Warum ich in der Kirche mitarbeite (10): Martin Rapke
"Die Natur braucht uns nicht, wir aber sie"
Als Umweltbeauftragter und Mesner nimmt Martin Rapke die Kirchengemeinde Arnstorf/Simbach in die Öko-Pflicht. Eine umweltbewusste Lebensführung liegt ihm am Herzen
Den Tankstellen-Plan von Bayern hat Martin Rapke weitgehend im Kopf, denn er fährt das umweltfreundliche Bio-Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen. Und das gibt es, wie er bedauert, leider nur an ganz speziellen Tankstellen. Also hält er dort, auch wenn sein Tank noch nicht leer gefahren ist. "Das bisschen Nachdenken und Planen der Umwelt zuliebe mache ich sehr gerne", sagt der 31-jährige Landschaftsgärtner und Mitarbeiter im Landratsamt Dingolfing/Landau in Niederbayern.
Mit dem umweltfreundlichen Tanken hört sein Einsatz für eine umweltbewusste Lebensführung natürlich noch nicht auf. Als Umweltbeauftragter der Kirchengemeinde Arnstorf/Simbach seit 1994 nimmt er sich und die rund 800 evangelischen Kirchenmitglieder im idyllischen niederbayerischen Hügelland südlich der Isar beständig in die Öko-Pflicht. Dazu hat er als Mesner der Gemeinde eine Fülle von Möglichkeiten. Ein sanierungswürdiges Dach wurde flugs repariert, die Kirchenheizung wird jetzt elektronisch gesteuert und auf "dauerhafte Sparsamkeit" gestellt, Energiesparleuchten wurden angeschafft und bei der notwendigen neuen Dacheindeckung eines kirchlichen Gebäudes wurden auf Anregung Rapkes gleich Leitungen mit verlegt, die eines Tages für eine solare Brauchwassererwärmung genutzt werden sollen. Aber das ist noch Zukunftsmusik, genau wie Rapkes Traum, kirchliche Dächer mit Grün zu überziehen. Martin Rapke bekennt sich gerne dazu, "Jünger" des bayerischen Umweltpfarrers Rainer Hennig zu sein. "Was der in zehn Jahren aufgebaut hat, das ist unbeschreiblich. Er wurde auf die damals neu geschaffene Stelle mit Nichts als seinem Idealismus gesetzt und heute sind wir bayerischen kirchlichen Umweltschützer in vieler Hinsicht ein Vorbild in ganz Deutschland." Rapke hat natürlich auch die "Expedition" nach Eisenach mit gemacht, wo ein von Hennig gegründeter kirchlicher Umweltverein eine Windkraftanlage erworben hat, nachdem es in Bayern mit der Standortsuche nicht klappte.
"Die Bewahrung der Schöpfung müsste nicht nur bei uns Umweltschützern, sondern in der ganzen Kirche ein zentrales Thema sein", sagt Rapke. "Die Natur braucht uns nicht, wir aber sie!" An seinem ehrenamtlichen Engagement im kirchlichen Umweltschutz schätzt Rapke vor allem "den Kontakt mit positiv denkenden Menschen". Er freut sich auf jedes Treffen der Umweltbeauftragten, denn "aus solchem vorbehaltlosen aufeinander Zugehen werden die Ideen für den Umweltschutz von morgen geboren." Die Kirchengemeinde ist für Martin Rapke das zweite "Biotop" in seiner Freizeit. Und auch dort gibt es jemand, der ihm mächtig imponiert, nämlich die Organistin. "Sie bewirtschaftet mit ihrem Mann einen großen Hof mit vielen Tieren rund ums Jahr, kann kaum mal ein paar Tage Urlaub machen und erfreut uns alle mit ihrem Orgelspiel und als Lektorin", sagt er anerkennend. "Es geht viel mehr als verzagte Menschen oft denken."
Heinz Brockert