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Werkstatt Teamwork (3): Von der Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen

Mehrheit, Kompromiss oder Konsens

Ob bei der Organisation eines Kleidungsbasars, im Kirchenvorstand oder bei der Vorbereitung eines Jugendgottesdienstes: Überall ist erfolgreiche Zusammenarbeit gefragt. Wie aber gelingt sie? Darum geht es in unserer Werkstattserie "Teamwork". Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem Thema "Entscheidungen treffen" und stellt eine Übung vor, die Aufschluss über Entscheidungsstrukturen in Gruppen gibt.

Egal ob bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters oder bei der Beschlussfassung des Haushalts der Gemeinde: Überall müssen in Gruppen der kirchlichen und diakonischen Arbeit Entscheidungen getroffen werden.

Doch das Entscheiden fällt vielen Gruppenmitgliedern schwer. Gerade in kirchlichen Gremien bis hinauf zur kirchenleitenden Ebene kann man anschaulich erleben und studieren, wie sich Gruppen mit anstehenden Entscheidungen geradezu quälen. In der Entscheidung selbst gehen oft viele Entscheidungskriterien durcheinander oder auch Hand in Hand: Da setzt sich jemand mit Autorität durch, da gibt es echte demokratische Abstimmungen, da werden Kompromisse ausgehandelt oder da wird der "magnus consensus", die einstimmige Entscheidung aller, beschworen. Häufig kommt es auch vor, dass bewusste Entscheidungen vermieden werden. Grund genug also, einmal genauer hinzuschauen und die verschlungenen Wege einer Entscheidungsfindung zu analysieren. Idealtypisch gesehen, lassen sich fünf Varianten, Entscheidungstypen voneinander unterscheiden:

Die bisherigen Ausgaben unserer Werkstatt "Teamwork" finden Sie hier:

Werkstatt Teamwork (1) - Entwicklungsphasen im Leben einer Gruppe

Werkstatt Teamwork (2) - Gruppenleitung lässt sich lernen


Entscheidung durch Autorität: Die Gruppe erwägt Lösungsmöglichkeiten eines Problems, bis eine Autorität eine Entscheidung durchsetzt. Hat die Autorität die Stimmung der Gruppe erkannt, kann dies Zeit und Geld sparen. Nachteile: Das Potenzial einer Gruppe wird untergraben, die Ausführung könnte misslingen, wenn doch nicht alle mitziehen.

Minderheitsentscheidung: Taktisch geschickte Mitglieder führen im geeigneten Moment eine für sie günstige Entscheidung herbei. Nachteil: Die Überrumpelten könnten verstimmt sein und die Ausführung der Entscheidung sabotieren.

Entscheidung durch eine Mehrheit (Demokratie): Mehrheitsentscheidungen sind in Gruppen oder Gremien häufiger anzutreffen. Nachteil: In Gremien, die auf engen Zusammenhalt angewiesen sind, ist der Umgang mit der unterlegenen Minderheit oft schwierig.

Entscheidung durch Konsens/Kompromiss: Diese zeitaufwändigste Form ist für den Zusammenhalt der Gruppe am effektivsten. Auch ist die positive Ausführung der Entscheidung am besten gesichert, da sich alle zumindest teilweise im Beschluss wiederfinden. Nachteil: Wenn Konsensdruck besteht, ist die Prozedur sehr Zeit und Energie raubend.

Einstimmige Entscheidung: Alle Beteiligten können den Beschluss voll unterschreiben.

Eine weitere recht häufig praktizierte Form, zu Entscheidungen zu kommen, stellt darüber hinaus die "Nichtbeachtung" dar: Ein Vorschlag kommt auf den Tisch, doch noch ehe darüber diskutiert wird, kommt der nächste Vorschlag und so weiter. So fallen Vorschläge unter den Tisch, bis ein Vorschlag kommt, der alle interessiert. Das enttäuscht diejenigen, die nicht beachtete Vorschläge gemacht haben und untergräbt auf Dauer die Motivation.

Damit es in einer Gruppe dauerhaft gut läuft, ist es günstig, sich darüber klar zu werden, wie in der Gruppe eigentlich entschieden wird. So kann es sinnvoll sein, sich darüber untereinander auszutauschen. Ein Einstieg dafür kann der unten beschriebene Fragebogen sein.

Quellennachweis: Als Anregung für unsere Serie kann der Ordner "Rückenwind" gelten, der sich besonders mit Teamwork im Kirchenvorstand beschäftigt. Er ist zu beziehen beim Amt für Gemeindedienst, Postfach 440465, 90209 Nürnberg, Telefon (0911) 4316-260.
Weitere Literaturhinweise: Eva Renate Schmidt u.a., Beraten mit Kontakt, Handbuch für Gemeinde- und Organisationsberatung, Offenbach 1995; Dave Francis u.a., Mehr Erfolg im Team, Ein Trainingsprogramm, Hamburg 1996.
Redaktionelle Bearbeitung: Albrecht Winter


Übung für Gruppen:

Wie wird bei uns entschieden?

Eine Gruppe kann ihr Entscheidungsverhalten analysieren - eine kurze Übung.

Grundlage sind die fünf oben beschriebenen Stile: autoritäres Entscheiden, Minderheitsentscheiden, Mehrheitsentscheiden, Konsens/Kompromiss und einstimmiges Entscheiden. Zur Übung erhält jeder Teilnehmer einen Bogen mit 15 Aussagen. Darauf sollen die fünf Aussagen angekreuzt werden, die dem Stil der Gruppe entsprechen. Anschließend findet jeder für sich heraus, welcher der fünf Entscheidungsstile seiner Meinung nach vorherrschend ist. Die Ergebnisse werden in der Gruppe vorgetragen und diskutiert. Dabei soll sich auch jeder äußern, welchen Entscheidungsstil er für richtig befindet (und dieses kann selbstverständlich ein anderer Stil sein als der tatsächlich angewandte).

Zum Schluss versuchen die Teilnehmer, sich auf einen Entscheidungstyp zu einigen, und überlegen, wie dieser in der nächsten Sitzung umgesetzt werden kann.

Hier der Bogen der 15 Aussagen, aus denen 5 auf die Realität des Gruppengeschehens zutreffende Aussagen anzukreuzen sind:.


1. Wenn Entscheidungen anstehen, setzen sich einige von uns zusammen.

2. Normalerweise entscheidet der Vorgesetzte.

3. Jeder hat eine Chance, seine Meinung zu äußern.

4. Bei uns geht jeder bis zu einem gewissen Maß mit Entscheidungen konform.

5. Bei uns entscheidet häufig die Mehrheit.

6. Derjenige, der die Verantwortung hat, entscheidet letztendlich.

7. Oft erklären sich alle freiwillig mit einem Vorschlag einverstanden.

8. Es gibt eine kleine Clique, die alles regelt.

9. Wenn die Mehrheit der Mitglieder auf einer Linie liegt, wird ein Beschluss herbeigeführt.

10. Wir fassen keinen Beschluss, solange nicht jeder völlig einverstanden ist.

11. Die Leute können frei ihre Meinung äußern, aber der Chef entscheidet.

12. Ein paar Mitglieder beherrschen die Gruppe.

13. Eine Entscheidung wird erst gefällt, wenn jeder sie bis zu einem gewissen Grad akzeptieren kann.

14. Zahlenmäßige Überlegenheit ist Voraussetzung für eine Entscheidung.

15. Alle Mitglieder unterstützen aktiv die Entscheidung.

Auswertung:
Die einzelnen Ziffern entsprechen bestimmten Entscheidungstypen. Sehen Sie nach, welcher Entscheidungstyp bei Ihren Antworten am häufigsten vorkommt. Nummer 2 - 6 - 11 heißt: Dominanz eines Einzelnen; Nummer 1 - 8 - 12: Dominanz einer Minderheit; Nummer 5 -9 - 14: Demokratie; Nummer 3 - 4 - 13: Kompromiss; Nummer 7 - 10 - 15: Einstimmigkeit

Bearbeitung: Albrecht Winter

Nr. 8 - Juli 2001



Werkstatt Teamwork
   1. Entwicklungsphasen im Leben einer Gruppe (4/01)
   2. Gruppenleitung lässt sich lernen (6/01)
   3. Von der Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen (7/01)
   4. Sitzungen effektiv gestalten (8/01)
   5. Konflikte verstehen und regeln (9/01)
   6. Kampf oder Flucht (10/01)
   7. Zeit: Sich den Lebensfragen stellen (11/01)
   8. Neubeginn: (Berufs-)Wechselfälle des Lebens verarbeiten (12/01)




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