Warum ich in der Kirche mitarbeite (7): Eberhard Gudd, Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle Ansbach
Um Menschen geht es, nicht um Kosten
Hauptamtliche in der Diakonie, deren es etwa 41 000 in Bayern gibt, müssen sich gelegentlich die Frage gefallen lassen, wie sie es eigentlich mit ihrem Glauben halten. Einmal abgesehen davon, ob diese Art von Rechtfertigung einem christlichen Dienstgeber angemessen ist: Es gibt gerade in der tätigen Nächstenliebe die wundervollsten Beispiele, wie Tun und Glauben zusammengehen.
Arbeiten in der Nachfolge Christi, sich kümmern um Menschen am Rande der Gesellschaft. - Mit diesen Worten umreißt Eberhard Gudd seine Motivation, bei der Kirche, speziell bei der Diakonie zu arbeiten. Der 53-jährige Eberhard Gudd leitet die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle - Suchtberatung der Inneren Mission Ansbach - und ist, wie er selbst sagt, froh und glücklich, bei einem kirchlichen Träger beschäftigt zu sein. Nicht nur wegen seines Glaubens, sondern auch weil die Diakonie, in Ansbach unter dem Namen Innere Mission, ihm die Möglichkeit gibt, sich um Menschen zu kümmern, einfach Zeit zu haben, ohne auf Kosten und Rückerstattung durch Leistungsträger achten zu müssen.
Eberhard Gudd wurde in der Niederlausitz geboren und kam 1953 nach Bremen. Dort lebte er mit seinen Eltern bis zum Umzug 1961 nach Nordenham, wo er 1968 das Abitur machte. Fast zwei Jahre lang war er dann beim Bundesgrenzschutz tätig und wollte die Offizierslaufbahn einschlagen. Er studierte zwei Semester Betriebswirtschaftslehre und wechselte dann in den neu eingerichteten Diplomstudiengang Pädagogik an der Universität Hamburg. Daneben absolvierte er ein sozialpädagogisches Zusatzstudium und war schon während der diversen Praktika von abhängigen Menschen fasziniert, wie er sagt. Süchtige Menschen sind sehr widersprüchlich, haben oft den Lebensmut verloren und haben trotzdem gleichzeitig eine unbändige Sehnsucht nach Leben in sich.
1977 schloss Eberhard Gudd sein Studium in Münster mit einem Diplom in Pädagogik und dem Vordiplom in Psychologie ab. Seine erste Berufstätigkeit führte ihn in eine Klinik für Abhängige nach Furth in der Oberpfalz. Dort baute er die Therapie für Alkohol- und Drogenabhängige mit auf und konnte, wie er im Rückblick erzählt, viele Erfahrungen sammeln. Am 1. Oktober 1979 kam Eberhard Gudd nach Ansbach zur Inneren Mission und leitet seither die Suchtberatungsstelle, die jetzt fünf Vollzeit-Fachkräfte und eine TeilzeitFachkraft beschäftigt.
In den langen Jahren in Ansbach habe er, so Gudd, weit mehr als 1500 Menschen beraten, begleitet und ihnen geholfen, von der Abhängigkeit wegzukommen. Trotz der vielen Fehlschläge und Rückfälle hat er die Faszination und die Liebe zu den Menschen nicht verloren. Nur wer andere Menschen auch in ihrem Elend annehmen kann, kann sich respektvoll ihnen näheren, eine Vertrauensbasis aufbauen und ihnen Hilfe anbieten. Viele Klienten, die kommen, so Eberhard Gudd, erfahren in der Beratungsstelle zum ersten Mal das einzigartige Gefühl, dass sie verstanden und letztlich auch mit all ihren Fehlern angenommen werden.
Arbeitgeber Kirche ist "eine Chance"
Gerade durch die Trägerschaft der Suchtberatungsstelle bei der Inneren Mission ist es Eberhard Gudd und seinen Kollegen möglich, für Hilfesuchende in vielen Fällen Zeit zu haben, ohne dass jemand auf die Uhr schaut und drängt. Eberhard Gudd hat seinen kirchlichen Arbeitgeber nie als Last, sondern immer nur als Gewinn und Chance empfunden.
Alexander Biernoth