Mutter-Kind-Gruppen: Mitarbeiterinnen qualifizieren sich
Aus Ehrenamtlichen werden Profis
Ehrenamtliche leisten einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft, sorgen für Gemeindeaufbau und erweitern dabei selbst ihren eigenen Horizont: Was wie eine Zukunftsvision von Kirche klingt, ist zumindest bei vielen Mutter-Kind-Gruppen in Bayern Realität. In ganz Bayern gibt es heute nahezu flächendeckend rund 3 000 dieser Gruppen, bei denen durchschnittlich 18 Mütter mit ihren Kindern mitmachen.
In einem breitangelegten Projekt, über das "kirche konkret & kontrovers" bereits ausführlich berichtete (Nr. 3/März 2001), hat die "Arbeitsgemeinschft für Evangelische Erwachsenenbildung in Bayern" (AEEB) Möglichkeiten erprobt, wie die inhaltliche Qualität der Mütter-Kind-Gruppen gesichert und weiter ausgebaut werden kann.
Die Ergebnisse, die von der AEEB jetzt bei einer Fachtagung in Augsburg vorgestellt wurden, können sich durch die Bank sehen lassen: Das Projekt, in dem sich 22 Frauen in regelmäßigen Fortbildungen zu "begleitenden, beratenden Mitarbeiterinnen" für die Mutter-Kind-Arbeit ausbilden lassen, stieß auf eine durchweg positive Resonanz - bei den Mutter-Kind-Gruppen als "Klienten" wie auch bei den neuen "Beraterinnen".
In der Auswertung gaben die Beraterinnen an, dass ihre Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen wurden. Sie sehen sich gut qualifiziert für die neue Aufgabe. Als Grund für dieses ehrenamtliche Engagement wurde in erster Linie "persönliche Weiterentwicklung" genannt.
Engagement wird "vernetzt"
Aber auch bei den Mutter-Kind-Gruppen kam die neue Beratung offensichtlich gut an: Insgesamt gab es in der zweijährigen Testphase über 2 000 Kontakte zu Mutter-Kind-Gruppen, 75 Prozent der Beraterinnen fanden die Nutzung ihres Angebots "zufriedenstellend bis sehr gut".
Wie bei der Auswertungs-Tagung in Augsburg aber auch deutlich wurde, führt die Mutter-Kind-Arbeit an vielen Orten zu einer sinnvollen Vernetzung von ehrenamtlichen Engagemt ausgehend von diesen Gruppen, die häufig als Eigeninitiative einiger weniger Eltern begonnen haben, der Ortsgemeinde und den jeweiligen regionalen Bildungswerken.
Deshalb hat die AEEB in ihrem Projektbericht auch konkrete Empfehlungen an die Gemeinden mitgegeben: Sie sollten durch günstige "Rahmenbedingungen", wie etwa kindgerechte Räume, die Mutter-Kind-Arbeit ermöglichen und die Zusammenarbeit mit den Bildungswerken intensivieren. Voraussetzung für Mutter-Kind-Gruppen ist nach den Erfahrungen der AEEB neben derartigen Grundvoraussetzungen auch die Bereitschaft, unterschiedliche Formen von Nähe und Distanz zur Kerngemeinde zu akzeptieren.
In vielen bayerischen Gemeinden hat die Mutter-Kind-Arbeit bereits jetzt schon einen hohen Stellenwert und führt zu grundlegenden Veränderungen. So baut beispielsweise die Luther-Kirche in München, die an einem sozialen Brennpunkt bereits seit Jahren eine intensive Familienarbeit betreibt, mit erheblichem Aufwand und einem hohen Maß an Eigenleistung ihr Gemeindehaus um. Im hinteren Teil des Saales soll eine Decke eingezogen werden, um einen neuen großen Raum zu gewinnen - für neue Mutter-Kind-Gruppen.
Achim Schmid
IA - Keine Eselei, sondern Aktion Ehrenamt
Ironisch, selbstkritisch, selbstbewusst: So zeigen sich Ehrenamtliche aus München auf dem 29. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt vom 13. bis 17. Juni 2001 (und zwar auf dem Markt der Möglichkeiten, Marktbereich 1, Halle 4, Stand L 25), und Mitarbeiter aus Bayern, die beim alle zwei Jahre stattfindenden größten regelmäßigen Protestantentreffen heuer dabei sind, sollten sich die Präsentation des Ehrenamtes in der Kirche keinesfalls entgehen lassen.

IA Ehrenamt nennt sich das Projekt. IA, das klingt nach Esel, das Logo der Aktion ist ein Goldesel, und dieser Esel hat - nach Ansicht der Initiatoren, der Werkstatt Ehrenamt beim Evangelischen Bildungswerk München, die seit 1993 damit auf dem Kirchentag sind - hat alles, was Ehrenamtliche auszeichnet. Er ist selbstbewusst, macht das Maul auf, kann tüchtig arbeiten, ist auch mal bockig, kann auch "Nein" sagen, ist beladbar und belastbar, ist auch nicht dümmer als andere große Tiere und steht in bester biblischer Tradition (Leitgeschichte: Bileam, 4. Mose 22).
Schwerpunkt auf dem Kirchentag in Frankfurt ist die Präsentation des Ehrenamtsgesetzes der bayerischen Landeskirche.
(Mehr Info bei: Werkstatt Ehrenamt beim EBW München, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 80331 München, Tel. 089/552580-40).
Jedem Mitarbeiter sein Handbuch
In St. Markus in Gibitzenhof in Nürnberg hat - mit Unterstützung eines Unternehmensberaters - ein Mitarbeiterhandbuch erstellt. Es gibt - durch ein Farbleitsystem gegliedert und übersichtlich gestaltet - dem Mitarbeiter, der Mitarbeiterin einen klar strukturierten Einblick in die Tätigkeitsfelder dieser Gemeinde, benennt die verantwortlichen Personen, erzählt etwas von der Geschichte und präsentiert nicht zuletzt das Leitbild, dem sich die Gemeinde verpflichtet sieht. Ein Hand- und Arbeitsbuch, das kontinuierlich fortgeschrieben werden soll.