Warum ich in der Kirche mitarbeite (8): Erich Bauerschmidt
"Es kommt mehr zurück, als man gibt"
Sie haben ihr Arbeitsleben schon hinter sich und engagieren sich trotzdem: Was bewegt Ruheständler, gerade in der Gemeindearbeit ehrenamtlich tätig zu sein?
Er ist in einem liberalen Elternhaus in Schwabach mit zwei Brüdern aufgewachsen, war Jungschar- und CVJM-Mitglied und Handball-Spieler in der Evangelischen Jugend. Trotzdem sieht Erich Bauerschmidt seine ehrenamtliche Arbeit als Etappenweg mit Unterbrechungen. Der heute 68-jährige Lehrer im Ruhestand war nach seinem Pädagogik-Studium ab 1962 im mittelfränkischen Döckingen, wo er fünf Jahre lang einen Posaunenchor musikalisch geleitet hat, ohne selbst ein Blasinstrument zu spielen. Dann zog er mit seiner Familie 1969 nach Schwabach um.
Initialzündung
Weil die Kinder mit Kirche und Gemeinde vertraut werden sollten, arbeitete er in den 70er Jahren in einem Familiengottesdienst-Team mit. Im nächsten Jahrzehnt war es wieder ein Posaunenchor, diesmal wirkte er jedoch als aktiver Bläser mit. Der Lehrer musste dazu als Schüler in der Musikschule die Posaune erst spielen lernen. Drei- bis viermal die Woche wären sie damals im Einsatz gewesen. Und eine Schallplatte wurde aufgenommen. Aus gesundheitlichen Gründen hörte Bauerschmidt nach zehn Jahren auf.
Die Initialzündung für sein heutiges ehrenamtliches Engagement sieht er selbst in Gesprächen mit einem Freund. Trotz schwerer Krankheit habe dieser Freund auf Gottes Fürsorge vertraut. "Mir sind damals die Augen geöffnet worden", meint er heute rückblickend. Die Gewissheit des Glaubens sei für das Leben wichtig. "Ich habe mich gefordert gefühlt." Aus diesen Erfahrungen sei auch die Erkenntnis gewachsen, dass die Menschen, die in der Kirche einen Sinn sehen, sich einbringen müssen.
Die eigene Gesundheit zwang den Hauptschullehrer 1994, in den Ruhestand zu gehen. Für Bauerschmidt ein schwerer Schritt, weil er seinen Beruf gerne ausgeübt hat. Er übernahm das Amt eines Messners in seiner Gemeinde, war sechs Jahre lang im Kirchenvorstand der Gesamt-Kirchengemeinde Schwabach als Protokollant und Vorsitzender im Kindergarten-Ausschuss. Sein Organisationstalent blieb dabei nicht verborgen, was ihm zusätzliche Arbeit bei Großveranstaltungen einbrachte. Er hat sich im letzten Jahr nicht wieder in den Kirchenvorstand wählen lassen, "weil mal Jüngere diese Aufgabe übernehmen sollten".
Trotzdem ist er fast jeden Tag mit seiner ehrenamtlichen Arbeit in der Gemeinde beschäftigt - als Mitglied im Sprengelausschuss und weil er für die Belegung des Gemeindezentrums zuständig ist. Und Messner ist er mit drei anderen Ehrenamtlichen heute noch.
Von der Freiheit eines Ehrenamtlichen
"Das geht nur so gut, weil uns der Gemeindepfarrer viel Freiheit lässt, selbst zu gestalten", sagt Bauerschmidt anerkennend. "Unser Pfarrer hat Vertrauen zu den ehrenamtlich Mitarbeitenden, steht aber auch zur Seite, wenn es mal notwendig ist." Deswegen sei die Bereitschaft groß, ehrenamtlich mitzuarbeiten.
Bauerschmidt empfindet seine ehrenamtliche Arbeit als große Bereicherung. "Es kommt mehr zurück, als man gibt." Ein wenig Stolz bleibe auch, wenn eine Aufgabe gelungen ist, und Zufriedenheit. Für ihn sei das Leben ein Geschenk. Als Dank dafür engagiere er sich.
Helge Neuschwander-Lutz