Home


Werkstatt Teamwork (5): Konflikte verstehen und regeln

Ohne Streit keine Leistung

Ob bei der Organisation eines Kleidungsbasars, im Kirchenvorstand oder bei der Vorbereitung eines Jugendgottesdienstes: Überall ist erfolgreiche Zusammenarbeit gefragt. Wie aber gelingt sie? Dazu will die mehrteilige Werkstattserie "Teamwork" Hilfestellung und Information liefern. Der fünfte Teil beschäftigt sich mit dem Thema "Konflikte" und stellt eine Übung vor, wie zwei Gruppenmitglieder einen Konflikt untereinander regeln können.

Peter S. kannte von seiner letzten Arbeitsstelle, dass großer Wert auf Teamarbeit gelegt wurde. Nun kam er in eine Dienststelle, bei der jeder Mitarbeitende sein eigenes Sachgebiet betreute und somit eine Teamsitzung überflüssig erschien. Dennoch versuchte Peter S., die Kollegen für regelmäßige Teamsitzungen zu gewinnen, was ihm auch mit einigem Einsatz gelang. Doch nach einigen Sitzungen fehlten wichtige Kollegen, ohne vorher Bescheid gegeben zu haben. Peter S. wurde sauer. Er machte den anderen Vorwürfe, dass sie seine Bemühungen ignorierten. Ein Arbeitskollege beschwerte sich daraufhin über seine Vorhaltungen. Der Konflikt war da.

In den meisten Teams oder Gruppen gibt es solche Konfliktsituationen. Konflikte werden häufig nur als Störung gesehen, als Störung der Harmonie in einem Team. Seit den 70er Jahren hat sich aber zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass es in Gruppen und Organisationen einen Wechsel von Harmonie- und Konfliktphasen geben muss. Nur so kann in Gruppen und Organisationen eine produktive Entwicklung in Gang bleiben.

Viele Gruppen, auch kirchliche, tun sich bis heute mit Konflikten schwer. Dabei haben Konflikte eigentlich positive wie negative Wirkungen auf die Teamarbeit. Negative Wirkungen bedeuten für die Beteiligten Stress, Verhärtungen und vergeuden Kräfte. Konflikte wirken positiv, wo sie den Wandel fördern, die Selbstwahrnehmung und den Gruppenzusammenhalt erhöhen.

Ein "gesundes" Konfliktniveau in einer Organisation führt zur besten Leistung. Zu wenige Konflikte zeigen an, dass eine Organisation wenig leistet, sozusagen schläft. Bei zu vielen Konflikten sind die Mitglieder einer Organisation zu sehr mit sich beschäftigt, die Leistung der Organisation sinkt dann.

Leitende Personen in Organisationen sollten also die Austragung von Konflikten ermöglichen, ohne ihnen übermäßigen Raum einzuräumen. Für eine vernünftige Austragung von Konflikten kann es aber sinnvoll sein, einen professionell geschulten Berater hinzuzuziehen. Für gewöhnliche Konflikte kann sich die unten stehende Übung eignen.

Albrecht Winter

In der nächsten Ausgabe von "Kirche konkret & kontrovers": Die Handhabung von Konflikten.



Konfliktgespräch in acht Stufen

Diese Übung eignet sich für Konflikte, die zwei Personen miteinander klären wollen. Dabei kann es sinnvoll sein, eine neutrale Person (z.B. Moderator, Supervisor o.ä.) hinzuzuziehen. Die Übung geht wie folgt:


Anmeldung der Störung: Wen etwas stört, wer etwas befürchtet, der meldet sein Bedürfnis an. Die Person spricht dabei ohne Vorwürfe ihre Gefühle aus. Es kann in jeder Aussage immer nur um einen Punkt gehen. Die Person sagt, dass sie gerne mit der anderen darüber sprechen möchte.

Herausfinden der Hintergrundbedürfnisse: Zuerst redet nur die eine Person und die andere hört ihr aktiv zu. Dann ist es umgekehrt.

Umformulierung der Störung in Wünsche an die andere Person: Beide versuchen zu sagen, was sie eigentlich gerne möchten.

Sammeln von möglichen Lösungen: In einem Brainstorming werden Vorschläge gesammelt, ohne sie zu bewerten. Auch unsinnige und phantasievolle Vorschläge sind möglich. Die Vorschläge werden aufgeschrieben.

Prüfen der Vorschläge: Jetzt wird das Für und Wider erwogen, es werden die Vorschläge ausdiskutiert.

Einigung auf die beste Lösung: Es sollte eine sein, zu der beide Personen wirklich Ja sagen können, die also den Interessen beider Personen entspricht.

Ausarbeiten der Einzelheiten: Man trifft genaue Abmachungen, wie die Lösung umgesetzt werden kann.

Späteres Überprüfen: Es wird geprüft, ob sich die Lösung bewährt hat, sonst wird sie geändert.

Viel Glück beim Ausprobieren!

Nr. 10 - September 2001



Werkstatt Teamwork
   1. Entwicklungsphasen im Leben einer Gruppe (4/01)
   2. Gruppenleitung lässt sich lernen (6/01)
   3. Von der Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen (7/01)
   4. Sitzungen effektiv gestalten (8/01)
   5. Konflikte verstehen und regeln (9/01)
   6. Kampf oder Flucht (10/01)
   7. Zeit: Sich den Lebensfragen stellen (11/01)
   8. Neubeginn: (Berufs-)Wechselfälle des Lebens verarbeiten (12/01)




Drei Wochen für Körper, Geist und Seele

Die Zeiten sind härter geworden: Immer häufiger lehnen Krankenkassen ärztlich verschriebene Mütter-Kuren ab
 
» mehr...



Warum ich in der Kirche mitarbeite (10): Martin Rapke

Als Umweltbeauftragter und Mesner nimmt Martin Rapke die Kirchengemeinde Arnstorf/Simbach in die Öko-Pflicht.

» mehr...



Die bayerische Landeskirche organisiert sich in Handlungsfeldern
 
» mehr...



Eine Auswahl wichtiger Veranstaltungen und Termine für Mitarbeitende in der Kirche

» mehr...



Zwar lehnen sich kirchliche Regelungen im Arbeitsrecht an Bestimmungen für den öffentlichen Dienst an, aber das muss keineswegs so sein. Die Kirchen haben nämlich das Recht, ihre Angelegenheiten selbstständig zu regeln. So ist es im Grundgesetz (GG) verankert.
 
» mehr...





© Sonntagsblatt 2001