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Werkstatt Teamwork (2): Gruppenleitung lässt sich lernen

Mitwachsen in der Gruppe

Ob bei der Organisation eines Kinderkleiderbasars, im Kirchenvorstand oder bei der Vorbereitung eines Jugendgottesdinstes: überall ist erfolgreiche Zusammenarbeit gefragt. Wie aber gelingt sie? Dazu will die mehrteilige Werkstattserie "Teamwork" Hilfestellung und Information liefern. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Leiten von Gruppen und bietet eine Übung für Gruppen an.

Ab einer gewissen Grösse haben die meisten Gruppen oder Teams einen Leiter. Gute Teamarbeit hängt deshalb in bedeutendem Masse von geeigneter Führung oder Leitung ab. Doch was macht gute Leitung aus?

Jeder Mensch hat seinen eigenen Führungsstil. Um als Team wirklich erfolgreich zu sein, benötigt die Leitungsperson - egal ob sie männlich oder weiblich ist - ein bisschen mehr als nur die Fähigkeit, allen voran als Boss in die nächste Herausforderung hinein zu ziehen. Zum Beispiel braucht diese Leitungsperson soziale Kompetenz und Phantasie, sie muss - ganz pauschal gesagt - eine gewisse Ausstrahlung besitzen. Gleichwohl: Gruppenleitung ist keine Zauberei. Vieles lässt sich lernen.


Die Leitungsperson muss in der Lage sein, eine Vision zu entwickeln, ein Bild des zukünftigen Wirkens des Teams. Ein Zukunftsbild schafft Aufmerksamkeit, lenkt die zum Teil widerstrebenden Interessen der Mitglieder auf einen Brennpunkt.

Die Leitungsperson muss zur Kommunikation ermächtigen. Auf gut deutsch: Der Leiter, die Leiterin muss darauf achten, dass alle Gruppenmitglieder mit ihren Meinungen zu Wort kommen. Ihre Kommunikationsfähigkeit ist dabei Vorbild.

Die Leitungsperson muss auch in schwierigen Phasen ihre Position halten. Auch wenn es einmal kracht und knistert im Gruppengebälk, sollte die Leitungsperson sich und der Sache treu bleiben. Nur so entwickelt sich Vertrauen.

Die Leitungsperson wirkt durch ihre Persönlichkeit. In der Kirche spricht man gern von Charisma, Psychologen definieren dieselbe Sache etwas profaner: Ein Mensch braucht eine positive Selbsteinschätzung, die aus einer kritischen Bestandsaufnahme der persönlichen Schwächen entstanden ist. Gerade eine Leitungsperson sollte über diese "Ich-Stärke" verfügen.

Gruppenprozess birgt wechselnde Anforderungen

Wie im ersten Teil unserer Werkstatt dargestellt, durchlaufen Gruppen vier Entwicklungsphasen. Dabei ändern sich auch die Anforderungen an die Leitung:


In den ersten Sitzungen einer neuen Gruppe (Testphase) kommt es entscheidend darauf an, das Verständnis der Gruppenmitglieder füreinander zu wecken. Die Leitungsperson prägt durch ihr kommunikatives Verhalten auch die späteren Beziehungsmuster der Gruppenmitglieder.

In der Nahkampfphase, bei der die Gruppenmitglieder um ihre Position ringen, muss die Leitungsperson Konflikte benennen und die Austragung unterstützen.

In der Organisierungsphase übernehmen die Gruppenmitglieder zunehmend Verantwortung.

In der Arbeitsphase ist die Gruppe fähig, auch tiefgreifende Veränderungen zu überstehen und seine Führungsfunktionen der Situation entsprechend zu verteilen.

Quellennachweis: "Rückenwind", ein Ordner, der sich besonders mit Teamwork im Kirchenvorstand beschäftigt. Er ist zu beziehen beim Amt für Gemeindedienst, Postfach 440465, 90209 Nürnberg.
Weitere Literaturhinweise: Eva Renate Schmidt u.a., Beraten mit Kontakt, Handbuch für Gemeinde- und Organisationsberatung, Offenbach 1995; Dave Francis u.a., Mehr Erfolg im Team, Ein Trainingsprogramm, Hamburg 1996.
Redaktionelle Bearbeitung: Albrecht Winter


Übung für Gruppen:

Wer hat welche Funktion?

Eine zweistündige Übung, die Klarheit verschafft darüber, welche Gruppenaufgaben in einer Gruppe eigentlich wie und von wem erledigt werden.

In Gruppen und Teams übernehmen Gruppenmitglieder verschiedene Funktionen. Während in der Anfangsphase entscheidende Aufgaben häufig von einer Leitungsperson wahrgenommen werden, wachsen später auch anderen Mitglieder wichtige Aufgaben. Doch manche Aufgaben werden bisweilen von niemandem wahrgenommen, was die Effektivität der Gruppenarbeit schwächt.

Um die Gruppenarbeit zu effektiver zu gestalten, kann die folgende rund zweistündige Übung "Verteilte Funktionen" weiterhelfen. Dazu braucht man folgende Vorbereitung: Der Fragebogen Führungsaufgaben wird möglichst in der vorherigen Sitzung verteilt, damit jeder genügend Zeit hat, etwaige Bedenken vorher zu äussern. Nur wenn alle Mitglieder mitmachen wollen, hat die Übung einen Sinn. Ein Moderator schreibt Fragen an die Tafel und trägt die Antworten der Teilnehmer ein. Antworten können auch anonym abgegeben werden. Die Gruppe bespricht gemeinsam das Ergebnis. Unklarheiten müssen diskutiert werden, bis eine Einigung erzielt ist.

Und nun also der Fragebogen Führungsaufgaben: Es werden den Teilnehmern folgende Aufgaben vorgelegt, die normalerweise irgendjemand in der Gruppe ausführt:


Wer koordiniert die Arbeit der Gruppenmitglieder?

Wer hilft anderen Mitgliedern in schwierigen Situationen?

Wer eröffnet unsere Sitzungen?

Wer schickt uns an die Arbeit?

Wer garantiert, dass Entscheidungen getroffen werden?

Wer überprüft, ob Ziele gesetzt sind?

Wer sorgt dafür, dass die Zusammenarbeit klappt?

Wer ermuntert Mitglieder, Fähigkeiten zu entfalten?

Wer fasst unsere Diskussionen zusammen, sorgt für Klarheit?

Wer vertritt unsere Gruppe bei den anderen?

Wer schickt uns an die Arbeit?

Wer bemerkt, wenn wir etwas vergessen?

Wer motiviert uns, wenn wir nicht mehr weiterwissen?

Und welche Antworten sind nun denkbar? Im Prinzip gibt es drei Alternativen: Erste Antwortmöglichkeit: Niemand. Zweite Antwortmöglichkeit: Die Gruppenleitung. Dritte Antwortmöglichkeit: Irgend ein anderes Gruppenmitglied (Name angeben). - Viel Spaß und wenig Streit bei dieser gruppendynamischen Aufgabe!

Bearbeitung: Albrecht Winter

Nr. 7 - Juni 2001



Werkstatt Teamwork
   1. Entwicklungsphasen im Leben einer Gruppe (4/01)
   2. Gruppenleitung lässt sich lernen (6/01)
   3. Von der Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen (7/01)
   4. Sitzungen effektiv gestalten (8/01)
   5. Konflikte verstehen und regeln (9/01)
   6. Kampf oder Flucht (10/01)
   7. Zeit: Sich den Lebensfragen stellen (11/01)
   8. Neubeginn: (Berufs-)Wechselfälle des Lebens verarbeiten (12/01)




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