noch am Abend zu Hause an, um dringende Probleme loszuwerden.«
Einer Studie des Vereins zufolge erledigen die meisten dieser kirchlichen Bürokräfte mehr als drei Viertel ihrer Tätigkeiten völlig selbstständig. Das anfallende Pensum hänge dabei mehr vom Arbeitsstil des Vorgesetzten als von der Zahl der Gemeindemitglieder ab. Zugenommen habe vor allem bei jungen Pfarrern und Pfarrerinnen die Auffassung, »Bürokram« ginge sie nichts an.
Veränderte Anforderungen und gestiegene Erwartungen ihrer Vorgesetzten führten dazu, dass immer mehr Sekretärinnen mit ihrer vereinbarten Wochenarbeitszeit nicht zurechtkämen, so PS 2000. »Dass ihnen nur so viele Aufgaben übertragen werden dürfen, wie während der vereinbarten Arbeitszeit zu schaffen sind, kümmert viele Pfarrer wenig«, so Köppel. In Urlaubs- oder Krankheitszeiten blieben die meisten Arbeiten liegen.
Ein besonderes Problem stellen für Sekretärinnen die pfarrerlosen Zeiten dar.
Von der Synode erwartet PS 2000, bei Neubesetzungen von Sekretärinnen-Stellen künftig auf Stundenkürzungen zu verzichten. Bei Vakanzen auf einer Pfarrstelle seien zwei zusätzliche bezahlte Wochenstunden für das Pfarrbüro vorzusehen. Die Arbeitsrechtliche Kommission der Kirche solle außerdem die alte Musterdienstanweisung von 1986 überarbeiten und für eine angemessene Vergütung sorgen. Gegenwärtig erhält beispielsweise eine 53-jährige Pfarramtssekretärin, seit 18 Jahren mit 18 Wochenstunden angestellt, je nach Familienstand zwischen 1000 und 1100 Mark netto.
Gerhard Lenz