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Werkstatt Teamwork (6): Konflikte verstehen und regeln

Kampf oder Flucht

In allen Bereichen kirchlicher Arbeit ist erfolgreiche Zusammenarbeit gefragt. Wie aber kann sie gelingen? Dazu will die mehrteilige Werkstattserie "Teamwork" Hilfestellung und Information liefern. In der letzten Ausgabe wurde dargestellt, dass Konflikte auch einen Sinn haben können. Diesmal geht es um den Umgang mit Konflikten.

Sandra W. arbeitet mit drei Kollegen in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit geistiger Behinderung. Als sie nachmittags in die Wohngemeinschaft kommt, steht dreckiges Geschirr in der Küche. Ihr neuer Kollege vom Frühdienst hat nicht dafür gesorgt, dass die Bewohner alles aufräumen, bevor sie zur Arbeit gehen. Da dies wiederholt passiert ist, beschließt sie, ihren Kollegen darauf anzusprechen.

Konfliktmodell
Konflikte kommen in allen haupt- und ehrenamtlichen Arbeitsfeldern vor. Ob man Konflikte lösen kann und wie man das am besten macht, hängt vor allem davon ab, wieweit Konflikte eskaliert sind. Konfliktmodelle unterscheiden   dabei im Wesentlichen drei Stufen:
1. Verhärtung, Debatten, Taten
Ein Konflikt ist relativ still, allerdings braucht die Verständigung schon mehr Zeit. Mitunter sind die Beteiligten gereizt und das Klima frostig. Konkurrenz wird heftiger und Parteien können sich formieren. Gewinner-Gewinner-Konstellation: In Stufe 1 sind die Konfliktparteien der Auffassung, dass der Streit durch intensiven Austausch und gründliche Diskussion gelöst werden kann.

2. Koalitionen, Gesichtsverlust, Drohstrategien
Die Rigorosität der Konfliktaustragung ist spürbar, es gibt wechselseitige Provokationen. Das Klima wird giftig und auch für nicht direkt Beteiligte gefährlich. Der Konflikt tritt so stark in den Vordergrund, dass der Konfliktgegner kaum noch als Person wahrgenommen wird. Gewinner-Verlierer-Konstellation: In Stufe 2 rechnen die Konfliktparteien nicht mehr mit einer gütlichen Einigung. Sie setzen auf Machtgewinn auf Kosten der anderen Partei.

3. Vernichtungsschläge, Zersplitterung, gemeinsam in den Abgrund
Die Konfliktparteien konzentrieren ihre Kräfte, um der Gegenpartei einen Schaden zuzufügen. Die Eskalation kann soweit gehen, dass als einziger "Gewinn" bleibt, den Gegner mit in den Abgrund zu ziehen. Verlierer-Verlierer-Konstellation: Alle Realität verwindet im Loch der Krise. Die Parteien haben die Fähigkeiten verloren, andere Alternativen zu ihrem Konflikt zu denken. Konfliktlösungsressourcen sind verschüttet.

Konflikthandhabung
Wie man am besten einen Konflikt bearbeitet, hängt unter anderem von der Tiefe des Streits ab, das heißt, auf welcher Stufe der Eskalation er sich befindet.

Die meisten Konflikte befinden sich auf Stufe 1. Hier sind die Konfliktparteien bei gutem Willen oft selbst in der Lage, den Konflikt zu lösen. Wird eine beratende Person hinzugezogen, so wird diese als Moderatorin versuchen, die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren (Hilfe zur Selbsthilfe). Das Gespräch wird wieder in Gang gebracht und die Differenzen werden angesprochen. Oft wirkt schon die Offenlegung der Konfliktpunkte heilsam.

Besteht ein Konflikt auf Stufe 2, so ist eine intensive Prozessbegleitung durch eine fachlich geschulte Person notwendig. Hier muss stärker an den tieferen Motiven und Bedingungen des aktuellen Streitfalles gearbeitet werden. Zwischen den Konfliktparteien muss Vertrauen aufgebaut werden, die Konfliktparteien zunächst einzeln gestärkt werden.

Hat ein Konfliktfall die Stufe 3 erreicht, kann es meist nur noch um die Begrenzung von Schaden gehen. Eine Eingrenzung von Einflussgebieten, wechselseitige Duldung der Konfliktparteien oder schiedlich-friedliche Trennung können dann die eher bescheidenen Ziele einer Vermittlungsperson sein.

Albrecht Winter

Konflikte in der Gruppe

Übung mit einem Fragebogen

Wie wirkungsvoll Teams oder Arbeitsgruppen arbeiten, hängt vom Gruppenklima ab und davon, ob versteckte Konflikte ausgetragen werden. Eine Übung zum Gruppenklima kann helfen, sich langsam an nicht bearbeitete Konflikte heranzutasten.

Jedes Gruppenmitglied erhält einen Fragebogen mit 7 Fragen. Auf einer Skala von -3 bis +3 wird die Meinung angekreuzt. Es wird vorher geklärt, ob die gemeinsame Auswertung der einzelnen Fragebogen anonym oder offen erfolgen soll.

1. Offenheit
Gibt es Themen, die tabu sind?
2. Konformität
Können die Mitglieder unpopuläre Ansichten äußern?
3.Loyalität
Ziehen die Mitglieder an einem Strang?
4. Umgang mit Schwierigkeiten
Können sich die Mitglieder Meinungsverschiedenheiten mit den Vorgesetzten leisten?
5. Risikobereitschaft
Werden Gruppenmitglieder ermuntert, ihre Fähigkeiten auszuschöpfen?
6. Gemeinsame Wertvorstellungen
Gibt es gemeinsame Wertvorstellungen?
7. Motivation
Haben Mitglieder Interesse an der Vertiefung der gegenseitigen Beziehungen?

Viel Erfolg bei der Auswertung!

Nr. 11 - Oktober 2001



Werkstatt Teamwork
   1. Entwicklungsphasen im Leben einer Gruppe (4/01)
   2. Gruppenleitung lässt sich lernen (6/01)
   3. Von der Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen (7/01)
   4. Sitzungen effektiv gestalten (8/01)
   5. Konflikte verstehen und regeln (9/01)
   6. Kampf oder Flucht (10/01)
   7. Zeit: Sich den Lebensfragen stellen (11/01)
   8. Neubeginn: (Berufs-)Wechselfälle des Lebens verarbeiten (12/01)




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