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Mitarbeiten in Kirche und Diakonie - Ein Blick durch die geschlechtsspezifische Brille

Frauen sind noch immer benachteiligt


  Auch so ein Bild, das in den Köpfen steckt: Klischee oder noch immer Realität?

Foto: Poss

Es ist manches besser geworden, aber die Benachteiligung von Frauen in Kirche und Diakonie ist noch längst nicht überwunden." So urteilt Kirchenrätin Sigrid Schneider-Grube von der Frauen-Gleichstellungsstelle der Landeskirche. Sie schreibt den Fortschritt der inzwischen 12-jährigen Tätigkeit der Frauenbeauftragten und der Beiräte im ganzen Land zu. Mit krassen Fällen haben die Vorkämpferinnen für die Frauenrechte kaum mehr zu tun. Sexuelle Belästigungen und auch Mobbing sind relativ selten."Aber gegen die Fälle von indirekter Diskriminierung der Frau ist viel schwieriger anzugehen", stellt Kirchenrätin Johanna Beyer fest.

Die falschen Bilder

Manche Benachteiligung, so glauben die Referentinnen, ist auf die falschen Bilder zurückzuführen, die noch immer in den Köpfen sitzen. Sie weisen Frauen die traditionellen Rollen zu: die Mutter, die für Kinder und Haushalt sorgt, oder die Frau, die mit sozialen oder pflegerischen Diensten beschäftigt ist, oder die Verwaltungskraft, die im Büro einem Chef zuarbeitet. So ähnliche Rollen werden dann auch den ehrenamtlichen Frauen in der Kirche zugewiesen: Gäste bewirten, Kuchen backen und Kaffee kochen; Geld sammeln und Gemeindeblätter austragen, Kirche schmücken, Bibeltexte verlesen, für Ordnung sorgen, alle möglichen Hilfsdienste übernehmen. Viel zu wenig sind die heute vorhandenen Fachkenntnisse und Begabungen der Frauen gefragt, viel seltener als Männern wird ihnen Eigenverantwortung für einen selbstständigen Aufgabenbereich zuerkannt. Da hofft man, durch das neue Ehrenamtlichengesetz ein Stück weiter zu kommen.

Bei den Pfarrerinnen gibt es ebenfalls geschlechtsspezifische Probleme. Obwohl in den Gemeinden inzwischen gut aktzeptiert, muss die Hälfte der Pfarrerinnen sich in der schwierigeren Dienstform des Teilzeitdienstes zurecht finden. Bei der Teilzeit gibt es fast nur halbe Stellen, obwohl für manche Frauen eine Zwei-Drittel-Stelle oder eine Drei-Viertel-Stelle passender wäre. "Da ist man viel zu unflexibel", kritisieren die Frauenbeauftragten. Die landläufige Meinung sei auch, dass man im Teildienst keine Leitungsverantwortung wahrnehmen könne. Deshalb sind Pfarrerinnen kaum auf ersten Pfarrstellen zu finden, noch viel seltener als Dekansvertreterinnen. Wie können sich Theologinnen dann für verantwortungsvollere Positionen qualifizieren?

In Leitungsfunktionen der Kirche sind Frauen noch immer rar. Es gibt eine Regionalbischöfin, eine Oberkirchenrätin in der Verwaltung, eine Predigerseminar-Rektorin, vier Dekaninnen neben 71 Dekanen. In der Landessynode sitzen zwar 32 Prozent Frauen, aber alle Ausschuss-Vorsitze sind männlich besetzt. "Es wäre auch an der Zeit, jetzt einmal in der Landessynode eine Präsidentin zu wählen", heißt es in der Frauen-Gleichstellungsstelle, die jetzt für die Synodalwahl einen Aufruf gestartet hat: Wählt Frauen, Kirchenpolitik braucht Frauen!

Auf Gemeindeebene konnten die Frauen im Kirchenvorstand gut Fuß fassen, aber schon auf der Ebene der Dekanate, noch stärker auf Landesebene, haben in den Gremien noch überwiegend die Männer das Ruder in der Hand. Um Benachteiligungen zu überwinden, ist gezielte Förderung und Fortbildung für Frauen nötig. Ein Mentoring-Programm ist in Vorbereitung, das Frauen bei der Entwicklung ihrer persönlichen Fähigkeiten beisteht.

Ein weithin unbeachtetes Feld sind die Tätigkeiten der Pfarramtssekretärinnen in den 2700 bayerischen Kirchengemeinden. Ihr Dienst ist vielfältiger und verantwortungsvoller geworden. Sie haben oft eine Schlüsselrolle im Gemeindeleben. Aber in der Bezahlung hat sich das noch nicht ausgewirkt. Deshalb haben sich jetzt Pfarramtssekretärinnen zu einem Verein zusammengeschlossen, der gegen Missstände und Benachteiligungen ihres Berufsstandes angeht.

Helmut Winter


"PS 2000" - Wer steckt hinter diesem kämpferischen Kürzel?

Pfarramtssekretärinnen wehren sich

"Sie machen das schon", sagt freundlich der Pfarrer und hinterlässt der Sekretärin im Pfarramt immer neue Aufgaben. Dass sie organisieren kann, im Kassenwesen firm ist, die neuen Computerprogramme kennt, stets freundlich und hilfreich mit Besuchern umgeht, wird vorausgesetzt. Und die vielfältigen Arbeiten sollen in 8 oder 10 oder 14 oder 20 Wochenstunden erledigt werden, wie es das starre Stundenschema bei diesem kirchlichen Dienst vorsieht. Dass die Mitarbeiterin im Pfarramt in Abwesenheit des Pfarrers oder der Pfarrerin oft auch offene Sozialarbeit, ja seelsorgerlichen Zuspruch geben muss, wird kaum wahrgenommen.

"Wir müssen zusammen stehen, um unsere Situation zu verbessern", sagte sich Helene Luise Köppel, seit 17 Jahren im Pfarramt der Dreieinigkeitskirche in Schweinfurt tätig, und gründete vor einem Jahr den Verein für Pfarramtssekretärinnen "PS 2000". Er hat inzwischen 50 Mitglieder und wird sich im Herbst mit einer Eingabe an die Landessynode wenden. Wichtigstes Ziel: Man darf Sekretärinnen-Stunden nicht mehr nur nach der Seelenzahl einer Gemeinde berechnen, sondern nach dem tatsächlichen Umfang und den Anforderungen einer Stelle.

Frau Köppel lädt die Kolleginnen ein, im Verein mitzumachen: Lindenstraße 9, 97424 Schweinfurt, Telefon und Fax (09721) 84978.

Nr. 9 - August 2001





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