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Warum ich in der Kirche mitarbeite (9): Käthe Wartner

"Wenn man gebraucht wird, hilft man halt"

Wenn sie fehlen, merkt man es. Es gibt ehrenamtlich Mitarbeitende, die so selbstverständlich, so zuverlässig, so konstitutiv in der Gemeinde mitarbeiten und sich nicht zu schade sind, "Mädchen für alles" zu sein, dass ohne sie vieles gar nicht mehr ginge. Das Beispiel einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin, die auch noch mit 80 Jahren aktiv ist:


  Immer zur Stelle, wenn sie gefragt wird: Käthe Wartner

Foto: bea

Die Kirche gehört einfach dazu für Käthe Wartner. Die 80-Jährige beteiligt sich noch immer aktiv am Leben ihrer Gemeinde in Schonungen bei Schweinfurt, organisiert Veranstaltungen des Seniorenkreises und Krankenbesuche. Pfarrer Bernhard Vocke nennt sie "die gute Seele" der Gemeinde. Wenn sie einmal im Gottesdienst fehle, falle es auf.

Sie ist "gern unter Menschen"

Ehrenamtliches Engagement für die Kirche liegt in der Familie. Wartners Vater übte das Mesneramt aus, ihre Mutter und Schwester beteiligten sich wie sie als Gemeindehelferinnen an Sammlungen in der Gemeinde. Ihr verstorbener Ehemann Ludwig Wartner, ehemals Bürgermeister des Ortes, gehörte zeitweise dem Kirchenvorstand an. Musik wurde ebenfalls groß geschrieben. Gemeinsam mit Vater und Schwester verstärkte Käthe Wartner den Kirchenchor. Ihre Tochter Traudl Kihn gestaltet heute als Organistin und Chorleiterin das musikalische Leben der evangelischen Gemeinde in Mellrichstadt (Dekanat Bad Neustadt).

Als Käthe Wartner 1933 mit ihrer Familie aus Nürnberg nach Schonungen kam, waren die Protestanten noch stark in der Minderzahl. Zwei Jahre besuchte sie die katholische Konfessionsschule, in der Evangelische nach ihrer Erinnerung "nur geduldet" waren. Erst seit 1954 können sie sich in der eigenen Kirche zum Gottesdienst treffen.

In der Kirche arbeitete Wartner schon als junge Frau mit. Beruflich war sie in der Lohnverrechnung eines großen Schweinfurter Unternehmens tätig und zog ihre beiden Töchter groß. Trotzdem fand sie Zeit, den Frauenkreis zu besuchen und später bei den monatlichen Sammlungen, dem so genannten Notopfer, mitzuhelfen. Über 30 Jahre lang hat sie diese Aufgabe erfüllt. Seit sie vor zwei Jahren diese Tätigkeit aufgab, sei die monatliche Sammlung in ihrer Gemeinde "eingeschlafen", bedauert die rüstige Seniorin, die sich durch Lesen und Fernsehen auf dem Laufenden hält.

Mit ihrem Ortspfarrer diskutiert die Sonntagsblatt-Leserin rege über Artikel aus der Zeitschrift oder macht Vorschläge für das Gemeindeleben. Vocke seinerseits nimmt regelmäßig die umfangreichen Ortskenntnisse der 80-Jährigen in Anspruch, etwa wenn er auf die Suche nach Jubelkonfirmanden geht.

Weil sie gern unter Menschen ist, widmet sich Käthe Wartner der Organisation des Seniorenkreises. Einmal im Monat trifft sich die 20-köpfige Gruppe. Neben dem Programm gibt es Kaffee, Bowle oder ein sommerliches Grillfest. Wartner informiert jeden einzelnen telefonisch über den nächsten Termin und sorgt bei Bedarf für die Abholung. Wer nicht mehr kommen kann, wird zu Hause besucht. Der Pfarrer weiß die Kranken seiner Gemeinde bei Käthe Wartner und ihren Mitstreiterinnen in guten Händen.

Taten statt Worte

Viele Worte will die rüstige Seniorin über ihr ehrenamtliches Engagement nicht machen. Als im Gemeindebrief überraschend ein Artikel mit Foto zu ihrem 80. Geburtstag erschien, reagierte sie anfangs nicht begeistert. "Wenn man gebraucht wird, hilft man halt", ist ihre Einstellung - ob es um das Einkochen von Hagebuttenkonfitüre für den Weihnachtsbasar oder um Kontakte zur Partnergemeinde Lübz in Mecklenburg-Vorpommern geht. Die Aufgaben in der Kirchengemeinde haben ihrem Leben Inhalt gegeben, als die Kinder aus dem Haus waren und ihr Mann vor 26 Jahren starb. "Wenn man gesund ist, muss man dankbar sein, dass man in diesem Alter noch aktiv sein kann", sagt Käthe Wartner.

Beate Krämer


Nr. 9 - August 2001



Käthe Wartner



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