Werkstatt Teamwork (7): Die Zeit bewusster erleben
Sich den Lebensfragen stellen
Ob bei der Organisation eines Kleidungsbasars, im Kirchenvorstand oder bei der Vorbereitung eines Jugendgottesdiensts: Überall ist erfolgreiche Zusammenarbeit gefragt. Wie aber gelingt sie? Dazu will die mehrteilige Werkstattserie "Teamwork" Hilfestellung und Information liefern. Heute geht es um das Phänomen, dass niemand mehr Zeit zu haben scheint, und die Frage, was man dagegen tun kann.
Wer in Kirche oder Diakonie ein Ehrenamt übernimmt, der wird es so schnell nicht wieder los. Diese weit verbreitete Äußerung sagt zweierlei aus: Erstens ist es schwer, Engagierte zu finden, weil niemand mehr Zeit zu haben scheint. Zweitens wollen sich Menschen heute nicht mehr dauerhaft an eine Aufgabe binden. Man will immer mehr über die eigene Zeit verfügen können. Aber woher kommt es, dass heute niemand mehr Zeit hat?
Durch Computer, Internet und Fernsehen hat sich der Informationsfluss beschleunigt. Produktionsprozesse, politische Entscheidungen und auch Abläufe in Kirche und Diakonie laufen schneller ab. Auch im Privatleben ändert sich vieles: Wir können schneller reisen, können auf dem Land wohnen und in der Stadt arbeiten und ändern schneller unsere Lebensgewohnheiten.
Hinzu kommt, dass ein Teil unserer Zeit fremdbestimmt ist: durch Vorgesetzte, durch Kinder und andere Personen, für die wir verantwortlich sind durch systembestimmte Zeit: durch die Wahl meines Wohnumfeldes, Wahl meines Berufes und Wahl meiner Lebensumstände. Zeit lässt sich ja bekanntlich nicht vermehren, auch wenn bisweilen moderne Konzepte wie "Zeitmanagement" uns das suggerieren. Zeit für mich kann ich nur gewinnen, wenn ich mich entscheidenden Lebensfragen stelle:
- Was soll in meinem Leben gelten? Wie will ich mein Leben in seinen verschiedenen Bereichen gestalten? Wer oder was ist es wert, an meiner Zeit teilzuhaben? Wer bereit ist, diese Fragen zu beantworten, für den ergeben auch technische Verfahren wie Zeitmanagement oder das Arbeiten nach dem persönlichen Tagesrhythmus einen Sinn.
Bekanntlich entscheidet auch die körperliche Verfassung mit darüber, wie leicht mir eine Arbeit von der Hand geht. Entscheidend ist dabei auch, den individuellen Tagesrhythmus zu beachten. Die meisten Menschen erledigen die anspruchsvollen Arbeiten am besten vormittags und nachmittags. Morgens, in der Mittagszeit oder am späten Nachmittag können Dinge wie Telefonate oder Routinebesprechungen absolviert werden. Finden Sie Ihren eigenen Rhythmus heraus und planen Sie entsprechend Ihren Tag!
Albrecht Winter
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Zeit sinnvoll nutzen
Verausgabte und gewonnene Lebensenergie
Folgende Übung kann in Arbeitsgruppen eingesetzt werden, um zu erkennen, in welchem Verhältnis der einzelne Aufwand und Ertrag stehen. Dauer ca. 90 Minuten.
Ein Moderator beschreibt der Gruppe, wie die verschiedenen Bereiche des Lebens - Beruf, Familie und Beziehungen, Ehrenämter und eigene private Zeit - Energie kosten (auch Schönes verschlingt Energie) und Energie spenden (auch Anstrengendes kann Energie freisetzen).
Auf einer Wandzeitung werden durch Zuruf aus der ganzen Gruppe Kosten auf die linke Spalte notiert. Die Faktoren sollen möglichst konkret benannt werden, ohne dabei die Intimsphäre zu verletzen. Auf einem eigenen Zettel schreibt jeder die Faktoren auf, die ihn selbst betreffen. Dazu auch Punkte, die man nicht öffentlich nennen will.
In die rechte Spalte werden nach Zuruf auf der Wandzeitung und auf dem eigenen Zettel Dinge eingetragen, die Energie spenden (wie bei den Kosten).
Die eigenen Notizen werden nun aufgeteilt in beruflichen Bereich, familiären Bereich, Ehrenamt und private Zeit.
Die Gruppenmitglieder betrachten ihre Bilanzen aus den vier Bereichen unter folgenden Fragen und besprechen sie in Kleingruppen: Wie ausgeglichen sind meine Bereiche? Lebt ein Bereich auf Kosten eines anderen? Stimmt meine Zeit- und Lebensplanung?
Ergebnisse können wieder ins Plenum gebracht werden. Viel Spaß beim Ausprobieren!
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