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Warum ich in der Kirche mitarbeite (12): Ilse Stiller, 82 Jahre

"Ich kann ja nicht zu Hause vor mich hingammeln!"


 Ilse Stiller
Foto: Themessl

Als Ilse Stiller jung war, ist sie noch "umerzogen" worden: Die Linkshänderin musste lernen, mit rechts zu schreiben. Sie wuchs im Riesengebirge auf, doch ihre behütete Kindheit samt der zwei Villen liegt jetzt in Polen. Ihr Mann fiel als Offizier im Krieg. Mit ihrer Mutter und der eineinhalbjährigen Tochter flüchtete sie aus Niederschlesien und landete zunächst in Lam.

Da war Ilse Stiller immer noch jung, und "es war zu unserer Zeit üblich zu heiraten und dann mit dem Beruf aufzuhören. Man kann nicht Beruf, Mutter und Kind gleichzeitig machen, dann hinkt etwas hinterher", davon ist sie noch heute überzeugt.

Also machte die flüchtende junge Mutter "nur" einen religionspädagogischen Lehrgang und fing an, evangelischen Religionsunterricht zu erteilen: in Lam, Chamerau, Lohberg.

Kein Beruf, eher eine Berufung: "Mein Großvater war Pfarrer in Breslau, mein Onkel in Breeg. So habe ich die Kirche in meiner Familie mitbekommen, und das habe ich nie bereut." Die Kirche sollte sie auch später nicht loslassen:

Als ihre Tochter heiratete, folgte sie ihr nach Regensburg. In dieser Zeit ist sie Groß-und Urgroßmutter geworden und hilft seit 35 Jahren beim Diakonischen Werk, für Gottes Lohn. Sie war im Altenclub aktiv, als das Diakonische Werk noch am Ernst-Reuter-Platz war.

Sie hat die Anfänge des Gustav-Adolf-Wiener-Hauses erlebt und eine Bastelgruppe übernommen, um sie nach zwölf Jahren in jüngere Hände zu legen. Jetzt teilt sie sich zusammen mit vier anderen Frauen den "Tagesdienst" im Wiener-Haus. Sie kochen für die Nachmittagsgruppen Kaffee, richten Tische her, rechnen die Getränke ab, wenn die Tanz-, Sing-, Bastel- und Schachgruppen wieder gehen, und schmücken in der Adventszeit.

"Viele von uns sind doch zu Hause allein"

Viele von uns sind doch zu Hause allein", sagt Ilse Stiller. "Hier lernen wir Gleichgesinnte kennen, können auch andere überzeugen, dass man etwas einbringen kann. In der Gruppe reden wir auch unter uns. Wir haben das Gefühl, auch mal eigene Sorgen loszuwerden." Ihre ehrenamtliche Arbeit beschränkt sich inzwischen auf einmal in der Woche. In ihrer Freizeit trifft sie sich mit anderen Damen zum Canasta spielen: "Da muss man sich konzentrieren, aufpassen und kann nicht einfach vor sich hingammeln." Ein Teil ihrer Arbeit kommt ihr auch jetzt zu Gute. Über Jahre hinweg hat sie für Senioren Tagesfahrten geleitet und begleitet. Jetzt fährt sie als Teilnehmerin mit und lässt sich von anderen verwöhnen. Ihr Ehrenamt erledigt die ehemalige Linkshänderin auch heute noch mit links. Mit 82 Jahren.

Peter Themessl

Fachbeirat Ehrenamt

Seit 1998 gibt es den "Fachbeirat Ehrenamt". Im Auftrag des Landeskirchenrates und des Landessynodalausschusses arbeitet er daran, die Situation der Ehrenamtlichen zu verbessern. Er soll zum Beispiel die Zusammenarbeit von Haupt., Neben- und Ehrenamtlichen fördern, Anregungen für Fortbildungsangebote geben und die Kirchenleitung beraten. Die Mitglieder in der 2. Amtszeit ab 2001 - sie dauert wieder drei Jahre - sind:

Von Amts wegen
Ein Vertreter des Landeskirchenamtes: Albert Schweiger, Diakon und Kirchenrat
Ein Vertreter des Amtes für Gemeindedienst: Raimund Loebermann, Pfarrer, Nürnberg
Ein Vertreter des Diakonischen Werkes Bayern: Klaus Meyer, Pfarrer, Nürnberg

Hauptamtliche
Zwei Personen aus dem Bereich der Werke und Dienste und der Diakonie:
Stephanie d'Huc-Rudolph, Sozialpädagogin, Leiterin des Treffpunkts Ehrenamt der Inneren Mission, München
Elfriede Peil, Dipl.-Soziologin, Fortbildungsreferentin für Ehrenamtliche, Evangelisches Bildungswerk München

Zwei Personen aus dem Bereich der Kirchengemeinden
Hartmut Gehlert, Dekan, Rügheim
Christine Murner, Pfarrerin, Thiersheim


Ehrenamtliche
Fünf ehrenamtlich tätige Personen:
Heike Gröner, Deutscher Evangelischer Frauenbund, Schweinfurt
Marlies Kempe, Evangelische Jugendarbeit, Schwabach
Renate Reissinger, Ehrenamtliche im Seelsorgebereich, Stephanskirchen
Christa Oursin, Vertreterin der Frauengleichstellungsstelle, Ansbach
Hans Siegert, Präsidiumsmitglied im Kirchenvorstand, Kumhausen bei Landshut


Zwei ehrenamtlich tätige Personen als Vertretung der Landessynode
Christel Balser, Neu-Ulm
Christine von Falkenhausen, Oberhaching bei München

Elfriede Peil


Nr. 12 - November 2001




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