Home


Die Zeiten sind härter geworden: Immer häufiger lehnen Krankenkassen ärztlich verschriebene Mütter-Kuren ab

Drei Wochen für Körper, Geist und Seele


  Der gesundheitszustand von Müttern verschlechtert sich.

Foto: Poss

Belinda ist siebenundzwanzig Jahre jung. Sie sitzt im gleichen Zug wie ich nach Regen im Bayerischen Wald. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie auch zur Kur nach Weißenstein will: Sitzt da ganz locker mit ihrem Walkman und schaut sich interessiert die Leute und die Gegend an. Als wir vom Bahnhof abgeholt werden ist es klar: das gleiche Ziel wie ich. Beim ersten Gespräch mit ihr wird außerdem klar: Belinda ist nervös, plappert unentwegt, kann nicht stillsitzen, nicht zuhören, muss immer irgend etwas tun.

Sie hat drei kleine Kinder, sie sind sieben, fünf und drei Jahre alt. Nach und nach kann sie nicht nur Heiteres von ihnen erzählen. Sie ist völlig erschöpft und hat deswegen auch noch ein schlechtes Gewissen. "Aber sie sind doch so süß." Sich drei Wochen lang von ihnen zu lösen, fällt ihr wahnsinnig schwer. Gewiss, sie weiß sie in guten Händen. Eine Familienpflegerin wird von der Krankenkasse bezahlt, wenn mindestens ein Kind unter zwölf Jahren in der Familie ist.

Beratungs- und Vermittlungsstellen des Bayerischen Mütterdienstes

Bayreuth: (09 21) 5 96-103
Fürth: (09 11) 77 04 80
Nürnberg: (09 11) 28 43 06
München: (089) 59 98 93-20
Zentrale Auskunft: Bayerischer Mütterdienst der Evang.-Luth. Kirche, (09 11) 68 06-119.

Wie Belinda sind auch die anderen 34 Frauen im Sanatorium Weißenstein des Bayerischen Mütterdienstes von hoher Überlastung geplagt. "Der Gesundheitszustand von Müttern verschlechtert sich", heißt es in einer Pressemitteilung des zentralen Müttergenesungswerks, der "Elly-Heuss-Knapp-Stiftung". Die Krankheiten und Beschwerden der Frauen sind vielfältig, eindeutig überwiegen dabei psychosomatische Störungen: Sie fühlen sich nervlich und seelisch überlastet, sind chronisch niedergeschlagen und müde, leiden an Kopfschmerzen und Migräne oder an Schlafstörungen, fühlen sich nach einem Schicksalsschlag erschöpft. Genau die Hälfte aller Frauen hat ein Wirbelsäulen-und Bandscheibenleiden - zu dieser Truppe gehöre auch ich.

In regionalen Beratungsstellen des Bayerischen Mütterdienstes oder des Diakonischen Werks findet der erste Kontakt statt. Ich bekomme die Unterlagen für ein Gutachten durch die Hausärztin. Einen Fragebogen für den Medizinischen Dienst fülle ich aus. Wichtig ist: Eine akute Krankheit darf es nicht sein. Es geht um Vorsorge bzw. Rehabilitation. Gleichzeitig suche ich mir ein Kurhaus aus und den Termin, der für mich passt. Weißenstein wird gut sein mit den Indikationen: "Psychosomatische Störungen, Krankheiten des Haltungs- und Bewegungsapparates, Ernährungs-und Stoffwechselerkrankungen, Erschöpfungszustände." Mein Bewegungsapparat hat die Krankenkasse überzeugt: Binnen drei Wochen ist die Kur genehmigt · wenn auch erst auf hartnäckiges Nachfragen meiner Beraterin.

Die Zeiten sind härter geworden. Immer häufiger lehnen Krankenkassen die ärztlich verschriebenen und dringend benötigten Mütter- oder Mutter-Kind-Kuren ab. In Dresden wird zur Zeit jeder zweite Kurantrag abgelehnt, in Nürnberg und München jeder fünfte. Diese Sparhaltung der Kassen macht auch den Häusern zu schaffen. Die Belegung geht zurück, zum Teil um die Hälfte.

Auch das Haus Weißenstein ist selten ausgebucht. Manche Frauen finden die Gegend in Oberstdorf oder Aschau im Chiemgau mit den weiteren Angeboten des Mütterdienstes attraktiver als den Bayerischen Wald. Da haben sie sich aber mächtig getäuscht.

Jede Frau hat hier ein hübsches Einzelzimmer mit eigener Dusche und WC. Der Park ums Haus herum ist traumhaft, der Wald dahinter ideal fürs "Terrain-Training" (heißt soviel wie schnelles Gehen im Gelände), im Bewegungsbad kann man richtig schwimmen und natürlich Wassergymnastik machen und die Sauna ist eine abendliche Oase. Ein Kneipp-Becken ist auch nachts zu betreten.

Die drei Wochen sind angefüllt mit Bewegung, Rückenschule, Massage, heißen Bädern, kalten Güssen, Entspannungstraining, Gesprächen mit der Psychologin, Vorträgen über Gelenkschutz, Meditation, Wandern und natürlich den Gesprächen mit den anderen Frauen. Nach den drei Wochen bin ich fit an Körper, Geist und Seele. Belinda wird von ihren wirklich süßen drei Kleinen und ihrem Mann abgeholt: gestärkt für die Familie, aber vor allem für sich selbst. Auf sich achten, das haben wir hier gelernt.

Elfriede Peil.



Nr. 10 - September 2001





Warum ich in der Kirche mitarbeite (10): Martin Rapke

Als Umweltbeauftragter und Mesner nimmt Martin Rapke die Kirchengemeinde Arnstorf/Simbach in die Öko-Pflicht.

» mehr...



Die bayerische Landeskirche organisiert sich in Handlungsfeldern
 
» mehr...



Eine Auswahl wichtiger Veranstaltungen und Termine für Mitarbeitende in der Kirche

» mehr...



Werkstatt Teamwork (5): Konflikte verstehen und regeln

  Ohne Streit keine Leistung

  Konfliktgespräch in acht Stufen
 
» mehr...



Zwar lehnen sich kirchliche Regelungen im Arbeitsrecht an Bestimmungen für den öffentlichen Dienst an, aber das muss keineswegs so sein. Die Kirchen haben nämlich das Recht, ihre Angelegenheiten selbstständig zu regeln. So ist es im Grundgesetz (GG) verankert.
 
» mehr...





© Sonntagsblatt 2001